Leip­zigs Mit­tel­stand steckt 166 Mil­lio­nen in Di­gi­ta­les

Stu­die zeigt gro­ßen N2chhol­be­d2rf in Leip­zig

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON FRANK JO­HANN­SEN

LEIP­ZIG. 166 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr in­ves­tie­ren Leip­zigs Mit­tel­ständ­ler in die Di­gi­ta­li­sie­rung. Doch: Nur je­der fünf­te Be­trieb küm­mert sich über­haupt um das The­ma. Vor al­lem im Ge­sund­heits­we­sen gibt es in der Re­gi­on noch gro­ßen Nach­hol­be­darf.

LEIP­ZIG. Nur je­der fünf­te Mit­tel­ständ­ler in der Re­gi­on Leip­zig in­ves­tiert Geld in die Di­gi­ta­li­sie­rung sei­nes Be­trie­bes. Zu die­sem Er­geb­nis kommt ei­ne ak­tu­el­le Stu­die der För­der­bank KFW, die die Hy­po­ver­eins­bank nach Re­gio­nen aus­ge­wer­tet hat. Das sei viel zu we­nig, sagt der Lei­ter des Fir­men­kun­den­ge­schäfts der Bank in Mit­tel­deutsch­land, Patrick Grünau­er-kloeve­kom. „Wir se­hen bei dem The­ma noch gro­ßen Nach­hol­be­darf.“

Von den zwei Mil­li­ar­den, die al­le Mit­tel­ständ­ler im Kam­mer­be­zirk im Jahr 2016 zu­sam­men­ge­rech­net in­ves­tiert ha­ben, ent­fie­len nur 166 Mil­lio­nen Eu­ro auf Aus­ga­ben für die Di­gi­ta­li­sie­rung, be­rich­tet Grünau­er-kloeve­kom. Neue­re Da­ten lä­gen lei­der noch nicht vor. Nur je­der zwölf­te Eu­ro, den die Fir­men ins Un­ter­neh­men ste­cken, wer­de da­mit ge­nutzt, um sich fit zu ma­chen für die di­gi­ta­le Zu­kunft.

Bei 80 Pro­zent der 50 000 Mit­tel­ständ­ler im Kam­mer­be­zirk, zu dem ne­ben der Stadt Leip­zig auch die Land­krei­se Leip­zig und Nord­sach­sen zäh­len, lie­ge der Etat für Di­gi­ta­les so­gar bei Null. Bei den­je­ni­gen, die über­haupt Geld da­für aus­ge­be, sei­en es im Schnitt 18000 Eu­ro. Be­zahlt wer­de das meist aus den lau­fen­den Ein­nah­men. För­der­kre­di­te der KFW oder der Säch­si­schen Auf­bau­bank wür­den da­ge­gen kaum ge­nutzt.

„Es gibt hier Vor­rei­ter, die dop­pelt so viel in­ves­tie­ren“, sagt Grünau­er-kloeve­kom. „Da müss­ten die an­de­ren auch hin.“Um den An­schluss an die Zu­kunft nicht zu ver­lie­ren, müss­ten sich die In­ves­ti­tio­nen in die Di­gi­ta­li­sie­rung ver­dop­peln – „min­dest“, wie Grünau­er-kloeve­kom. Um wirk­lich al­le Mit­tel­ständ­ler fit für die di­gi­ta­le Zu­kunft zu ma­chen, müss­ten sich die Aus­ga­ben da­für so­gar ver­fünf­fa­chen – auf mehr als 800 Mil­lio­nen Eu­ro.

Als Mit­tel­ständ­ler zäh­len al­le Un­ter­neh­men bis 500 Mil­lio­nen Eu­ro Um­satz. „Und das sind bei uns 98 Pro­zent der Un­ter­neh­men“, fügt Grünau­er-kloeve­kom hin­zu. Nur die ganz Gro­ßen wie BMW, Por­sche, DHL, Ama­zon oder Ver­bund­netz Gas, zu­meist oh­ne­hin Töch­ter west­deut­scher Kon­zer­ne, fal­len raus. Auf mehr als 500 Mil­lio­nen Um­satz kom­men im Raum Leip­zig sonst nur noch Com­par­ex, Ver­bio, der Stadt­kon­zern LVV und der MDR.

Mit der Zu­rück­hal­tung lie­gen Leip­zigs Mit­tel­ständ­ler aber bun­des­weit im Trend. Auch in ganz Deutsch­land in­ves­tie­ren die Mit­tel­ständ­ler, die über­haupt Geld für die Di­gi­ta­li­sie­rung aus­ge­ben, im Schnitt nur 18000 Eu­ro. Et­was bes­ser sieht es aber rund um die Nach­bar­stadt Hal­le aus – in­klu­si­ve der Che­mie­re­gi­on Leu­na im Saa­le­kreis. Im Schnitt ge­ben die Mit­tel­ständ­ler dort 1000 Eu­ro mehr fürs Di­gi­ta­le aus als in Leip­zig.

Vor­rei­ter ist er­war­tungs­ge­mäß die It­und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­bran­che, Schluss­licht: das Ge­sund­heits­we­sen. Und die Mit­tel­ständ­ler wür­den nicht nur zu we­nig in­ves­tie­ren, son­dern oft auch falsch. „Die Ge­sprä­che mit un­se­ren Kun­den zei­gen, dass vie­le Mit­tel­ständ­ler im Raum Leip­zig zu ein­sei­tig in IT in­ves­tie­ren.“In die Ent­wick­lung ver­netz­ter Pro­duk­te und Di­enst­leist­zun­gen wie War­tung per Fern­dia­gno­se flie­ße da­ge­gen bis­her nur we­nig Geld. Die meis­ten Mit­tel­ständ­ler wür­den das The­ma nur schritt­wei­se und sehr lang­sam an­ge­hen – und scheu­en Brü­che, die mit ei­ner kon­se­quen­ten Um­stel­lung des ei­ge­nen Sor­ti­ments ver­bun­den wä­ren. „Die Chan­cen, die sich hier bie­ten, wer­den noch zu we­nig ge­nutzt.“

Die Chan­cen durch die Di­gi­ta­li­sie­rung wer­den noch zu we­nig ge­nutzt. Patrick Grünau­er-kloeve­kom, Hy­po­ver­eins­b2nk Leip­zig

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