Der drit­te Weg ins Gebirge

Bruck­ner-zy­klus im Ge­wand­haus: An­d­ris Nel­sons kom­bi­niert die Sechs­te mit Wa­g­ners Sieg­fried-idyll

Leipziger Volkszeitung - - KULTUR - VON PE­TER KORFMACHER Von den ka­no­ni­schen Bruck­ner-sin­fo­ni­en, die mit der drit­ten erst be­gin­nen, tut sich die Sechs­te am schwers­ten im Re­per­toire. Das mag da­mit zu­sam­men­hän­gen, dass in kei­nem an­de­ren Werk aus der Fe­der des schüch­ter­nen Gi­gan­ten aus Linz d

– meist ist es nur die Rech­te, wäh­rend die Lin­ke sich hin­ten am Bü­gel fest­krallt – kommt da, an­ge­führt von der sen­sa­tio­nell sinn­li­chen Oboe, ein Kalei­do­skop von Schön­heit in Gang, des­sen emo­tio­na­ler Kraft sich kaum je­mand ent­zie­hen kann. In see­len­wun­der Zärt­lich­keit um­ran­ken sich da die wun­der­ba­ren Blä­ser-so­li, sanft ge­bet­tet auf und um­spielt von lich­ten Strei­chern, und man wünsch­te, sie hör­ten nie­mals da­mit auf. Nach die­sem Gip­fel der Leip­zi­ger Bruck­ner-pfle­ge fal­len das selt­sa­me Scher­zo so­wie das et­was pau­scha­le und trotz des nicht zu schnel­len Tem­pos et­was un­ru­hi­ge Fi­na­le wie­der ab. Aber so ist das eben, wenn man ganz oben steht, dann kann es nur wie­der ab­wärts ge­hen – und mün­det den­noch in er­heb­li­chen Ju­bel.

Vor der Pau­se eb­net Nel­sons die­sem Mo­no­li­then mit ei­nem Ge­le­gen­heits-meis­ter­werk den Weg: Richard Wa­g­ners Sieg­fried-idyll, die­se zärt­li­che Mor­gen­ga­be an sei­ne Noch-nicht-gat­tin Co­si­ma als Dank für bei­der be­reits voll er­blüh­tes Fa­mi­li­en­le­ben. Un­ver­stell­ter, auf­rich­ti­ger, be­seel­ter, lie­be­vol­ler, glück­li­cher, ver­letzt­li­cher – mensch­li­cher als in die­sen 20 Mi­nu­ten war Wa­gner in sei­nem gan­zen Rie­sen­werk sonst nie. Und Nel­sons und die hier recht klei­ne Ab­ord­nung sei­nes Ge­wand­haus­or­ches­ters ma­chen die­ses ver­lieb­te Pot­pour­ri aus „Ring“-mu­sik und al­ler­lei Selbst-zi­ta­ten zum Mo­nu­ment in­ni­ger Schön­heit. Nicht kör­per­los säu­selnd, aber im­mer sanft und woh­lig auf­seuf­zend.

Mit­ten­drin läuft Cor­ne­lia Groh­mann mit gro­ßem, run­dem, da­bei sub­ti­lem und ge­schmei­di­gem Ton noch ein­mal zu Höchst­form auf. Die drei die­ser Wo­che sind ih­re letz­ten Gro­ßen Con­cer­te als So­lo­flö­tis­tin des Ge­wand­haus­or­ches­ters. Nach 26 Jah­ren sei „es Zeit für ei­nen neu­en Le­bens­ab­schnitt“, gab sie knapp fürs Pro­gramm­heft zu Pro­to­koll. Scha­de.

Das Gro­ße Con­cert wird am mor­gi­gen Sonn­tag, 11 Uhr, wie­der­holt. Mit et­was Glück gibt es an der Ta­ges­kas­se noch Rest­kar­ten.

Re­pro: dpa

An­ton Bruck­ner (r.) und Richard Wa­gner schnup­fend. Karikatur in Sche­ren­schnitt­ma­nier von Ot­to Böh­ler.

Fo­to: An­dré Kemp­ner

An­d­ris Nel­sons di­ri­giert das Ge­wand­haus­or­ches­ter.

Fo­to: An­dré Kemp­ner

Stif­ter Wolf-dietrich Frei­herr Speck von Stern­burg im neu ge­stal­te­ten Raum mit den Wer­ken aus der Samm­lung sei­nes Ur-ur­groß­va­ters Ma­xi­mi­li­an Speck von Stern­burg.

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