Von John Le­gend bis Eric Clap­ton: Al­ben für die Weih­nachts­zeit – ein Über­blick

Die Weih­nachts­plat­ten des Jah­res 2018 im Über­blick: John Le­gend, Eric Clap­ton, J D Mc Pher­son, Rod­ney Cro­well, Micha­el Bu­blé

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON MAT­THI­AS HAL­BIG

Ein schwar­zer San­ta zwin­kert vom Co­ver der CD. Das er­in­nert an das gu­te al­te „Whi­te Christ­mas“und R’n’b-prinz John Le­gend sieht mit der ro­ten Müt­ze auf dem Co­ver auch aus wie das Bing-cros­by-mo­dell von 2018. Die Weih­nachts­mu­sik auf „A Le­gen­da­ry Christ­mas“ist in­des nicht hol­ly­wood­weiß son­dern vol­ler Mo­town, Soul und Jazz.

Der Dich­ter Ja­mes Ivy Richard­son ali­as J. Ivy hat­te John Ro­ger Ste­phens 2001 auf den Künst­ler­na­men Le­gend ge­bracht, weil er wie ei­ne der Le­gen­den klang. Auf sei­ner Weih­nachts­plat­te hat er noch wei­te­re um sich ge­schart: Stevie Won­der lässt sei­ne un­ver­wech­sel­ba­re Mund­har­mo­ni­ka gleich im ers­ten Track „What Christ­mas Me­ans to Me“ver­gnügt zwit­schern. Die Jazz­grö­ße Espe­ran­za Spal­ding ver­fei­nert Le­gends Ver­si­on von „Ha­ve Yours­elf a Mer­ry Litt­le Christ­mas“. Klas­si­ker wie „Sil­ver Bells“ste­hen ne­ben neu­en Songs mit Ever­green-po­ten­zi­al wie „No Place Li­ke Ho­me“. Im­mer wie­der schim­mern in den Lie­dern an­de­re Lie­der auf – hier ein paar Se­kun­den „O Co­me All Ye Faith­ful“, dort ein paar Se­kun­den „O Tan­nen­baum“. Mehr Weih­nach­ten geht nicht.

Kein Spiel­zeug, statt­des­sen – „Socks“. So heißt pro­sa­isch das Weih­nacht­s­al­bum des Rock’n’rol­lers JD Mcpher­son, und das Co­ver zeigt ei­nen Kn­a­ben in hei­li­gem Zorn, der an Sem­pés und Go­scin­nys „klei­nen Nick“er­in­nert und sich beim Au­s­pa­cken über die un­ge­lieb­ten „wei­chen Ge­schen­ke“echauf­fiert. Mit viel Hu­mor in den Tex­ten und woh­lig an­ti­quier­ten Bud­dy-hol­ly-hall auf den Gi­tar­ren, lie­fert der 41-jäh­ri­ge Song­wri­ter aus Okla­ho­ma Lie­der über den „bö­sen Jun- gen, den Schre­cken al­ler Kauf­haus-san­tas“, über ei­nen „ma­ge­ren Weih­nachts­mann“und singt mit sei­ner eng­li­schen Kol­le­gin Lu­cie Sil­vas im Du­ett vom Ehe­zwist zwi­schen „Mr. Und Mrs. Claus“. Hö­he­punkt ist der „Ugly Swea­ter Blues“. Der Spross im Lied hat die Na­se end­gül­tig voll von Ma­mas all­jähr­li­chen, im­mer häss­li­che­ren selbst­ge­strick­ten Weih­nachts­pull­overn.

Auch Rod­ney Cro­well, Ex-schwie­ger­sohn von John­ny Cash und ein Hit­lie­fe­rant der spä­ten 80er, setzt auf Selbst­ge­schrie­be­nes. Coun­try, Coun­tryswing und ge­le­gent­lich ein Blues sind die vor­herr­schen­den Klang­far­ben auf „Christ­mas Ever­yw­he­re“. Und schon „Christ­mas La­ment (We’ll See You in the Mall)“, der hei­me­li­ge Auf­takt mit ei­nem Frau­en­chor, zeigt, dass der 67jäh­ri­ge Texa­ner mit der Schluck­auf­stim­me ei­ner für süf­fi­san­te Sei­ten­hie­be ist. Auch Trump be­kommt ei­nen ab. Den schöns­ten Weih­nachts­wunsch auf Cro­wells schö­ner Plat­te äu­ßert Gast­sän­ge­rin Le­ra Lynn: „Ei­ne Zeit­ma­schi­ne, um zu dem Tag zu­rück­zu­keh­ren, an dem John Len­non starb.“

Fast so un­er­war­tet wie Bob Dylans „Christ­mas In The Heart“von 2009 kam in die­sem Jahr Eric Clap­tons Lie­der­buch für den Ad­vent in die Lä­den. Selbst­ver­ständ­lich re­giert Blues den Ad­vent die­ses Man­nes, den B. B. King mal den größ­ten Freund des Blues ge­nannt hat. Den San­ta auf dem Co­ver hat Clap­ton selbst ge­zeich­net, die schö­ne Bal­la­de „For Lo­ve on Christ­mas Day“selbst ge­schrie­ben. Das Fremd­ma­te­ri­al reicht vom pflicht­ge­mä­ßen „Si­lent Night“(Reg­gae) über Ir­ving Ber­lins „Whi­te Christ­mas“bis hin zu Fred­die Kings „Christ­mas Te­ars“. Ein stim­mungs­vol­les Al­bum, das in der Mit­te mit ei­ner Hou­se­ver­si­on von „Jing­le Bells“ge­bro­chen wird. Clap­ton trau­ert hier um den im April mit 28 Jah­ren ver­stor­be­nen schwe­di­schen Star­re­mi­xer.

Zu­letzt, und doch ge­schätzt: Die thü­rin­gi­sche Sän­ge­rin Ly­am­bi­ko ver­öf­fent­licht auf dem ge­ra­de 100 Jah­re alt ge­wor­de­nen Us-la­bel Okeh! „My Fa­vou­rite Christ­mas Songs“. Ih­re Fa­vo­ri­ten aus Tra­di­ti­on und Pop dürf­ten auch die der meis­ten Hö­rer sein. In Pia­no-do­mi­nier­ten Jaz­zar­ran­ge­ments kom­men die­se Meist­ge­hör­ten je­doch ent­spannt und an­ge­nehm kitsch­frei rü­ber. Auf Micha­el Bu­blés neu­em Al­bum fin­det zwar kein ein­zi­ges Weih­nachts­lied Platz, trotz­dem soll das swin­gen­de „Lo­ve“ in die Jul­zeit-ju­ke­box auf­ge­nom­men wer­den. Denn die­se elf sam­tig ge­sun­ge­nen, weit­ge­hend kitsch­frei­en Lie­bes­lie­der – von „My Fun­ny Va­len­ti­ne“über „La Vie en Ro­se“bis hin zu Kris Kristof­fer­sons „Help Me Ma­ke It through the Night“– schmie­gen sich per­fekt ins Fest der Lie­be. In die neue Sing­le „Lo­ve You Any­mo­re“ver­liebt man sich schon auf den ers­ten Horch, zum Big-band-sound von „Such a Night“twis­tet man in der Hei­li­gen Nacht um den Christ­baum.

John Le­gend: „A Le­gen­da­ry Christ­mas“(Co­lum­bia); JD Mcpher­son: „Socks“(New West Re­cor­ds); Rod­ney Cro­well: „Christ­mas Ever­yw­he­re“(New West Re­cor­ds); Eric Clap­ton: „Hap­py X-mas“(Po­ly­dor); Ly­am­bi­ko: „My Fa­vou­rite Christ­mas Songs“(Okeh!); Micha­el Bu­blé: „Lo­ve“(Re­pri­se)

Soul­mann John Le­gend mit sei­ner Ehe­frau, dem Mo­del Ch­ris­sy Tei­gen, sei­nen bei­den Kin­dern Mi­les und Lu­na und der Bull­dog­ge Pep­per.

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