Wenn das Karl Marx wüss­te

Leipziger Volkszeitung - - LEIPZIG - VON JÖRG TER VEHN

E s ent­behrt nicht ei­ner ge­wis­sen Tra­gik, wenn den Lin­ken Karl Marx ab­han­den ge­kom­men ist. Man­che fin­den ja, das sei schon längst so. Aber kon­kret wur­de es erst ver­gan­ge­ne Wo­che. Da ver­schwand Karl Marx aus dem Bü­ro des Lin­ken Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Mar­co Böh­me in Lin­denau. Al­so ge­nau­er ge­sagt ein Bild von ihm, das vor drei Jah­ren von der Künst­le­rin Nad­ja Sel­ting dem Bü­ro als Dau­er­leih­ga­be über­ge­ben wur­de.

Kay Ka­mieth, der Spre­cher der Lin­ken in Leip­zig, nimmt es mit Hu­mor. Das ewi­ge Rum­hän­gen er­fül­le eben nicht je­den. Da­her ha­be es zu­nächst die Ver­mu­tung ge­ge­ben, „dass Karl nach ei­ner Zech­tour durch den Leip­zi­ger Wes­ten ir­gend­wo an­ders hän­gen ge­blie­ben ist“, mein­te er in der Ver­misst-mel­dung. Wahr­schein­li­cher sei je­doch, dass das Bild von ei­ner Per­son, die das Bü­ro re­gel­mä­ßig be­sucht, mit­ge­nom­men wur­de und „er nun in ei­nem Wg-zim­mer hängt“, mut­maß­te Ka­mieth. „Schlim­mer noch wä­re die Vor­stel­lung, dass Neo­na­zis das Bild ge­zielt klau­ten und mit dem Dieb­stahl in ih­rer Sze­ne an­ge­ben wol­len“, schrieb er. Je­der nach sei­nen Fä­hig­kei­ten, je­der nach sei­nen Be­dürf­nis­sen – hat das nicht Marx ge­pre­digt?

Das Bild­nis sei ge­schätz­te 10 000 Eu­ro wert, er­klä­ren die Lin­ken in ih­rer Mit­tei­lung. Da hört be­kannt­lich je­der Spaß auf, An­spruch und Wirk­lich­keit ge­hen da – was Wun­der – aus­ein­an­der. Al­so, wer et­was über den ver­schwun­de­nen Marx weiß, mel­de sich un­ter Tel. 0341 49273148. Es winkt ein Fin­der­lohn! Wenn das Marx wüss­te...

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