Das sa­gen Lvz­le­ser zu Leip­zigs Aus­stieg aus der Braun­koh­le

... und der An­kün­di­gung, nach 2023 kei­ne Fern­wär­me mehr aus dem Kraft­werk Lip­pen­dorf zu be­zie­hen

Leipziger Volkszeitung - - LEIPZIG - Ralf Zimmermann, 04442 Zwen­kau Dr. Die­ter Mer­ten, 04288 Leip­zig Dipl.-ing. Ge­org Hof­mann, 04315 Leip­zig Karl-heinz Ch­le­boun, per E-mail Dr. Ing. Die­ter Hoff­mann, Leip­zig S. K.

Un­fä­hig, die Zu­kunft zu ge­stal­ten

Wäh­rend der Re­gen­wald ab­ge­holzt wird und die Welt­mee­re ver­müllen, glaubt der mehr­heit­lich Rot-grün ge­präg­te Leip­zi­ger Stadt­rat, mit dem En­de der Fern­wär­me­ver­sor­gung vom Kraft­werk Lip­pen­dorf die Welt zu ret­ten. Da­zu kom­men Kos­ten von 300 Mil­lio­nen Eu­ro (die bis da­hin si­cher­lich 500 Mil­lio­nen be­tra­gen), hö­he­re Emis­si­ons­wer­te und ei­ne nicht ge­nutz­tes Ne­ben­pro­dukt der Koh­le­ver­bren­nung. Die­se ideo­lo­gi­sche Ent­schei­dung ist nicht nur un­wirt­schaft­lich, un­sin­nig und ver­ant­wor­tungs­los, son­dern zeugt von ho­her Un­fä­hig­keit, die Zu­kunft der Stadt Leip­zig zu ge­stal­ten. Hof­fent­lich bleibt noch ge­nü­gend Zeit, dass ein zu­künf­ti­ger, bes­se­rer Stadt­rat die­sen gro­ben Un­fug wie­der rück­gän­gig ma­chen kann.

Die Rech­nung zah­len die Ver­brau­cher

Die An­kün­di­gung und de­ren Be­grün­dung, aus ei­ner si­che­ren in Kraft-wär­meKopp­lung (KWK) er­zeug­ten Fern­wär­me­be­lie­fe­rung auf Ba­sis Braun­koh­le aus­stei­gen zu wol­len, zeigt deut­lich, dass sol­che Ent­schei­dun­gen in Deutsch­land nicht mehr auf der Ba­sis von Wirt­schaft­lich­keit und Um­welt­schutz ge­trof­fen wer­den, son­dern Ideo­lo­gie und Glau­be die trei­ben­den Kräf­te sind. Der Ober­bür­ger­meis­ter lässt sich von Grü­nen und Lin­ken trei­ben, setzt auf ein Eeg-ge­setz, des­sen wett­be­werbs­ver­zer­ren­de Wir­kung nach- ge­wie­sen ist. Er un­ter­stellt, dass auf die­ser Ge­set­zes­grund­la­ge För­de­run­gen er­fol­gen, um ei­ne be­ste­hen­de und seit Jah­ren zu­ver­läs­sig funk­tio­nie­ren­de Kwk-an­la­ge durch ei­ne neue An­la­ge un­ter Ein­satz von teu­rem Erd­gas oder spä­ter so­gar noch teu­re­ren syn­the­ti­schen Ga­sen zu er­set­zen. Dass er­hoff­te För­de­run­gen letzt­lich aus dem Topf kom­men wür­den, den die Ener­gie­ver­brau­cher über Steu­ern be­zie­hungs­wei­se er­höh­te Strom­prei­se erst fül­len, ist ihm si­cher egal. Die Kos­ten der­art un­sin­ni­ger Ent­schei­dung tra­gen wie im­mer die Ener­gie­ver­brau­cher.

Ein fa­ta­les Si­gnal

Ei­ne klei­ne Teil­grup­pie­rung der Be­völ­ke­rung, vom Okö-wahn durch­drun­ge­ne Kli­ma­ret­ter, er­zwin­gen das En­de der Fern­wär­me­ver­sor­gung durch das hoch­mo­der­ne Kraft­werk Lipp­pen­dorf. Der Gip­fel der Dreis­tig­keit ist die Be­haup­tung, die Ent­schei­dung wä­re nicht ideo­lo­gisch mo­ti­viert. Die Ziel­set­zung, die Kli­ma­ret­tung, kön­nen die­se Ak­ti­vis­ten na­tur­ge­setz­be­dingt so­wie­so nicht er­rei­chen. Wäh­rend die Fern­wär­me im KW Lip­pen­dorf ein Ne­ben­pro­dukt ist und da­her kei­ne Spur von CO2 zu­sätz­lich ver­ur­sacht, wer­den durch ein gas­be­feu­er­tes neu­es Heiz­kraft­werk un­nö­ti­ger­wei­se Mil­lio­nen Ton­nen CO2 pro­du­ziert. Das ist dem­nach ge­nau das Ge­gen­teil der Be­stre­bun­gen ei­ner Re­du­zie­rung der Co2-er­zeu­gung und da­mit ein fa­ta­les Si­gnal. Je­des Ki­lo­gramm Erd­gas (ent­spricht 1,4 Norm-ku­bik­me­tern), das ver­feu­ert wird, pro­du­ziert näm­lich 2,75 Ki­lo­gramm CO2. Das ist zwar we­ni­ger als bei der Ver­bren­nung von Koh­le, darf aber in die­sem Zu­sam­men­hang der Be­völ­ke­rung nicht ver­schwie­gen wer­den. Die zu­künf­ti­ge Ver­nich­tung von Ar­beits­plät­zen und Volks­ver­mö­gen ist zu­sätz­lich un­ver­meid­bar. Die­ser Vor­gang be­stä­tigt da­mit ein­drucks­voll den ideo­lo­gi­schen Hin­ter­grund der Ent­schei­dung, weil das Ver­heim­li­chen, Ver­harm­lo­sen oder Leug­nen von Ne­ben­ef­fek­ten/be­gleit­erschei­nun­gen ein ein­drucks­vol­les Kenn­zei­chen von ideo­lo­gisch be­ding­ten Be­stre­bun­gen ist.

Auf Druck der Gas-lob­by?

In Leip­zig steht zur­zeit die In­dus­trie der Gas­be­trei­ber kurz vor der In­sol­venz! Kann es da nicht sein, dass auf Herrn Jung von die­ser Sei­te jetzt Druck aus­ge­übt wird, dies mit der In­ves­ti­ti­on die­ser Gas­heiz­wer­ke zu än­dern? Das KW Lip­pen­dorf wird nach wie vor ge­braucht, und es wird so schnell nicht au­ßer Be­trieb ge­hen – auch wenn ei­ni­ge in der Grü­nen Par­tei oh­ne Sach­ver­stand dies wol­len und schon in Ih­rer Zei­tung ju­beln! Al­so muss man doch Fol­gen­des ver­bu­chen: Das KW Lip­pen­dorf wird noch vie­le Jah­re CO2 in die Luft bla­sen (die Koh­le­kom­mis­si­on wird sa­gen, wie lan­ge) und die bei­den zu bau­en­den Gas­kraft­wer­ke kom­men mit ih­rem CO2 da­zu. Wir wun­dern uns nur, wenn der Co2-ge­halt im­mer mehr steigt. In­for­mie­ren Sie doch mal Ih­re Le­ser, dass die Braun­koh­le nur 0,3 Pro­zent am CO2 in Deutsch­land schuld ist.

Kei­ne Ent­las­tung für die Um­welt

Es ist un­strit­tig, dass Deutsch­land aus der Ver­stro­mung von Koh­le aus­stei­gen muss. Es ist aber auch klar, dass dies mit Ver­nunft und Sach­ver­stand ge­sche­hen muss. Die Ent­schei­dung der Stadt Leip­zig, sich kurz­fris­tig von der Fern­wär­me des Kraft­wer­kes Lip­pen­dorf ab­zu­kop­peln, lässt bei­des ver­mis­sen. Die Ab­wär­me von Lip­pen­dorf wird dann nicht mehr zum Hei­zen von Woh­nun­gen ge­nutzt, son­dern wird über den Kühl­turm an die Luft ab­ge­ge­ben. Der Co2-aus­stoß bleibt un­ver­än­dert. Zu­sätz­lich wer­den neue Gas­kraft­wer­ke in Be­trieb ge­nom­men und sto­ßen CO2 aus. Auch die Fe­in­staub­be­las­tung im Stadt­ge­biet er­höht sich. Als In­ge­nieur mit lo­gi­schem Den­ken kann ich da kei­ne Ent­las­tung der Um­welt er­ken­nen. Mir er­scheint das sehr ideo­lo­gisch. Es wä­re ver­nünf­tig, die Ab­wär­me des Kraft­wer­kes Lip­pen­dorf bis zum En­de der Lauf­zeit zu nut­zen und die Um­stel­lung auf Gas­kraft­wer­ke dann vor­zu­neh­men. Dann kann man auch von An­fang an kli­ma­neu­tra­les Bio­gas ver­wen­den. Die Ent­wick­lung die­ser Tech­ni­ken wird wei­ter­ge­hen. Zur­zeit denkt doch auch ei­ne Koh­le­kom­mis­si­on über den Aus­stieg aus der Braun­koh­le nach. Ich fin­de es un­de­mo­kra­tisch, die Er­geb­nis­se nicht ab­zu­war­ten. Ge­schä­dig­te war Po­li­zis­ten, die auf dem Weih­nachts­markt in Rich­tung Au­gus­tus­platz auf Strei­fe wa­ren, in die Ar­me ge­lau­fen. Auf­grund sei­ner er­heb­li­chen Kopf­ver­let­zung alar­mier­ten sie den Ret­tungs­dienst, der den 57-Jäh­ri­gen zur me­di­zi­ni­schen Ver­sor­gung in ein Kran­ken­haus brach­te. Dem Op­fer zu­fol­ge ha­be es sich bei den Tä­tern um „zwei aus­län­disch wir­ken­de Män­ner“ge­han­delt.

Tau­ben­pla­ge im Leip­zi­ger Ci­ty­tun­nel

Im Ho­tel Asto­ria wird rich­tig ge­ackert

Rya­nair zieht sich vom Flug­ha­fen Leip­zig/hal­le zu­rück

Fo­to: Jens Paul Tau­bert

Noch be­zieht Leip­zig Fern­wär­me aus dem Braun­koh­le­kraft­werk Lip­pen­dorf. Nach 2023 setzt Sach­sens größ­te Stadt auf ei­ne Ei­gen­ver­sor­gung auf Erd­gas­ba­sis.

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