Ost-ma­schi­nen­bau­er: Mehr In­ge­nieu­re als im Wes­ten

Im Os­ten scheint die Bran­che da­bei er­folg­rei­cher zu sein: Die Be­trie­be hier be­schäf­ti­gen deut­lich mehr In­ge­nieu­re als im Wes­ten – und dar­un­ter be­son­ders vie­le Frau­en.

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - Von Frank Jo­hann­sen

Die Ma­schi­nen­bau­er su­chen hän­de­rin­gend nach Fach­kräf­ten. Der Be­wer­ber­man­gel bei In­ge­nieu­ren dro­he, sich zur In­no­va­ti­ons­brem­se aus­wach­sen, warn­te Hart­mut Rau­en, Vi­ze-haupt­ge­schäfts­füh­rer der Bran­che. Der Os­ten aber trotzt dem Trend: Die Be­trie­be hier be­schäf­ti­gen deut­lich mehr In­ge­nieu­re als im Wes­ten.

Ei­gent­lich gel­ten die vie­len klei­nen Be­trie­be im Os­ten eher als Nach­teil. Vor al­lem bei For­schung und Ent­wick­lung fehlt den Klei­nen oft die Kraft. Doch jetzt zei­gen die Ma­schi­nen­bau­er, dass es auch um­ge­kehrt sein kein: Bei der Re­kru­tie­rung von In­ge­nieu­ren schnei­den die Ost-fir­men so­gar bes­ser ab als ih­re Kol­le­gen im Wes­ten. Wäh­rend bun­des­weit nur je­der sechs­te Mit­ar­bei­ter der Ma­schi­nen­bau­er ei­nen In­ge­nieurs­ab­schluss hat, ist der An­teil im Os­ten dop­pelt so hoch. Je­der drit­te Mit­ar­bei­ter hier ist In­ge­nieur. Zu die­sem Er­geb­nis kommt der Ver­band Deut­scher Ma­schi­nen- und An­la­gen­bau (VDMA) Ost in sei­ner ak­tu­el­len Mit­glie­der­be­fra­gung, die er al­le drei Jah­re durch­führt.

Grund ist nach Ein­schät­zung des VDMA ge­ra­de die klein­tei­li­ge Struk­tur der Bran­che in den neu­en Län­dern. „In Ost­deutsch­land über­wiegt die klein­tei­li­ge Wirtschaft“, er­klärt Vdma-ost-ge­schäfts­füh­rer Rein­hard Pätz. „Die Be­trie­be müs­sen je­doch ge­nau­so in­no­va­ti­ons­stark und wett­be­werbs­fä­hig sein wie gro­ße Mit­tel­ständ­ler oder Kon­zer­ne. In den klei­ne­ren ost­deut­schen Be­leg­schaf­ten ist da­her der An­teil der In­ge­nieu­re hö­her, da­für wer­den die viel­fäl­tigs­ten Ver­wal­tungs­auf­ga­ben bei we­ni­gen Mit­ar­bei­tern ge­bün­delt.“

Bun­des­weit zähl­te der VDMA 199 800 In­ge­nieu­re, 9200 mehr als vor drei Jah­ren. In den neu­en Län­dern kom­men die rund 476 Be­trie­be der Bran­che auf ins­ge­samt 85700 Mit­ar­bei­ter. Bei ei­nem In­ge­nieurs­an­teil von 33,6 Pro­zent wä­ren dar­un­ter 28800 In­ge­nieu­re. Bun­des­weit ar­bei­tet da­mit je­der sie­ben­te In­ge­nieur der Bran­che in den neu­en Län­dern.

Und un­ter den In­ge­nieu­ren sind im Os­ten auch deut­lich mehr Frau­en. 13 Pro­zent sind es in den neu­en Län­dern, ge­gen­über 9,2 Pro­zent bun­des­weit. Al­ler­dings: Wäh­rend der Frau­en­an­teil bun­des­weit seit Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich steigt, ist er im Os­ten ge­sun­ken: 2010 hat­te der An­teil hier noch bei 17 Pro­zent ge­le­gen (ge­gen­über da­mals nur 7,1 Pro­zent bun­des­weit). Bis 2016 sank er im Os­ten dann auf 12,6 Pro­zent, wäh­rend er bun­des­weit auf 8,5 Pro­zent zu­leg­te. Grund: In der DDR mach­ten deut­lich mehr Frau­en als im Wes­ten ei­ne tech­ni­sche Aus­bil­dung. Doch im­mer mehr die­ser In­ge­nieu­rin­nen gin­gen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren in den Ru­he­stand, so­dass der Frau­en­an­teil im­mer wei­ter sank. Im­mer­hin scheint der Ab­wärts­trend im Os­ten nun aber ge­stoppt: Ge­gen­über 2016 leg­te der Frau­en­an­teil wie­der um 0,4 Pro­zent­punk­te zu.

„Nach­dem in Ost­deutsch­land zwi­schen 2010 und 2016 die In­ge­nieu­rin­nen­quo­te von 17 Pro­zent auf 12,6 Pro­zent fiel, wur­de der Ab­wärts­trend nun wie­der leicht um­ge­kehrt“, sagt Pätz. Ge­stoppt ist nach Ein­schät­zung des VDMA auch die star­ke Übe­r­al­te­rung der Be­leg­schaf­ten im Os­ten: Im­mer­hin 42 Pro­zent der Ost-in­ge­nieu­re sind in­zwi­schen in der Al­ters­grup­pe zwi­schen 31 und 45 Jah­ren, ha­ben ih­ren Ab­schluss al­so erst nach der Wen­de ge­macht. Das sind so­gar zwei Pro­zent­punk­te mehr als der Bun­des­durch­schnitt.

Schwach schnei­den die Ost-be­trie­be aber beim Nach­wuchs un­ter 30 ab: Nur 8 Pro­zent der Ost-in­ge­nieu­re fal­len in die­se Al­ters­grup­pe – ge­gen­über 15 Pro­zent bun­des­weit. „Das ver­deut­licht die Schwie­rig­kei­ten, jun­ge Men­schen so­wohl für tech­ni­sche Be­rufs­fel­der als auch für Jobs in Un­ter­neh­men der Re­gi­on zu be­geis­tern“, sag­te Pätz. „Schu­le, Po­li­tik und Wirtschaft müs­sen des­halb an ei­nem Strang zie­hen.“Und auch die Be­trie­be selbst soll­ten of­fen­si­ver wer­ben. Denn, so stellt Pätz fest: „Der Ma­schi­nen­bau hat längst sein Image der schmut­zi­gen, lau­ten Werk­hal­len ab­ge­legt.“

Fast ein Drit­tel der be­frag­ten Un­ter­neh­men im Os­ten er­war­tet, dass die Zahl der In­ge­nieu­re in den kom­men­den fünf Jah­ren zu­nimmt, 66 Pro­zent rech­nen mit ei­ner gleich­blei­ben­den Zahl. Ge­sucht wer­den da­bei vor al­lem neue Leu­te für die Kon­struk­ti­ons­ab­tei­lun­gen, den Ver­trieb so­wie For­schung und Ent­wick­lung. Auf die­se drei Be­rei­che ent­fal­len bis­her schon fast zwei Drit­tel der In­ge­nieu­re, wei­te­re neun Pro­zent ha­ben Füh­rungs­auf­ga­ben. In der Pro­duk­ti­on da­ge­gen sind nur sie­ben Pro­zent ein­ge­setzt, in der Au­ßen­mon­ta­ge nur drei Pro­zent.

Mehr als die Hälf­te der Be­trie­be be­rich­te­te aber auch von Pro­ble­men bei der Be­set­zung frei­er Stel­len: Nur 37 Pro­zent konn­ten in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten wie ge­plant be­setzt wer­den. Bei je­der drit­ten Stel­le dau­er­te die Su­che län­ger als ge­plant, bei je­der neun­ten Stel­le muss­ten am En­de die Qua­li­fi­ka­ti­ons­an­for­de­run­gen nach un­ten ge­schraubt wer­den. Und je­de neun­te of­fe­ne Stel­le konn­te noch nicht be­setzt wer­den. Die­ser Be­wer­ber­man­gel, warn­te VDMABun­des­vi­ze Hart­mut Rau­en, könn­te sich „zu ei­ner deut­li­chen In­no­va­ti­ons­brem­se aus­wach­sen“.

FO­TO: FE­LIX KÄST­LE/DPA

Bei den Ma­schi­nen­bau­ern im Os­ten hat je­der drit­te Mit­ar­bei­ter ei­nen In­ge­nieurs­ab­schluss.

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