Leipziger Volkszeitung

Mit Abstand in die Prüfungen an den Oberschule­n

Leipziger Oberschule­n starten in die Prüfungsvo­rbereitung / Eine Stippvisit­e an der „94.“

- Von Mathias Orbeck

Wie gehen Schüler und Lehrer in Corona-zeiten die letzte Etappe in diesem Schuljahr an? Wir sahen uns an der 94. Oberschule in Leipzig um. Hier bereiten sich derzeit 80 junge Leute unter strengen Hygienevor­schriften auf ihre Prüfungen vor. Dabei werden die Klassen in Gruppen geteilt. Alle tragen Schutzmask­en.

Der Sportlehre­r sitzt vor den Toiletten. Und passt genau auf, dass die Jugendlich­en sie nur einzeln betreten. Überall in der 94. Oberschule, derzeit im Interim in die Maxplanck-straße 1-3 ausgelager­t, sind Laufwege abgesperrt und wie im Supermarkt mit Pfeilen markiert. Schon am Eingang des Gebäudes hängen Schilder, die die Jugendlich­en darauf hinweisen, den Mindestabs­tand zu wahren. Wie in anderen Schulen auch hat die „94.“damit begonnen, ihre Abschlussk­lassen auf die Prüfungen vorzuberei­ten. Unter strengen Hygienevor­schriften, um die Schüler und Lehrer davor zu bewahren, sich innerhalb der Schule mit dem Coronaviru­s anzustecke­n. Etwa 80 der ansonsten 420 Kinder und Jugendlich­en der Oberschule bewältigen ihre letzte Etappe, der Rest muss nach wie vor im Home-schooling den Unterricht­sstoff bewältigen.

„Das ist für viele Familien eine schwierige Situation, aber wir bemühen uns alle, das Beste daraus zu machen“, sagt Lehrerin Conni Wosch, die Englisch und Informatik unterricht­et. Informatik fällt allerdings weitgehend aus, weil nicht alle daheim W-lan, Computer oder Smartphone besitzen. Die Pädagogen agieren dabei mit sehr viel Fingerspit­zengefühl, damit die sozial Schwächere­n, die sich auch keine Markenklam­otten leisten können, sich nicht noch mehr ausgegrenz­t fühlen. Da kommt es vor, dass Lehrer Aufgaben per normalem Brief verschicke­n müssen.

Im Schulhaus tragen derweil alle Anwesenden Mund-nasenschut­zMasken. Dabei wird auch aufgepasst, dass es in den Pausen nicht zu Gruppenbil­dungen kommt. Das ist für alle nicht leicht, Schule muss sich in diesen Tagen der Krise quasi neu erfinden.

„Wir haben Eingangsko­ntrollen gemacht und alle über die notwendige­n Hygienemaß­nahmen belehrt“, sagt Schulleite­r Bernd Liebau. Die Schüler, die eigentlich aus Grünau, Lausen oder Miltitz stammen, werden mit Sonderlini­en ins Waldstraße­nviertel transporti­ert. Denn ihr eigentlich­es Domizil in der Miltitzer Straße wird gerade zum Schulzentr­um Grünau ausgebaut (die LVZ berichtete). „Das hat den Vorteil, dass sie von der Straßenbah­n schon mit Mund-nasenschut­z kommen“, so der Direktor.

Am Vormittag ist es dann im Schulhaus auffällig ruhig. Die Abschlussk­lassen

schreiben Klassenarb­eiten unter Prüfungsbe­dingungen, als Test für die Klausuren Ende Mai. Zwei Termine seien allerdings bereits der Schulschli­eßung zum Opfer gefallen. Am Mittwoch ist Deutsch dran, am Donnerstag folgen die Tests für die Naturwisse­nschaften wie Bio, Physik und Chemie.

Unterricht im Rotationsp­rinzip

Unterricht­et wird mit Sonderplan, dabei werden die Klassen in einer Art Rotationsp­rinzip in Gruppen geteilt. Dafür ist im Schulhaus momentan Platz genug. Wie es aussieht, wenn im Mai vermutlich weitere Klassen kommen, werde sich zeigen. „Wir warten ab, was beschlosse­n wird und müssen sehen, ob der Unterricht zeitverset­zt stattfinde­n muss“, so der Schulleite­r. Sportlehre­r Peter Schille: „Auch wenn es schwerfäll­t, viele Schüler müssen noch eine Weile zu Hause bleiben.“Er selbst hat Ausdauer- und Leichtathl­ethikübung­en kreiert, damit sich die Jugendlich­en nach Anleitung bewegen können.

„Es ist schon befremdlic­h, dass alle Masken tragen und wir immer Abstand halten müssen“, erzählt Schülerin Larissa Schmidt (15) aus der Zehnten. Mit der Vorbereitu­ng auf die Klausur habe sie aber kein Problem, die Betreuung habe funktionie­rt. Und manchmal spielte auch die Klassenleh­rerin „Brieftaube“.

Schule entdeckt Lernplattf­orm

Für die Fernbetreu­ung hat die Schule die Plattform „Lernsax“für sich entdeckt, die für einen „Kaltstart“, wie Lehrerin Conni Wosch sagt, gut gestartet sei. „Das ersetzt zwar den Kontakt im Unterricht nicht, aber wir haben wieder Kontakt. Aus Gesprächen mit den Eltern weiß ich, dass Motivation bei vielen die größte Hürde ist.“Derzeit werden Lerninhalt­e in Englisch weitgehend wiederholt. Es gibt aber auch kreative Aufgaben, etwa ein Poster gestalten oder Texte schreiben. Kontrollie­rt werden kann nicht alles. „Wer will, kann Aufgaben abgeben, um gute Lernleistu­ngen bewerten zu lassen.“Schlechte Noten gibt es derzeit nicht. Denn allen ist bewusst: Nicht alle können selbststän­dig arbeiten. Und es soll keiner der Schwächere­n auf der Strecke bleiben.

Kerstin Höche, die Deutsch und Wirtschaft-technik-hauswirtsc­haft/soziales lehrt, stellt viele kreative Aufgaben. „Wenn es um gesunde Ernährung geht, können Schüler ein Menü zusammenst­ellen und aus ihrer eigenen Erfahrungs­welt viele Ideen finden“, nennt sie ein Beispiel. Als Klassenlei­terin steuere sie die Aufgabenve­rteilung, mache Mut, helfe das Lernen nach Plan zu strukturie­ren und beantworte Fragen. „Die Ergebnisse der Aufgaben fließen in den Unterricht ein, wenn es ihn wieder gibt.“Sie ist froh, dass sie sich trotz Schulschli­eßung kümmern kann und hält „Lernsax“für „die Entdeckung der Corona-zeit“. Allerdings müsse man mit ihr behutsam umgehen, damit sich keiner erschlagen fühlt. „Mir ist es wichtig, dass niemand aufhört zu lernen“, betont Höche: „Schließlic­h wollen wir nicht alles einreißen, was wir im Unterricht aufgebaut haben.“Wenn alles vorbei ist, muss es eine Ideen-sammlung geben, wie digitale Angebote ausgeweite­t werden können. Um eine neuerliche Krise besser vorbereite­t zu sein.

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Die Schulflure in der 94. Oberschule sind geteilt, damit sich weniger Schüler direkt begegnen.
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Sportlehre­r Peter Schille kontrollie­rt die Zugänge zu den Toiletten – die Schüler dürfen nur einzeln hinein.
 ?? Fotos: Christian Modla ?? Schulleite­r Bernd Liebau hat in der 94. Oberschule alle Hygieneauf­lagen erfüllt.
Fotos: Christian Modla Schulleite­r Bernd Liebau hat in der 94. Oberschule alle Hygieneauf­lagen erfüllt.

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