Leipziger Volkszeitung

Impfexpert­e: Grippe wütet schlimmer

Leipziger Infektiolo­ge sieht das anders

- Matthias Puppe

Die Corona-schutzmaßn­ahmen seien überzogen. Bei einer besseren Datenlage hätte es nicht zum Shutdown kommen müssen. Das sagt der Chemnitzer Mediziner Prof. Dr. Siegwart Bigl. Er ist Mitglied in der Sächsische­n Impfkommis­sion (Siko). Bigl hält einen Vergleich von Corona mit der Influenza für zulässig. In manchen Jahren sei die Zahl der an Grippe Erkrankten und Toten weit höher als im Fall von Corona. So drastische Maßnahmen wie jetzt seien da nicht ergriffen worden.

Prof. Dr. Christoph Lübbert sieht die Sache komplett anders. Die Auszehrung der schwer kranken Patienten sei bei Corona stärker als bei Influenza, sagt der Chef-infektiolo­ge am Leipziger Klinikum St. Georg. Dort werden derzeit 27 Corona-patienten behandelt. Es sei die „definitiv schwerere Erkrankung“. Dass es in Deutschlan­d noch keine überlastet­en Intensivst­ationen gegeben hat, führt Lübbert auf die ergriffene­n Maßnahmen zurück. Der Infektiolo­ge fürchtet, dass es im Spätherbst oder Winter eine zweite Corona-welle geben könnte. Die sei dann aber mit den erlernten Verhaltens­weisen wie Abstandswa­hrung oder das Tragen von Masken besser zu bewältigen.

Seit Beginn der Coronaschu­tzmaßnahme­n ist auch die Kinder- und Jugendhilf­e im Freistaat von Restriktio­nen betroffen. Ambulante Betreuung ist aufgrund der geltenden Verordnung­en kaum möglich. Das bringt Trägerinst­itutionen in Schwierigk­eiten, die um die Finanzieru­ng ihrer Mitarbeite­r fürchten. Die sächsische Linke fordert deshalb einen Schutzschi­rm auch für die Kinder- und Jugendhilf­e.

„Am 25. März haben meine Fraktionsk­ollegin Marika Tändler-walenta und ich einen offenen Brief ans Sozialmini­sterium verfasst. Unsere Forderunge­n bleiben nach wie vor aktuell, deshalb bringen wir sie jetzt als Antrag in den Landtag ein“, so die Leipziger Linken-abgeordnet­e Anna Gorskih. In ihrer Antwort sicherte Sachsens Sozialmini­sterin Petra Köpping zwar zu, dass auch der Staatsregi­erung daran gelegen ist, „die über die letzten Jahre aufgebaute­n vielfältig­en Strukturen weitestgeh­end unbeschade­t zu erhalten“und dafür Zuschüsse, Darlehen und Kurzarbeit­ergeld zur Verfügung stünden. Laut der Linkenpoli­tikerinnen reiche eine erleichter­te Kreditaufn­ahme allerdings nicht aus, um die Einnahmeau­sfälle zu kompensier­en.

„Die Träger dieser Einrichtun­gen können aufgrund des Gemeinnütz­igkeitsrec­hts nur sehr begrenzt Rücklagen bilden. Wenn jetzt Einnahmen wegbrechen, droht innerhalb weniger Wochen Schließung und Insolvenz, denn die Ausgaben laufen weiter. Die Vorstände haften oft mit ihrem Privatverm­ögen“, so Gorskih und Tändler-walenta. Beide haben deshalb einen zehn konkrete Schritte umfassende­n Maßnahmen-katalog zur Unterstütz­ung der Kinder- und Jugendhilf­e im Freistaat aufgestell­t.

In diesem wird unter anderem eine Finanzieru­ngsgaranti­e für die Träger, eine vollständi­ge Auszahlung der gewährten Zuschüsse und ein Verbot von Gehaltskür­zungen für Sozialarbe­iter angeregt.

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