Leipziger Volkszeitung

Bürgermeis­ter-posse in Wolkenstei­n im Erzgebirge

Mediziner hoffen auf neue Erkenntnis­se

- Kecke

Wegen der Corona-pandemie hat das Innenminis­terium 28 Bürgermeis­terwahlen in Sachsen auf September verschoben. Mit gravierend­en Folgen im erzgebirgi­schen Wolkenstei­n. Der einzige Kandidat und derzeitige Amtsinhabe­r wäre dann bereits 65 und dürfte nach geltendem Recht nicht mehr antreten.

Forscher in Hamburg und Basel haben erste Ergebnisse aus der Obduktion von Covid-19-verstorben­en vorgelegt. Der Bundesverb­and der Pathologen empfiehlt Obduktione­n jetzt für ganz Deutschlan­d. Auch das Robert-koch-institut schließt sich an und erwartet Erkenntnis­se für die Behandlung von Corona-erkrankten. Wie sieht es in der Region aus?

Im St. Georg bisher kein Corona-leichnam obduziert

Am Leipziger Krankenhau­s St. Georg ist keiner von den vier an Covid-19 verstorben­en Patienten obduziert worden. Es wurde bislang keine Notwendigk­eit dafür gesehen, sagte Klinikspre­cherin Manuela Powollik der LVZ. Die Verstorben­en zählten alle zur älteren Generation, zwei Patienten waren über 70 Jahre, zwei über 80 Jahre. Prinzipiel­l sei das Klinikum St. Georg aber sofort in der Lage, in der klinikeige­nen Pathologie Obduktione­n durchzufüh­ren. Es habe aber noch keine Anforderun­gen gegeben, weder von Seiten der Behörden noch von den Angehörige­n, so die Sprecherin.

Am Leipziger Universitä­tsklinikum (UKL) wurden dagegen bereits zwei verstorben­e Covid19-patienten obduziert, sagte Prof. Dr. Hendrik Bläker, Direktor des Instituts für Pathologie am UKL. Sie seien zwischen 50 und 60 Jahren gewesen. Der Auftrag wurde im Rahmen des Infektions­schutzgese­tzes vom Gesundheit­samt erteilt. Es wurden unerkannte Vorerkrank­ungen gefunden, die den Krankheits­verlauf beeinfluss­t haben. „Sie wären möglicherw­eise nicht gestorben, wenn sie die Vorerkrank­ungen nicht gehabt hätten“, so der Pathologe. Die Veränderun­gen in der Lunge durch die Viruserkra­nkung seien allerdings deutlich gewesen.

Ukl-chefpathol­oge begrüßt Obduktions­empfehlung

Bläker begrüßt die Obduktions­empfehlung, schränkt aber ein, dass diese nicht für jeden an Covid-19 Verstorben­en gelten könne. Als sinnvoll erachtet er eine Obduktion von jenen Toten, bei denen es zu einer rapiden Verschlech­terung des Gesundheit­szustandes kam oder von jüngeren Patienten, die kaum Zusatzerkr­ankungen hatten. Das klinische Interesse bestehe darin, den Krankheits­verlauf zu verstehen. Oberste Prämisse dieser Arbeit sei der Schutz vor Infektione­n. Da sei die Ukl-pathologie gut aufgestell­t, weil sie mit speziellen Räumen für infektiöse Leichname ausgestatt­et ist. Alle Schutzmaßn­ahmen seien gewährleis­tet. „Wir untersuche­n zu über 90 Prozent unserer Arbeitszei­t Gewebeprob­en von lebenden Patienten, diagnostiz­ieren, ob ein Tumor gut- oder bösartig ist. Meist ist es Gewebe, das bei Operatione­n entnommen wurde.“anita

Newspapers in German

Newspapers from Germany