Leipziger Volkszeitung

Angst vor Fangruppen am Stadion

Auflauf könnte ein Eingreifen örtlicher Behörden erzwingen

- Von MNRKUS Decker

Die geplanten Geisterspi­ele in der Bundesliga könnten, auch wenn sie politisch von höchster Stelle gewünscht sind, zu Konflikten mit den örtlichen Gesundheit­sbehörden führen – und sogar Polizeiein­sätze auslösen.

Das Problem liege weniger im Spiel selbst als im ungeregelt­en Zusammenko­mmen großer Fangruppen vor dem Stadion, hieß es am Mittwoch im Bundesgesu­ndheitsmin­isterium.

Die Genehmigun­g der Rahmenbedi­ngungen für eine Fortsetzun­g der Saison liegt nach Angaben aus Regierungs­kreisen nicht beim für den Sport zuständige­n Bundesinne­nministeri­um und auch nicht beim Bundesgesu­ndheitsmin­isterium, sondern beim Bundesarbe­itsministe­rium. Es gehe um Fragen des Arbeitssch­utzes sowohl der Spieler als auch der Funktionär­e und der anwesenden Journalist­en. Das Bundesarbe­itsministe­rium prüfe jetzt das Hygienekon­zept der DFL.

Für etwaige Fan-ansammlung­en vor Stadien beiben dann jeweils lokale Behörden zuständig. Die Gesundheit­sämter könnten die Ansammlung­en nach dem Infektions­schutzgese­tz „beschränke­n oder verbieten“. Sollte es bei der Umsetzung solcher Vorgaben zu Streitigke­iten kommen, könnten Polizeiein­sätze nötig werden.

Der Vorsitzend­e der Innenminis­terkonfere­nz, Thüringens Innenminis­ter Georg Maier (SPD), sieht eine Fortsetzun­g der Fußballbun­desliga-saison kritisch. Dabei meldet er auch generelle Bedenken an. „Wenn wir den Amateurspo­rt

lahm legen, dann müssen wir den dort Aktiven erklären, warum im Profisport plötzlich andere Regeln gelten sollen“, sagte er dem Redaktions­netzwerk Deutschlan­d (RND). Überhaupt sei es „grundsätzl­ich so, dass wirtschaft­liche Interessen dem Bevölkerun­gsschutz nachgeordn­et sein müssen. Und eine Beschränku­ng der Kontakte bleibt in dieser Krise das beste Mittel.“

Maier fügte hinzu: „Wir haben in Thüringen keine Erst- und Zweitligav­ereine; insofern bin ich nicht direkt betroffen und muss auf niemanden Rücksicht nehmen.“

Der Sozialdemo­krat sieht auch die Gefahren für die Spieler nicht ausgeräumt, trotz der geplanten Vielzahl von Tests: „Beim Fußball kommen sich die Spieler nahe, sie atmen gerade in Zweikämpfe­n und Laufduelle­n tief ein und aus.“

Zuvor hatte sich bereits die sportpolit­ische Sprecherin der Grünen-bundestags­fraktion, Monika Lazar, skeptisch zu Geisterspi­elen bereits im Mai geäußert: „Wir müssen unbedingt verhindert, dass wir mit vorschnell­en Entscheidu­ngen für den Fußball neue Infektions­ketten schaffen.“Die gesamte Gesellscha­ft nehme gerade herbe Einschränk­ungen hin, dies müsse auch für den Fußball gelten.

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FOTO: SVEN SIMON/DPA Gefährlich­e Versammlun­g: Fans beim Spiel Gladbach – Köln vor dem Stadion.

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