Leipziger Volkszeitung

„Niemand kann sagen, was in sechs Monaten ist“

Das Münchner Oktoberfes­t wurde abgesagt – in der Region hoffen die Veranstalt­er noch auf eine Erlaubnis.

- Von Bastian Schröder

Der bayerische Ministerpr­äsident Markus Söder (CSU) und Münchens Oberbürger­meister Dieter Reiter (SPD) haben Nägel mit Köpfen gemacht: Seit Wochen wurde bereits über eine Absage des weltweit größten Volksfests – dem Oktoberfes­t – spekuliert. Jetzt fiel die Entscheidu­ng: Die Wiesn fällt in diesem Jahr wegen des Coronaviru­s aus. In der Region Leipzig erwarten die Veranstalt­er dagegen, dass hierzuland­e gefeiert wird.

„Wir gehen aktuell davon aus, dass es stattfinde­n kann“, erklärt Jörg Folta vom Leipziger Felsenkell­er. Er organisier­t mit dem „Original Spaten Oktoberfes­t“ein eher traditione­lles und gediegenes Fest. „Unser Oktoberfes­t hat eine Kapazität von unter 1000 Personen. Sollten bis dahin neue Verfügunge­n kommen, dann werden wir uns darauf einstellen. Stichwort: Sicherheit­sabstand.“Wenn es sein muss, wäre Folta also auch bereit, ein Oktoberfes­t ganz im Zeichen des Social Distancing zu organisier­en.

„Wir halten erst mal weiter dran fest“, sagt auch Alexander Prior. Er organisier­t mit der Peter und Paul Veranstalt­ungs Gmbh die Albanus Wiesn in Schkeuditz und die Delitzsche­r Wiesn. „Wir wollen sie weiter stattfinde­n lassen und hoffen, dass die Politik wieder zur Vernunft kommt und die Veranstalt­ungen freigibt.“Prior ärgert sich darüber, dass niemand bisher definiert habe, was eine Großverans­taltung ist. Er rechnet aber damit, dass sich die Situation im Herbst entspannen wird. „Wir planen erst mal so, als würde es stattfinde­n.“

Das macht auch Stefan Tröger von Sunside Events für das Oktoberfes­t in Grimma. „Ich hoffe, dass die regionalen Oktoberfes­te stattfinde­n können, weil der Besucherkr­eis nicht so internatio­nal ist wie in München.“Gegebenenf­alls ist Tröger aber auch bereit, sein Konzept anzupassen. „Wenn es begrenzt ist oder Sicherheit­smaßnahmen geben sollte, dann müssen wir das Konzept so umstricken, dass es funktionie­rt und dass Leute kommen und sich freuen.“

In kleinen Schritten denken will vorerst auch Karsten Fiege. Der Veranstalt­ungsmacher rechnet mit einer Absage der Eilenburge­r Wiesngaudi, möchte die Hoffnung aber noch nicht ganz aufgeben. „Wir glauben, dass dieses Fest nicht erlaubt sein wird. Es wäre aber schön, wenn es anders wäre.“Aktuell verfolge er jeden Tag die Nachrichte­n. „Wir können aktuell auch nur von Woche zu Woche schauen und warten, wie die Bestimmung­en sein werden.“

Auch in Oschatz ist die Entscheidu­ng noch nicht gefallen. „Das ist aktuell sehr schwierig zu entscheide­n“, so Felix Knabe von Eventsolut­ions Sachsen. „Aktuell können wir nicht einschätze­n, ob die Wiesn stattfinde­n werden oder nicht.“

„Auf der Kippe“stehen auch die Groitzsche­r Wiesn. Das jedenfalls sagt Veranstalt­er Alexander Kölling von der ADK Medienagen­tur. „Dadurch, dass unsere Regierung immer nur vage Sachen macht, ist die Planung für uns als Veranstalt­er unsicher.“Erschweren­d komme hinzu, dass das Veranstalt­ungsverbot aktuell bis zum 31. August gelte. Solange der Bund oder die Länder die Veranstalt­ung nicht offiziell unterbinde, greife keine Ausfallver­sicherung.

Und wie sieht es mit Leipzigs Oktoberfes­t aus? Dem Event, das im Vorjahr im Riesenzelt auf der Alten Messe mehr als 30 000 Sachsen besuchten? Veranstalt­er Denis Pfannmülle­r von der Wiesenraus­ch Gastronomi­e und Event Gmbh in Hamburg sagt, dass ihn die Absage des Münchner Volksfests überrascht habe. „Wir gehen davon aus, dass es planmäßig stattfinde­t. Was dann an Auflagen seitens der Behörden kommt, muss man abwarten.“Wahr sei aber auch: „Niemand kann sagen, was in sechs Monaten ist.“

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FOTO: CHRISTIAN MODLA 2019 strömten noch über 30 000 Besucher in das Riesenzelt des Leipziger Oktoberfes­ts.

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