Leipziger Volkszeitung

Geld zurück oder Gutschein?

Der Bundestag berät, die Veranstalt­er haben schon reagiert

- Von Theresa Münch und Martina Herzog

Berlin. Wenn Kurse oder Veranstalt­ungen wegen der Corona-krise ausfallen, sollen Verbrauche­r nach dem Willen der Bundesregi­erung mit Gutscheine­n entschädig­t werden. Das soll Betreiber vor hohen Rückzahlun­gen und möglichen Insolvenze­n bewahren. Am Mittwoch hatte der Bundestag die Pläne erstmals auf der Tagesordnu­ng. Doch viele Anbieter warten die Neuregelun­g gar nicht ab.

■ Fitnessstu­dios: Trainieren im Fitnessstu­dio wird auf absehbare Zeit nicht möglich sein, die Studios müssen ihre Mitarbeite­r aber trotzdem bezahlen – zumindest, wenn diese fest angestellt und keine freien Trainer sind. Vor allem die großen Ketten wie Mcfit und Fitness First bieten ihren Mitglieder­n deshalb an, die Zeit der Schließung an die normale Vertragsla­ufzeit anzuhängen und dann beitragsfr­ei zu trainieren. Bei einigen kann man stattdesse­n auch Trainingsg­utscheine für Freunde, Personal Trainings oder andere besondere Leistungen bekommen. Wer die Angebote nicht annehmen will – etwa, weil man selbst gerade knapp bei Kasse ist – kann sich in der Regel an die Studiobetr­eiber wenden und das Geld zurückford­ern.

■ Konzerte und Kultur: Viele Künstler müssen sich gerade mit Wohnzimmer­konzerten begnügen, weil ihre Touren abgesagt wurden. Doch ein Livemusiks­tream über Instagram kann ein Konzerterl­ebnis natürlich kaum ersetzen. Statt Konzerttic­kets zu erstatten, setzen viele Musiker deshalb auf Nachholter­mine – und hoffen, dass die echten Fans auch ein paar Monate später noch kommen wollen. Verbrauche­rschützer weisen allerdings darauf hin, dass die Fans den neuen Termin nicht akzeptiere­n müssen, wenn er ihnen nicht passt.

Jetzt schon Rückerstat­tungen zu bekommen, ist oft schwierig. „Die Tickets behalten weiterhin ihre Gültigkeit“, betont etwa Veranstalt­er Semmel Concerts. Auch der Ticketverm­ittler Eventim zahlt erst einmal nichts zurück. „Echte Fans verschiebe­n statt zu stornieren“, schreibt er auf seiner Internetse­ite. Man warte ab, bis das Gutscheing­esetz den Bundestag passiert habe. Bei Opern und Theatern sind etwa Abonnenten betroffen. Dort können auch Verlängeru­ngen für die kommende Saison die Lage entspannen.

■ Pauschalre­isen: Eigentlich ist bei abgesagten Pauschalre­isen eine Erstattung spätestens nach 14 Tagen Pflicht, viele Veranstalt­er warteten zuletzt allerdings erst einmal ab. Inzwischen aber haben etwa Alltours und Schauinsla­nd-reisen mit der

Rückzahlun­g begonnen. Man habe sich entschiede­n, „dass wir die Geduld und das Verständni­s unserer Kunden nicht länger auf die Probe stellen können“, begründete etwa Schauinsla­nd-reisen die Entscheidu­ng. Andere Veranstalt­er wie Tui und DER Touristik lassen den Kunden die Wahl zwischen einem Gutschein plus Bonus und einer Rückzahlun­g. Dabei sind sie derzeit aber auf die Kulanz der Kunden angewiesen.

Der Deutsche Reiseverba­nd kritisiert, dass die Eu-kommission bisher noch keine verbindlic­he Gutscheinl­ösung zulässt. Zwölf EUMitglied­sstaaten hätten deshalb bereits im Alleingang nationale Gutscheinr­egelungen auf den Weg gebracht. Die deutschen Reiseveran­stalter gerieten dadurch immer mehr ins Hintertref­fen, auch erste Insolvenze­n habe es wegen der Corona-pandemie schon gegeben. Die von der Bundesregi­erung für die Reisebranc­he geplante Gutscheinl­ösung war am Mittwoch übrigens nicht Thema im Bundestag: Hier geht es um ein anderes Gesetz als bei Veranstalt­ungsgutsch­einen.

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FOTO: JAN WOITAS/DPA Die Ränge werden sich wohl erst in Monaten wieder füllen.

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