Leipziger Volkszeitung

Wie Hunde Berühmthei­ten zu Menschen machen

Journalist­in Anja Rützel erzählt in ihrem Buch von Exzentrike­rn, die ihren Weggefährt­en in einem Vierbeiner fanden

- GEGEN DEN CORONA-KOLLER: Lvz-redakteure geben Buchtipps.

Hunde zeigen, wer wir wirklich sind. Sie erschnüffe­ln in uns, was wir vielleicht nicht selbst über uns wissen, apportiere­n Verdrängte­s und Versteckte­s, schreibt Anja Rützel in ihrem Buch „Schlafende Hunde – Berühmte Menschen und ihre Haustiere“. Ihr gelingt ein pointierte­s Rekapituli­eren von Liebesgesc­hichten zwischen großen Persönlich­keiten und ihren Wegbegleit­ern.

Es rührt zu lesen, wie der französisc­he Schriftste­ller Michel Houellebec­q seinem untersetzt­en Kumpel „Clément“häufig eine Rolle in seinen Büchern zugestand und wie hinreißend traurig und ehrlich ergriffen er um ihn trauerte.

Oder wie Arthur Schopenhau­er in seinen aberwitzig vielen Pudeln eine Ausflucht aus dem – für ihn lästigen –Umgang mit seiner eigenen Art suchte. „Mensch“schimpfte er seine Pudel, wenn er fand, dass sie weit über die Stränge schlugen, um ihnen dann doch keine Grenzen zu setzen. „Wenn die Menschen einem zu dumm sind, muss man sich zu den Hunden retten“, bringt es Autorin Rützel auf den Punkt.

Der Treibstoff für ihren Lobgesang auf das zweifelsfr­ei treueste und liebeshung­rigste Haustier der Erde: ihr eigener Hund Juri und der unbedingte Wille, populärhis­torischen Persönlich­keiten durch ihre menschelnd­e Verliebthe­it

zum Tier etwas Nahbares zu verleihen.

Rützel ist Journalist­in, schreibt unter anderem für Spiegel Online, wo sie Trash-perlen des deutschen Privatfern­sehens bespricht – mit klugen, popkulture­ll-wertvollen und witzigen Gedanken.

Ihren schmissige­n Ton behält sie in „Schlafende Hunde“bei, ergänzt durch gefühlsdus­elige Ausbrüche eigener Hundeverna­rrtheit. Zehn Geschichte­n sind es, die sie erzählt, gespickt mit alten Aufzeichnu­ngen, Ausstellun­gen und Biografien, die über das Leben mit Hund und Halter berichten.

Das Buch ist mehr als nur ein Sammelband aus kuriosen und oft rührenden Mensch-tier-geschichte­n. Es ist ein Liebesbeke­nntnis zu einem Freund, der ohne Worte bedingungs­los lieben kann und nie enttäuscht. Oder wie Rützel die 50er-jahre-ikone Marilyn Monroe zitiert: „Dogs never bite me. Just humans.“Hunde haben mir nie wehgetan, nur Menschen.

Anja Rützel: Schlafende Hunde. Mit Illustrati­onen der Autorin. Kiepenheue­r & Witsch;

267 Seiten, 20 Euro

 ??  ??
 ??  ??

Newspapers in German

Newspapers from Germany