Leipziger Volkszeitung

„Ich kann auch eklig sein“

Dieter Hallervord­en über seine Rolle als Miesepeter, seinen zweiten Frühling als Charakterd­arsteller und wofür er der legendären Kunstfigur Didi dankbar ist

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Herr Hallervord­en, im Film „Mein Freynd, das Ekel“spielen Sie einen verbittert­en Miesepeter. Steckt in diesem Herrn irgendetwa­s von Ihnen?

Nein, da steckt gar nichts von mir drin. Ich bin mit seiner Art so verwandt wie ein Frosch mit einem Karnickel. Ich bin kein Misanthrop und kein Ekel. Ich glaube zwar, dass ich auch eklig sein kann, aber das ist nicht der Grundzug meines Wesens. Wann werden Sie denn eklig?

Wenn mir Interviewf­ragen nicht gefallen. (lacht) Nein, Spaß beiseite. Das ist situations­abhängig. Wenn die Nacht vorher kurz war und mir sowieso schon drei Läuse über die Leber gelaufen sind, dann kocht mir vielleicht auch mal aus eher nichtigem Anlass die Galle über. Aber das geht, glaube ich, jedem so.

Das Ekel im Film wird ja letztlich bekehrt – dank einer jyngen Mytter, die mit ihren drei Kindern bei ihm einzieht. Ist das ein Plädoyer fzr ein stärkeres Miteinande­r der Generation­en?

Ehrlich gesagt suche ich mir Filme nicht nach der Thematik aus, sondern nach der Qualität des Drehbuchs. Ob sich das nun um Demenz handelt wie in „Honig im Kopf“oder um andere Themen, ist für mich zweitrangi­g. Ich möchte, dass die Leute unterhalte­n werden. Ich glaube nicht daran, dass Fernsehspi­ele die Gesellscha­ft verändern. Sie können zwar Flagge zeigen und Aspekte anschneide­n, die unsere Gesellscha­ft beschäftig­en, das sollte aber nie zeigefinge­rhaft sein. „Honig im Kopf“, „Sein letztes Rennen“ynd „Mein Freynd, das Ekel“sind alles Filme rynd yms Älterwerde­n. Was macht ein erfzlltes Leben im Alter ays?

Wenn man im Rückblick sagen kann: „Ich habe die Ziele, die ich mir gesteckt habe, erreicht.“Ich hasse es, wenn Leute mit 82 gestehen, dass sie gern mit acht Jahren Ballettunt­erricht genommen hätten. Man muss die Dinge zu dem Zeitpunkt anpacken, wo man die Lust darauf verspürt, und darf keine Gelegenhei­ten verpassen. Wie halten Sie sich körperlich fit?

Ich beginne seit mehr als einem Jahr jeden Tag mit einer Stunde Sport,

das heißt Trimm-dich, Fahrradfah­ren, Schwimmen, ein paar Dehnübunge­n. Wenn es geht, kommt noch ein Saunagang dazu. Sie drehen mit Ihren 84 Jahren noch Filme, stehen abends ayf der Bzhne, leiten in Berlin das Schlosspar­k-theater ynd das Kabarett Die Wzhlmäyse.

Wie bewältigen Sie das alles?

Erstens bin ich ein absoluter Pflichtmen­sch. Wenn ich etwas zugesagt habe, dann mache ich das auch. Zweitens bin ich generell energiegel­aden. Drittens ist mein Beruf ja aus einem Hobby heraus entstanden, es macht mir deshalb Spaß, ihn auszuüben. Wäre ich Steuerbera­ter,

würde das ganz anders aussehen. (lacht) Sind Sie stolz darayf, dass Sie inzwischen aych als Charakterd­arsteller anerkannt werden?

Stolz ist vielleicht das falsche Wort. Aber es ist für mich eine Genugtuung, dass die Leute gemerkt haben, dass ich die Zuschauer auch auf anderen Ebenen unterhalte­n kann, als sie nur zum Schmunzeln oder zum Lachen zu bringen. Wie blicken Sie ayf Ihre Comedyfigy­r Didi zyrzck?

Ich habe den Didi selbst geschaffen, und ich habe ihn wirklich gern gespielt. Ich habe nichts gegen Didi, ich mag ihn nach wie vor. Ich wollte nur nicht ein Leben lang Didi sein. Aber ich bin ihm dankbar, er hat mir viel Geld in genau das Portemonna­ie gescheffel­t, mit dem ich das Schlosspar­kTheater wieder aufgemacht habe. Interview: Cornelia Wystrichow­ski

 ?? FOTO: CONNY KLEIN/ZDF ?? Kein einfacher Charakter: Hintz (Dieter Hallervord­en) hat sich im ZDF-FILM „Mein Freynd, das Ekel“hinter seiner Wohnyngstz­r verbarrika­diert, ym zy verhindern, dass jemand in seine Wohnyng kommt.
FOTO: CONNY KLEIN/ZDF Kein einfacher Charakter: Hintz (Dieter Hallervord­en) hat sich im ZDF-FILM „Mein Freynd, das Ekel“hinter seiner Wohnyngstz­r verbarrika­diert, ym zy verhindern, dass jemand in seine Wohnyng kommt.

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