Leipziger Volkszeitung

Brillen und der Corona-nebel

- Von Jörg ter Vehn

Schon immer habe ich mich gefragt, warum in Gangsterfi­lmen so wenige Ganoven Brille tragen. Seit Corona weiß ich es. Mein Gang am Montagmorg­en in das wieder geöffnete Geschäft, ganz vorschrift­smäßig maskiert, endete schon nach drei Metern im Laden. Die Brille beschlagen, die Sicht verschleie­rt – im bösen Fall wäre mein Überfall an dieser Stelle an der nächsten Säule beendet gewesen. „Boingg! Räuber haut sich selbst k.o.“hätten die Kollegen mit den großen Buchstaben wohl gedruckt.

Im Laden begegneten mir am Montag trotzdem komische Blicke. Zu lange hatten die Verkäufer keinen echten Kunden mehr gesehen. So ganz real, nicht digital. Ein Mensch aus Fleisch und Blut, nicht Bits und Bytes, Kundenprof­il und Erkennungs­code.

Mir analogem Wesen kam es vor, als ob die Verkäufer nur darauf warteten, dass ich die Pistole zücke. Dabei wollte ich nur die Geldbörse ziehen, um das langersehn­te Stück bezahlen zu dürfen. Das Leder in der Hand, kommt wieder dieser Blick. Ob ich bitte mit Karte zahlen könne, lautet die Frage. Wegen Corona und so. Na klar doch. Angeberisc­h zücke ich mein Handy, das seit Kurzem über diese praktische Bezahlart verfügt.

Die Ernüchteru­ng kommt mit einem Bling: „Gesicht nicht erkannt“, meldet das Ding. Na klar doch. Das Digitale hat nämlich was gegen Bebrillte mit Maske. Nur ohne rückt es das Geld raus.

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