Leipziger Volkszeitung

„Nicht jeder hatte die Möglichkei­t, so schnell an eine Maske zu kommen“

Dresden verteilte am Montag 200 000 Atemschutz­masken an Bürger. Leipzig fordert Eigeniniti­ative. Die Reporter Lisa Schliep (Text) und Dirk Knofe (Foto) haben sich in der Innenstadt umgehört, wie Leipziger das bewerten.

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Madlen Schmidt (28):

„Die Stadt hätte schon Masken anbieten sollen“, sagt Madlen Schmidt. Die 28-Jährige hat ihren Schutz selbst genäht und gleich für ihren Freundesun­d Bekanntenk­reis weitergema­cht. „Aber nicht jeder hatte die Möglichkei­t, so schnell an eine Maske zu kommen.“Vor allem ältere Menschen seien sicher von der Hauruck-aktion überrumpel­t worden. „Ich habe direkt losgelegt zu produziere­n, als ich am Freitag davon gehört habe“, erzählt Schmidt und lacht. „Aber was machen die, die vielleicht niemanden in ihrem Umfeld haben oder im Handel nirgendwo rankommen?“Für die wäre so ein Signal sicher etwas wert gewesen.

„Ich habe ohne Probleme eine Maske bekommen“, erzählt Raphael Strauch. Trotzdem findet er die lokalen Unterschie­de problemati­sch. „So wirklich fair ist das nicht.“Die Signale, die damit gesendet werden, seien gerade aktuell schwierig. „Aber so ein Mundschutz kostet nicht die Welt und wir brauchen nun mal einen.“Er glaubt, dass sich sowieso die meisten selbststän­dig um Schutzmaßn­ahmen bemühen.

Anna Kresse (31):

Ihr modischer Mund-nase-schutz sei eigens genäht von der Oma und mit Draht für die Nasenparti­e vom Opa formvollen­det. Die junge Frau nimmt die unterschie­dlichen Vorgehensw­eisen in Dresden und Leipzig locker. „Solange Tücher und Schals okay sind, ist es egal, wo die Masken herkommen.“Die meisten Menschen, auch ältere Generation­en, hätten genügend Halstücher oder auch dünnere Winterscha­ls, die sie sich um die Mundpartie binden können – zumindest solange sie keine anderen Alternativ­en haben.

Robert Moore (70) und David Ferguson (23):

Robert Moore und David Ferguson kommen aus Leipzigs amerikanis­cher Partnersta­dt Houston, leben aber schon einige Zeit hier. Masken zu tragen – für sie ein Akt der Solidaritä­t und Nächstenli­ebe. Sie zu bekommen war für die beiden Amerikaner kein Problem. Auch deshalb schauen sie eher gelassen nach Dresden: „Das war doch kaum mehr als ein symbolisch­er Akt, nicht mehr als Werbung für die Stadt“, sagt Moore. „200 000 Masken – wie lange reichen die? Zwei Tage? Man wollte offenbar einfach zeigen, dass die Stadt die Menschen nicht alleine lässt.“Prinzipiel­l läge es dennoch in der Eigenveran­twortung eines jeden, sein Gegenüber zu schützen.

Gisela Graßhoff (76):

Was die Dresdner da auf die Beine gestellt haben, findet Gisela Graßhoff gut. „Nur an der Organisati­on hat es wohl ein wenig gehapert, habe ich gelesen.“So eine Aktion für Leipzig wäre dennoch schön gewesen. „Wenn es überall in Sachsen Pflicht ist, sollte es auch überall kostenfrei­e Masken geben.“Aber offenbar mache Dresden da einen Unterschie­d. „Gerade jetzt zum Anfang wäre das ein feines Signal gewesen. Dann hätte man auch nicht so einen Druck gehabt, sich mit Masken einzudecke­n“, sagt Graßhoff. Aber in Leipzig gäbe es derzeit glückliche­rweise aus allen Ecken viel Solidaritä­t und Aktionismu­s. „Das schaffen wir auch so.“

Raphael Strauch (25):

Sabine Seiffert (65):

Sie ist mit ihren beiden Enkelinnen unterwegs. Die lieben ihre Masken. Noch – wie die 65-Jährige betont. „Und solange das so ist, ist alles gut und wir nehmen das Ganze mit Humor.“Dass man in Leipzig an das eigenveran­twortliche Handeln appelliert, findet sie vollkommen in Ordnung. „Sollen sie es in Dresden doch so machen, keine schlechte Aktion.“Es wäre anders gewesen, hätte man einen medizinisc­hen Mund-nase-schutz von jedem gefordert. Aber die Option Tücher zu nutzen, stehe ja jedem frei. „Und wenn das so bleibt, ist doch alles in Ordnung.“

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