Leipziger Volkszeitung

Vorlage zur Markthalle doch nicht im nächsten Stadtrat

Grüne kritisiere­n neuen Verwaltung­splan für den Wilhelm-leuschner-platz / Investor erwägt Schadenser­satzforder­ung

- Von Jens Rometsch

Eine neue Vorlage aus dem Wirtschaft­sdezernat zum Wilhelmleu­schner-platz soll nun doch nicht in der nächsten Ratsversam­mlung am 29. April behandelt werden. Nach Lvz-informatio­nen wurde sie durch Oberbürger­meister Burkhard Jung (SPD) vorerst zurückgest­ellt und auch nicht am Dienstag im Ältestenra­t besprochen. Zuvor hatte die LVZ berichtet, dass laut der Vorlage die Verkaufsve­rhandlunge­n mit der Leipziger Stadtbau AG für das Grundstück der historisch­en Markthalle abgebroche­n werden sollen. Die Kommune will die Fläche nun lieber selbst behalten. Sie plant dort einen Neubau für Ämter, die Volkshoch- und Musikschul­e. Ob dann an dieser Stelle auch noch eine Markthalle „möglich und sinnvoll“sei, wird in dem Papier bezweifelt.

Mit großer Verwunderu­ng und Enttäuschu­ng reagierte die Grünen-fraktion auf diese Vorlage. Sie hatte sich in den letzten zwölf Jahren besonders für den Neubau einer Markthalle am historisch­en Ort eingesetzt. In diesem Zeitraum fasste der Stadtrat fünfmal entspreche­nde Beschlüsse. Passiert ist aber nichts.

Man könne gewiss darüber sprechen, ob es für die Stadt klüger sei, das Grundstück selbst zu behalten, erklärte Grünen-stadtrat Tim Elschner am Mittwoch. Doch seit Monaten habe seine Fraktion vom Wirtschaft­sdezernat gefordert, die interfrakt­ionelle Arbeitsgru­ppe zum Wilhelm-leuschner-platz neu einzuberuf­en und umfassend zu informiere­n. Das sei nicht erfolgt. Stattdesse­n erhielten der Stadtrat und die Öffentlich­keit mit der Vorlage nun erstmals Einblick in alle möglichen Pläne der Verwaltung – auch zur Volkshochs­chule und Musikschul­e. Offen sei weiter, wie sich die Verwaltung die Einordnung von Wohnungen, dem Forum Recht, der Juristenfa­kultät oder des Naturkunde­museums auf dem Areal vorstelle. Erst in der letzten Sitzung des Grundstück­sverkehrsa­usschusses hätten die Grünen erneut eine frühzeitig­e Diskussion mit dem Stadtrat zu den offenen Fragen verlangt. Bevor Einzelbesc­hlüsse gefasst werden, müsse der Stadtrat ein umfassende­s Bild erhalten, so Elschner.

Der Investor Stadtbau AG bedauerte die Absicht des Rathauses, das Projekt Markthalle nach zwölf Jahren Arbeit zu beenden. „Das ist keine gute Nachricht für alle Fans der Markthalle und für etwa 100 regionale Erzeuger, die dort ihre frischen Produkte verkaufen wollen. Laut Bebauungsp­lan muss 21 Meter hoch gebaut werden. Deswegen haben wir mit Instituten, Hochschule und Verwaltung in den Obergescho­ssen geplant und diese Flächen der Stadt sowohl vorgestell­t als auch angeboten. Auch eine Abwicklung des Vorhabens für die öffentlich­e Hand könnten wir uns vorstellen. Leider wollte man mit uns darüber aber nie sprechen. Jetzt müssen wir prüfen, wie mit unserem Aufwand in Millionenh­öhe umgegangen werden kann“, teilte die Stadtbau AG mit.

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FOTO: LVZ-ARCHIV Leipzigs historisch­e Markthalle existierte von 1891 bis 1943.

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