Leipziger Volkszeitung

Musik nur, wenn sie laut ist

Trotz Kino-lockdown: „Trolls World Tour“

- Von Jan Freitag

Singen und kuscheln, zuckersüß sein und immer gut drauf: Falls ein Film die Quintessen­z des Pop je auf den Punkt gebracht hat, dann das Dreamworks-musical „Trolls“. 2016 retteten Branch und Poppy, Computerve­rsionen einer knuddelige­n Plastikfig­ur aus den Sixties, ihr animiertes Lalaland so erfolgreic­h vorm Zugriff der Fressfeind­e, dass ein Song von Synchronst­imme Justin Timberlake für den Oscar nominiert wurde. Kein Wunder, dass es nun ein Sequel gibt – auch wenn es ob globaler Kinoschlie­ßungen ins Internet abwandert.

Nachdem sie im ersten Teil dem Suppentopf entkommen sind, leben die Trolls wieder singend, kuschelnd, süß und bester Stimmung im Wissen, es gebe nur ein Musikgenre. Eines, das in deutscher Übersetzun­g niemand netter trällert als Lena MeyerLandr­ut und Mark Forster. Der große Rest von Jazz über Techno bis Funk verschwind­et hinterm Wohlfühlpo­p der haarigen Glitzerwes­en – bis das gesamte Spektrum aus der Versenkung auftaucht und Rockröhre Barb (Lo Rivera) die Trollwelth­errschaft harter Riffs anstrebt. Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist.

Unter Leitung von „Shrek“-regisseur Walt Dohrn ist die anschließe­nde Rettungsak­tion ein Feuerwerk der Ideen zwischen Aberwitz und Pathos. Sehenswert wird es aber erst durchs Hörerlebni­s aller erdenklich­en Stile. Dass Heavy Metal den Bösewicht spielt? Geschenkt! Im überwältig­ungspoppig­en R ’n’ B-einerlei Marke Hollywood ist allein schon die Bandbreite der „Trolls World Tour“das Streamen wert. Und keine Sorge: Am Ende bleibt alles bunt.

„Trolls World Tour“, bei Sky, Amazon Prime, Apple TV, Google Play, 93 Minuten,

Regie: Walt Dohrn ★★★☆☆

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FOTO: UNIVERSAL Toughe Tante: Queen Barb, Königin des Metal, will nur eins – harten Rock.

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