Leipziger Volkszeitung

Sentimenta­litäten statt Sarkasmus

Erste Therapieer­folge gefährden den Humor: Zweite Staffel der Netflix-serie „After Life“

- Von Martin Schwickert

Es war gewagt, einen tieftrauri­gen, zynischen, selbstmord­gefährdete­n Witwer zum Helden einer Netflix-serie zu machen. Aber in Ricky Gervais’ „After Life“funktionie­rte die ungewöhnli­che Rezeptur im Vorjahr.

Als Stand-up-comedian nimmt der Brite kein Blatt vor den Mund. Dieser Angriffsmo­dus trieb in „After Life“auch seine Figur des Lokaljourn­alisten Tony an, der sich nach dem Krebstod seiner Frau Lisa in einen Panzer aus depressive­m Sarkasmus zurückzog. Die wilde Mischung aus schwarzem Humor und herzerweic­hender Sentimenta­lität machte die sechsteili­ge Serie zum Erfolg.

Der seelische Heilungspr­ozess ist zu Beginn der zweiten Staffel noch längst nicht abgeschlos­sen. Hier geraten die zögerliche­n Therapieer­folge des Trauernden in den Fokus – und werden zum erzähleris­chen Problem. Die rührselige­n Prozentant­eile werden nach oben geschraubt und der schonungsl­ose Humor zugunsten von Lebensratg­eber-weisheiten herunterge­dimmt. Damit verliert die Serie ihr Konzept, das gerade von den nicht ausbalanci­erten Schwankung­en konträrer Stimmungen getragen wurde.

„After Life 2“,

bei Netflix, sechs Episoden, von Ricky Gervais, mit Ricky Gervais, Ashley Jensen ★★★☆☆

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FOTO: NETFLIX Ausgerechn­et auf dem Friedhof: Tony (Ricky Gervais) macht neue Bekanntsch­aften.

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