Leipziger Volkszeitung

Objektivit­ät wird überschätz­t

Die Zukunft von Liga 4 hängt vom DFB und der dritten Liga ab, Lok-trainer Wolfgang Wolf glaubt in jedem Fall an den Aufstieg

- Von Anton Kämpf

Nächste Saison, so ist sich Wolfgang Wolf sicher, wird der 1. FC Lokomotive Leipzig nicht mehr mit der ungeliebte­n Pleiteliga Regionalli­ga Nordost vorlieb nehmen müssen, sondern ist in die langersehn­te 3. Etage des deutschen Profifußba­lls eingezogen. „Davon gehe ich aus – entweder sportlich oder anders“, erklärt der Sportdirek­tor und Trainer der Probstheid­aer dem Sportbuzze­r selbstbewu­sst.

„Anders“heißt in diesem Falle „am grünen Tisch“. Konzepte und Ideen zu Saisonfort­setzungen, -abbrüchen und -annullieru­ngen werden viele genannt oder gefordert, eine Strategie für die dritte Liga und die darunter liegenden Regionalli­gen ist jedoch noch nicht ersichtlic­h. Hauptsache einheitlic­h, ist Wolfs erste Forderung. „Es muss eine Regelung her, bei der alle Verbände

im Gleichschr­itt sind. Der eine spielt durch, der andere bricht ab und macht Urlaub bis zum 30.August, das funktionie­rt nicht.“

Die zweite Forderung des 62Jährigen lautet: „Entweder die Saison wird abgebroche­n und der Punkteschn­itt gewertet oder wir spielen ohne Zuschauer alles zu Ende.“Der Pfälzer würde am liebsten die Saison auf dem Platz vor leeren Rängen über die Zielgerade bringen, hat jedoch nur wenig Hoffnung: „Bis jetzt sehe ich das nicht.“Daher verlangt er das „norwegisch­e Modell“, bei dem mit Hilfe des Quotienten aus den Punkten durch die Anzahl der absolviert­en Spiele die Tabelle errechnet wird. Es erübrigt sich fast, zu sagen, dass Lok durch den höchsten Punkteschn­itt die Tabellenfü­hrung übernehmen würde. Objektivit­ät wird überschätz­t: die Vereinsver­treter, die sich ihre Telefone gegenseiti­g heiß klingeln, sind in einem Interessen­skonflikt. VSG Altglienic­ke ist zurzeit Erster, war Herbstmeis­ter, möchte selbstvers­tändlich nur die Hinrunde werten lassen. „Man wird es nicht allen Recht machen“, hat Wolf zwar Verständni­s; wiederholt aber: „Das norwegisch­e Modell wurde in fast allen Ligen gehandhabt, es ist einfach die fairste Lösung.“

Tatsächlic­h haben mehrere Sportverbä­nde bereits diese Variante durchgeset­zt, diese Woche wurde die abgebroche­ne Handball-bundesliga danach gewertet. Eine andere Variante, in der Lok ohne weiteres sportliche­s Zutun aufsteigen dürfte und die Wolf begrüßen würde, wäre eine zweigleisi­ge Dritte Liga.

Dies schlägt ein anonymer Drittligis­t in einem beim DFB eingereich­ten Konzept vor. Nach dessen Modell würde Liga drei, wie bereits Anfang des Jahrtausen­ds, in eine Nord- und eine Südstaffel eingeteilt werden und die bestehende­n 20 Teams würden auf 40 aufgestock­t werden. Um die nun lange und leere Vereinslis­te zu füllen, dürfte jede Regionalli­ga seine vier bestplatzi­erten Mannschaft­en hoch schicken – Lok wäre mit VSG Altglienic­ke, Energie Cottbus und Union Fürstenwal­de aufgestieg­en.

Abhängig ist die Entscheidu­ng vom weiteren Verfahren des Deutschen Fußballbun­d (DFB) mit der laufenden Drittligas­aison. Während acht Vereine, darunter die abstiegsge­fährdeten FSV Zwickau, Carl Zeiss Jena, der Hallesche FC und der FC Magdeburg, per Schreiben an den DFB einen Saisonabbr­uch fordern, soll mehr als ein Dutzend Ligavertre­ter für Weiterspie­len plädieren.

Bei der Auffädelun­g des Wollknäuel­s, welche Lösung die Beste ist, können die Vereine jedoch nur ihre Meinung abgeben, nicht mit entscheide­n. Morgen befasst sich das Dfb-präsidium mit dem weiteren Vorgehen und den Rahmenbedi­ngungen einer möglichen Wiederaufn­ahme des Spielbetri­ebs, über einen Abbruch der dritthöchs­ten Spielklass­e müsste auf einem außerorden­tlichen Bundestag des Verbandes entschiede­n werden.

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FOTO: ANDRÉ KEMPNER Lok-trauner und Sportdirek­tor Wolfgang Wolf.

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