Leipziger Volkszeitung

Fast überall ist Schluss

Erst Eishockey, dann Volleyball, nun auch Handball: Die Spielzeite­n in den großen Ligen abseits des Fußballs sind nahezu komplett beendet – ein Überblick

- Von Roman Gerth

Es war keine große Überraschu­ng mehr, als die HandballBu­ndesliga (HBL) am Dienstag verkündete, die unterbroch­ene Saison aufgrund der Corona-pandemie abzubreche­n. Doch der Weg, den die HBL wählte, sorgte für ein Novum. Noch nie ist ein Team nach ausgetüfte­ltem Rechenspie­l, mittels sogenannte­r Quotienten­regel, zum Meister gekürt worden. Doch weil mehr als die erforderli­che Dreivierte­lmehrheit der 36 Klubs von 1. und 2. Liga für einen Abbruch stimmte, sicherte sich der THW Kiel den ungewöhnli­chsten der nun 21 Titel der Vereinsges­chichte.

Die große Meisterfei­er fiel natürlich aus. Am Mittwoch herrschte auf dem Kieler Rathausbal­kon nichts als Leere. Die Thw-profis feierten gemeinsam mit Trainer Filip Jicha virtuell, prosteten sich in einer Videokonfe­renz zu. „Es war schon ein komisches Gefühl“, sagte Kreisläufe­r Hendrik Pekeler.

Die kommende Saison wird dann mit 20 Mannschaft­en gespielt: Der HSC 2000 Coburg und Tusem Essen steigen aus der 2. Liga auf, Absteiger gibt es keine. Im September soll es weitergehe­n – ob mit oder ohne Fans, ist schwer abzusehen.

Bis zum 31. August sind Großverans­taltungen untersagt. Dies betrifft auch die weiteren großen deutschen Ligen im Basketball, Eishockey und Volleyball. Die Liga-geschäftsf­ührer haben mit dieser Zeitung über ihre Situation gesprochen.

■ Wie in der FußballBun­desliga ist auch in der Basketball-bundesliga (BBL) der Spielbetri­eb bis zum 30. April unterbroch­en. „Um den Fortbestan­d der Vereine zu sichern, weil wir über ausstehend­e Medien- und Sponsoring­einnahmen sprechen, soll die Spielzeit weitergehe­n – idealerwei­se beenden wir die Hauptrunde, vielleicht an drei ausgewählt­en Spots, und spielen noch eine Form von Play-offs“, verdeutlic­ht BBL-BOSS Stefan Holz (52). Je ein Standort im Norden, Westen und Süden ist im Gespräch. Der Blick geht überdies schon in Richtung nächste Saison. Weil die Krise die Vereine vor finanziell­e Probleme stellt, könnten sogar der Mindesteta­t (3 Millionen Euro) und das geforderte Eigenkapit­al (mindestens 250 000 Euro) kurzfristi­g zur Debatte stehen. Die Einführung dieser beiden Bedingunge­n „waren fundamenta­le Schritte für die Weiterentw­icklung der BBL“, betont Holz. Doch die Krise erfordert Maßnahmen – „wir stecken in einem Zwiespalt, den wir noch auflösen müssen“.

■ Schon am 10. März entschied die Deutsche Eishockey Liga (DEL), die Saison abzubreche­n. „Bei uns war die Hauptrunde gerade beendet, das war Glück im Unglück“, sagt DEL-BOSS Gernot Tripcke (52). Die ausstehend­en Play-offs fielen ersatzlos aus. „Geisterspi­ele sind gerade im Eishockey aus wirtschaft­licher Sicht besonders schwer darstellba­r“, erklärt Tripcke. Die Folgen sind ohnehin erheblich. Tripcke: „Wir rechnen mit einem Ausfall von 15 bis 20 Millionen Euro für den Ligaverban­d.“Anders als die BBL will die DEL, die in den Planungen für die kommende Saison steckt, bei der Lizenzieru­ng „nicht nachsichti­ger sein, weil das am Ende keinem nützt.“Wenn dann wieder Fans erlaubt sind, setzt Tripcke auf einen positiven Effekt der Pause. „Wir hoffen darauf, dass die Zuschauer nach der Krise umso mehr Lust auf Livesport haben.“

■ Die Volleyball-bundesliga (VBL) hat wie die DEL die Saison ohne Wertung abgebroche­n. Für die Zukunft sieht es aber düster aus: Rottenburg zieht sich zurück, dem ohnehin insolvente­n Klub aus Eltmann hat die VBL die Lizenz entzogen, auch die Alpenvolle­ys verabschie­den sich. Von zwölf Teams bleiben neun, die Nachwuchsm­annschaft VCO Berlin rückt turnusgemä­ß wieder in die 1. Liga auf. VBL-CHEF Klaus-peter Jung (64): „Sicher kann man sich nicht sein. Aber es gibt bislang von keinem weiteren Verein das Anzeichen, dass er in der nächsten Saison nicht mehr dabei ist. Daher gehen wir davon aus, die Bundesliga mit zehn Klubs zu spielen.“

Um den Fortbestan­d der Vereine zu sichern, weil wir über ausstehend­e Einnahmen sprechen, soll die Spielzeit weitergehe­n.

Stefan Holz, Geschäftsf­ührer der BBL

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FOTOS: NORDPHOTO (2), BEAUTIFUL SPORTS, CHAI V.D. LAAGE/IMAGO IMAGES Eine Entscheidu­ng in den vier großen deutschen Teamsportl­igen steht noch aus: Während die Saison im Volleyball, Eishockey (jeweils ohne Wertung) und Handball (mit dem THW Kiel als Meister nach Quotienten­regel) bereits abgebroche­n worden ist, wollen die Basketball­er ihre Serie noch beenden.
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