Leipziger Volkszeitung

Rückkehr der Klimakrise

- Von Markus Decker

Vor ein paar Wochen schien es so, als könnten jene, denen der Kampf gegen die Klimakrise am Herzen liegt, erst mal einpacken. Denn während lange wohl niemand für möglich gehalten hätte, dass es noch etwas Bedrohlich­eres geben könnte, so war dieses Noch-bedrohlich­ere plötzlich da: die Coronakris­e. Doch nicht nur der Netzstreik von „Fridays for Future“erinnert uns daran, dass diese Wahrnehmun­g falsch ist. Das hat mit der anhaltende­n Dürre zu tun, die sich nun bereits im April andeutet und Bauern wie Waldbesitz­er alarmiert. Der fehlende Regen in Kombinatio­n mit steigenden Temperatur­en ist beängstige­nd. Und einen Impfstoff gegen die Klimakrise wird es nicht geben. Überhaupt ist es falsch, Corona-krise und Klimakrise alternativ zu betrachten. Virologen sagen vielmehr, dass Viren dort die besten Chancen haben, wo es wenig Artenvielf­alt gibt. Sie könnten sich dann zwischen den Tieren einer Art besser verbreiten und auf den Menschen überspring­en. Dabei steht fest, dass Artenvielf­alt heute vor allem durch die Erderwärmu­ng reduziert wird. Wissenscha­ftler betonen ferner, dass die Zahl der Coronatote­n dort besonders hoch sei, wo es eine hohe Belastung mit Stickstoff­dioxiden und wegen umliegende­r Berge wenig Luftaustau­sch gebe – in Norditalie­n oder der spanischen Hauptstadt Madrid. Das Umweltbund­esamt legte bereits 2018 dar, dass Stickstoff­dioxide zu Herz-kreislauf-leiden, Atemwegser­krankungen oder Diabetes führten – jenen Vorerkrank­ungen, die bei einer Corona-infektion riskant sind. Es ist also nicht so, dass wir nach der Corona-krise erleichter­t aufatmen könnten. Wir müssen stattdesse­n begreifen, dass der Kampf für eine gute Umwelt existenzie­ll ist.

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