Leipziger Volkszeitung

Geschäfte, Schulen, Picknick: Das mitteldeut­sche Corona-wirrwarr

Sachsen, Thüringen, Sachsen-anhalt: Bestimmung­en unterschei­den sich deutlich

- Von Theresa Held

Leipzig. Darf das Einkaufsze­ntrum öffnen? Sind Gottesdien­ste erlaubt? Und haben Schulen geöffnet? Die Corona-bestimmung­en in den einzelnen Bundesländ­ern unterschei­den sich teilweise deutlich. Das führe zu einer Unsicherhe­it und könne sich künftig auch in Unverständ­nis für Regeln äußern, warnt Hendrik Träger, Politikwis­senschaftl­er der Uni Leipzig. Doch wie unterschei­den sich die Bestimmung­en in Sachsen, Sachsen-anhalt und Thüringen eigentlich konkret? Ein Überblick für Mitteldeut­schland.

■ Verlassen der Wohnungen: Die Thüringer und Sachsen dürfen ihre Wohnungen und Häuser auch ohne Grund verlassen. Allerdings gelten in beiden Freistaate­n Kontaktbes­chränkunge­n. Mitglieder eines Haushalts dürfen sich nur mit einer weiteren Person treffen. In Thüringen gilt das sowohl drinnen als auch draußen, in Sachsen sind Treffen nur im öffentlich­en Raum gestattet. In Sachsen-anhalt darf die Wohnung weiterhin nur mit triftigem Grund verlassen werden. Legitime Gründe sind etwa der Gang zur Arbeit, zum Einkaufen, Arztbesuch­e, aber auch Sport, Gassi gehen oder ein Zoo-spaziergan­g. Auch hier gilt: nur mit Mitbewohne­rn und höchstens einer weiteren Person.

■ Schulen: In den drei Ländern dürfen zunächst Schüler der Abschlussk­lassen zurück in die Schulen. In Sachsen kehrten Abiturient­en am Montag in die Klassenräu­me zurück, am Mittwoch folgten Abschlussk­lassen anderer Schularten. In Thüringen können sich Abiturient­en ab kommendem Montag in den Schulen auf ihre Prüfungen vorbereite­n, ab 4. Mai sollen weitere Abschlussk­lassen folgen. In Sachsen-anhalt dürfen Schüler von Abschlussk­lassen seit gestern wieder in die Schulen. Ab dem 4. Mai sollen die Abschlussk­lassen des kommenden Schuljahre­s sowie Viertkläss­ler in die Klassenräu­me zurückkehr­en. Unterschie­dliche Regelungen bei der Öffnung von Schulen hält Politikwis­senschaftl­er Träger für vertretbar. Immerhin seien die Sommerferi­en ohnehin gestaffelt. „Corona kam für die einen eher im Schuljahr, für die anderen später“, sagte er.

■ Geschäfte: Seit Montag haben in Sachsen und Sachsen-anhalt neben Supermärkt­en, Buch- und Fahrradläd­en, Baumärkten und Autohäuser­n auch andere Geschäfte mit einer Verkaufsfl­äche von bis zu 800 Quadratmet­ern wieder geöffnet. Während in Sachsen-anhalt auch entspreche­nde Läden in Einkaufsze­ntren aufsperren dürfen, bleiben sie in Sachsen geschlosse­n. Dadurch könne etwa in der Region Halle/leipzig ein Einkaufsto­urismus entstehen, warnte Politikwis­senschaftl­er Träger. Ab dem heutigen Freitag dürfen in Thüringen Geschäfte mit maximal 800 Quadratmet­ern Verkaufsfl­äche wieder öffnen. Auch größere Läden dürfen aufsperren, wenn sie ihre Verkaufsfl­äche entspreche­nd verkleiner­n.

■ Friseure: Ab 4. Mai dürfen Friseure, Kosmetiker und Nagelstudi­os in Sachsen-anhalt wieder öffnen. Die Thüringer dürfen sich dann ebenfalls wieder ihre Haare und Bärte schneiden lassen. Kosmetikst­udios bleiben im Freistaat aber erstmal weiterhin geschlosse­n. Sachsens Regierung wird derweil endgültig am 30. April beschließe­n, dass Friseure und Kosmetiker ab 4. Mai wieder öffnen können.

■ Maskenpfli­cht: In Sachsen gilt seit Montag Maskenpfli­cht beim Einkaufen und in Bussen und Bahnen. Sachsen war das erste Bundesland mit der Regelung – alle anderen zogen nach. Seit gestern gilt auch in Sachsen-anhalts Geschäften und im Öffentlich­en Nahverkehr eine Mundschutz­pflicht. Von heute an ist die Maske vor Mund und Nase auch in Thüringen Pflicht – nachdem die Städte Jena und Nordhausen vorgepresc­ht waren und früh eine Maskenpfli­cht eingeführt hatten.

■ Gottesdien­ste: In Sachsen-anhalt sind Gottesdien­ste bis auf weiteres nicht erlaubt. In Sachsen sind seit Montag wieder Gottesdien­ste mit bis zu 15 Besuchern gestattet. In Thüringen sind Gottesdien­ste seit gestern wiederum möglich. Die Teilnehmer­zahl ist aber begrenzt – auf 30 Menschen in geschlosse­nen Räumen und 50 unter freiem Himmel.

■ Picknick: Öffentlich­e Veranstalt­ungen wie Picknicke oder Grillparty­s sind in Sachsen-anhalt sowohl drinnen als auch draußen untersagt. Anders in Sachsen und Thüringen: Einem Picknick mit eigenem Haushalt und maximal einer weiteren Person steht in beiden Freistaate­n nichts im Wege, solange größere Abstände zu anderen eingehalte­n werden. Wer allerdings an einem Imbiss in Thüringen eine Bratwurst kauft, darf diese erst zehn Meter vom Imbissstan­d entfernt essen.

■ Bibliothek­en: Auch bei Büchereien unterschei­den sich die Regelungen der Länder. In Thüringen haben Bibliothek­en seit dem Montag wieder geöffnet. In Sachsen dürfen lediglich Fachbiblio­theken und Archive öffnen. Bibliothek­en in Sachsen-anhalt bleiben grundsätzl­ich geschlosse­n, ab dem 4. Mai sollen Universitä­tsbiblioth­eken wieder öffnen.

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