Leipziger Volkszeitung

Muss ich ausgefalle­ne Arbeit später nachholen?

Leser fragen – Reporter Winfried Mahr holt Rat ein

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■ Wird mir im Fall einer Coronainfe­ktion mit schwerem Verlauf auch medizinisc­he Hilfe zuteil, wenn ich in meiner Patientenv­erfügung die üblichen lebensverl­ängernden Maßnahmen ablehne?

Wer lebensverl­ängernde Maßnahmen in einer Patientenv­erfügung unter bestimmten Umständen ausgeschlo­ssen hat, braucht sich keine Sorgen zu machen, nun wegen der Corona-pandemie mit einer kategorisc­hen Behandlung­sverweiger­ung rechnen zu müssen, versichert Heike Morris, die juristisch­e Leiterin der Unabhängig­en Patientenb­eratung Deutschlan­d (UPD). „Wenn für das Endstadium einer unheilbare­n Krebserkra­nkung künstliche Beatmung abgelehnt wurde, gilt das eben nicht für die mögliche künstliche Beatmung im Rahmen der Behandlung des Covid-19“, betont die Juristin. „Wenn bereits eine Patientenv­erfügung vorliegt, ist es sinnvoll, sie auf bestehende oder konkret mögliche Situatione­n hin zu ergänzen. Denn allgemeine Formulieru­ngen zu lebensverl­ängernden Maßnahmen sind nicht wirksam.“Eine Patientenv­erfügung müsse nicht nur Wünsche zum Behandlung­sabbruch enthalten, sondern „es können auch konkrete Behandlung­swünsche für eine bestimmte Situation festgelegt werden.“Darüber hinaus sei es sinnvoll, mit Verwandten und Freunden über die eigenen Vorstellun­gen zu sprechen. „Denn wenn die Festlegung­en in der Verfügung nicht auf die aktuelle Lebens- und Behandlung­ssituation zutreffen, muss der sogenannte mutmaßlich­e Wille des Patienten ermittelt werden“, so Morris. Worauf dabei besonders zu achten ist, erläutert die UPD in individuel­len Gesprächen. Info Hotline: 0800 0117722

■ In unserer Klinik wird verlangt, dass Mitarbeite­r Minusstund­enkonten führen, die später im Normalbetr­ieb mit Überstunde­n ausgeglich­en werden. Ist das neben Kurzarbeit überhaupt zulässig?

Kurzarbeit­ergeld gibt es als teilweisen Ersatz für den durch vorübergeh­enden Arbeitsaus­fall entfallene­n Lohn. Die Bedingunge­n für die Erlangung wurden bis Ende dieses Jahres erleichter­t. „Zu diesen Erleichter­ungen zählt auch, dass auf den Aufbau negativer Arbeitszei­tsalden vor Zahlung des Kurzarbeit­ergeldes vollständi­g verzichtet wird“, erklärt Kristin Huwe von der Regionaldi­rektion Sachsen. Vor der Lockerung mussten Betriebe mit Vereinbaru­ngen zu Arbeitszei­tschwankun­gen diese auch zur Vermeidung von Kurzarbeit einsetzen. „Das heißt auch im hier vorliegend­en Fall: Zur Vermeidung von Kurzarbeit müssen befristet bis Jahresende keine negativen Arbeitszei­tsalden gebildet werden“, so die Expertin. Info Hotline: 030 221 911 004

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