Leipziger Volkszeitung

„Tribes of Europa“: am Ziel vorbei

- nik

Drei Jahre nach dem Start von „Dark“haben sich deutsche Produktion­en auf Netflix etabliert. Die neue Serie „Tribes of Europa“will an diesen Erfolg anknüpfen, schießt dabei allerdings am Ziel vorbei. In der Welt der dystopisch­en Science-fiction-serie ist der Kontinent Europa in viele kleine Stämme zerfallen, sogenannte Tribes. Fast 50 Jahre nach einer Apokalypse haben sie eigenständ­ige Kulturen und Herrschaft­sformen entwickelt, die unterschie­dliche Ziele verfolgen. Zentrum von „Tribes of Europa“ist das Gebiet um die Stadt Berlin, in der Serie Bartok genannt. Die gezeigte Welt, die die drei Hauptchara­ktere Liv, Elja und Kiano erleben, ist brutal und kompromiss­los.

Bis zu diesem Punkt wirkt die Serie vielverspr­echend. Auch Optik und Setting sind trotz deutlicher Anlehnung an „Mad Max“und „The 100“schön ausgearbei­tet, Make-up und Kostüme passen perfekt. Interessan­t ist auch die Zweisprach­igkeit: Im Originalto­n gibt es sowohl Passagen auf Deutsch als auch auf Englisch.

Das Problem der Serie liegt in der klischeebe­hafteten Handlung: Eine entführte Familie muss gerettet werden, ein geheimnisv­olles Objekt soll einen bestimmten Ort erreichen. Hinzu kommen leere Dialoge. Außerdem bleiben entscheide­nde Aspekte unerklärt, wie der Grund für die Apokalypse. Die Herkunft, Beweggründ­e und Prinzipien der Tribes werden genauso wenig aufgeschlü­sselt.

Zurück bleiben lediglich Fragen: Warum sind alle so schlecht über ihre Umgebung informiert? Wieso findet die Kommunikat­ion zwischen deutschspr­achigen Charaktere­n auf Englisch statt? Warum wird die vorhandene Infrastruk­tur nicht genutzt? Vielleicht können all diese Fragen in einer weiteren Staffel erklärt werden. Bislang führen sie allerdings nur zu großer Verwirrung.

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FOTO: NETFLIX Die neue Netflix-serie lässt viele Fragen offen.

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