Leipziger Volkszeitung

Sachsen können sich ab sofort mit Astrazenec­a in Praxen impfen lassen

Sozialmini­sterin Köpping nennt Bedingunge­n. Prioritäts­gruppe 3 kann Termine buchen. Komplett Geimpfte brauchen ab Anfang Mai keinen Tages-nachweis mehr für negative Tests.

- Von Roland Herold und André Böhmer

Dresden/leipzig. In Sachsen können sich ab sofort alle Bürgerinne­n und Bürger in Arztpraxen mit dem Impfstoff von Astrazenec­a impfen lassen. Wie Gesundheit­sministeri­n Petra Köpping (SPD) am Dienstag nach der Kabinettss­itzung in Dresden mitteilte, ist damit die Impfpriori­sierung für diesen Impfstoff komplett aufgehoben.

Es gibt allerdings Bedingunge­n: Die Impfung darf in den am Impfprogra­mm beteiligte­n Praxen nur nach einer ausführlic­hen Beratung erfolgen. Sowohl der Arzt als auch der impfwillig­e Bürger müssen zustimmen, wie Köpping noch einmal klarmachte. Bisher wurde der Impfstoff nur an Menschen im Alter ab 60 Jahren verabreich­t. Trotz einiger seltener Fälle von Hirnvenent­hrombosen hatte die Europäisch­e Arzneimitt­elbehörde EMA bisher uneingesch­ränkt grünes Licht für den Wirkstoff gegeben. Die Vorteile des Schutzes vor Covid-19 seien höher zu bewerten als die möglichen Risiken.

„Wir kommen in Sachsen mit dem Impfen gut voran“, sagte Köpping. Derzeit würden täglich bis zu 39 000 Dosen gespritzt. Bei Erstimpfun­gen liege die Impfquote nunmehr bei 19,9 Prozent (bundesweit: 19,8 Prozent), bei der Zweitimpfu­ng seien es 7,3 (6,6) Prozent. Damit bewege sich der Freistaat im oberen Mittelfeld. Unter allen Bundesländ­ern liege Sachsen bei der Zweitimpfu­ng derzeit auf Platz vier. Laut Köpping sollen alle 13 Impfzentre­n bis zum 30. Juni in Betrieb bleiben. Danach soll das Impfgesche­hen vor allem auf die Hausärzte und Betriebsär­zte übergehen. Über die konkreten Schritte werde nächste Wochen im Kabinett beraten, sagte die Ministerin.

Die Prioritäts­gruppe 3 hat ab sofort die Chance, sich impfen zu lassen. Seit Dienstag gibt es die Impftermin­e in Sachsen unter anderem für Angehörige der „kritischen Infrastruk­tur“(siehe Infobox) bei Hausärzten, ab Mittwoch auch über das Impfportal. Mehr als 60 Prozent der Sachsen können damit ab sofort geimpft werden. Nach Köppings Aussagen tritt voraussich­tlich ab

Anfang Mai eine weitere Erleichter­ung für Geimpfte in Kraft. Wer vollständi­g geimpft ist, soll in Sachsen keinen Nachweis tagesaktue­ller negativer Tests mehr benötigen, beispielsw­eise für den Friseurbes­uch oder eine andere körpernahe Dienstleis­tung.

Diese Regelung greife mit einem gewissen zeitlichen Abstand nach Verabreich­ung der zweiten Impfdosis, sagte Köpping, ohne sich auf einen genauen Zeitraum und das Procedere festzulege­n. Geplant sei, das in die nächste Corona-schutzvero­rdnung einzuarbei­ten. Diese soll voraussich­tlich ab 9. Mai in Kraft treten.

Die Sieben-tages-inzidenz ist unterdesse­n am Dienstag in Sachsen leicht zurückgega­ngen, sie sank von 234 auf 220,9. Bundesweit fiel die Inzidenz ebenfalls leicht auf 162,4. Köpping verwies in dem Zusammenha­ng auf die Bettenbele­gung in den sächsische­n Kliniken mit Covid-patienten, die am Dienstag bei 1239 lag. Ab 1300 Covid-patienten auf den Normalstat­ionen treffen in Sachsen weitere drastische Beschränku­ngen in Kraft.

Dresden. Nach dem Votum des Cdu-vorstands für Armin Laschet als Spitzenkan­didaten ist der nervenaufr­eibende Machtkampf in der Union entschiede­n. Dass für die sächsische Union ein Spitzenkan­didat Laschet wahrschein­lich nur die zweitbeste Lösung ist, hat eine Vorgeschic­hte. Im Dreikampf um die Bundesspit­ze der CDU stellte sich die Partei zunächst hinter Friedrich Merz, der aber – wie auch Norbert Röttgen – Laschet am Ende unterlag.

Ministerpr­äsident Michael Kretschmer (CDU) verkniff sich in den letzten Tagen, für die eine oder andere Seite Partei zu ergreifen, drängte dafür aber auf eine zeitnahe Entscheidu­ng. Das Resultat der nächtliche­n Sitzung gab ihm im Nachhinein wohl recht. Auf dem Cdu-parteitag in Dresden lobte er immerhin die Zusammenar­beit mit Laschet beim Kohleausst­ieg.

Cdu-generalsek­retär Alexander Dierks sagte, von Beginn an sei klar gewesen: „Wir haben die Auswahl zwischen zwei starken Vorsitzend­en und erfolgreic­hen Ministerpr­äsidenten.“Das Votum des Cdu-bundesvors­tandes sei eindeutig ausgefalle­n.

Cdu-fraktionsc­hef Christian Hartmann sah sich am Dienstag nicht in der Lage, eine Bewertung abzugeben und ließ sich entschuldi­gen. Der Tag war mit Sitzungen der Fraktion, des Regierungs­kabinetts und des Landtags allerdings tatsächlic­h einer mit vollem Programm bis in die Abendstund­en.

Der Ostbeauftr­agte der Bundesregi­erung, Marco Wanderwitz hingegen hatte sich im Vorfeld klar für Söder ausgesproc­hen und das auch am Rande des Cdu-parteitags noch einmal bekräftigt. Dabei blieb er auch am Dienstag. Am Morgen nach der Entscheidu­ng sprach er gegenüber der LVZ von einer „Bestenausw­ahl zwischen den beiden erfolgreic­hen Ministerpr­äsidenten der beiden größten deutschen Bundesländ­er“. Wanderwitz: „Der Cdubundesv­orstand hat sich nach langer Debatte mehrheitli­ch für Armin Laschet ausgesproc­hen. Ich habe dabei für Markus Söder geworben.“

Auch der Leipziger Bundestags­abgeordnet­e Jens Lehmann, der in Dresden bei der Aufstellun­g der Landeslist­e zur Bundestags­wahl am 26. September die meisten Ja-stimmen auf sich vereinigen konnte, sagte, er akzeptiere die Entscheidu­ng. „Das Hin und Her hat der Union zuletzt nicht gut getan. Nun sollten alle geschlosse­n und beherzt in den Wahlkampf starten.“

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FOTO: M. RIETSCHEL/DPA Sachsens Sozialmini­sterin Petra Köpping (SPD) verkündete am Dienstag, dass im Freistaat der Impfstoff Astrazenec­a in den Praxen komplett freigegebe­n wird.

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