Grund­satz­ur­teil des Bun­des­fi­nanz­hofs: Fis­kus darf sechs Pro­zent Zin­sen ver­lan­gen

Lindauer Zeitung - - WIRTSCHAFT -

MÜN­CHEN (dpa) - Trotz der Nul­lZins-Po­li­tik der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank dür­fen die deut­schen Fi­nanz­äm­ter bei Steu­er­nach­zah­lun­gen ho­he Zin­sen von sechs Pro­zent kas­sie­ren. Auch in ei­ner Tief­zins­pha­se ist das nicht ver­fas­sungs­wid­rig, wie der Bun­des­fi­nanz­hof in ei­nem am Di­ens­tag ver­öf­fent­lich­ten Grund­satz­ur­teil ent­schie­den hat. Das höchs­te deut­sche Fi­nanz­ge­richt sieht in den sechs Pro­zent Zin­sen we­der ei­nen Ver­stoß ge­gen den Gleich­heits­grund­satz noch ge­gen die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit.

Da­mit zie­hen die Rich­ter ei­nen Strich un­ter ei­nen seit Jah­ren an­dau­ern­den Streit – für den Staat ist der ho­he Zins­satz ei­ne ein­träg­li­che Zu­satz­ein­nah­me. Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ei­ne kri­ti­sie­ren die Re­gel seit Jah­ren.

Im kon­kre­ten Fall ging es um 11 000 Eu­ro Zin­sen, die der Fis­kus von ei­nem Bür­ger ver­lang­te. Das Fi­nanz­amt hat­te den end­gül­ti­gen Steu­er­be­scheid für das Jahr 2011 nach ei­ni­gem Hin und Her erst im Sep­tem­ber 2013 fest­ge­setzt – die Be­am­ten for­der­ten dann für die Nach­zah­lung den seit Jahr­zehn­ten gel­ten­den Zins­satz von 0,5 Pro­zent pro Mo­nat. Das är­ger­te den Mann so sehr, dass er vor Ge­richt zog.

Ei­ne Rol­le bei der Ent­schei­dung spiel­te, dass die Zins­re­gel auch um­ge­kehrt gilt: Wenn die Bür­ger ei­ne Rück­zah­lung vom Fi­nanz­amt er­hal­ten, wird die­se eben­falls mit sechs Pro­zent pro Jahr ver­zinst – hö­her als bei je­der Spar­kas­se.

FO­TO: DPA

Eu­ro­mün­zen.

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