Geld der Freun­de ver­zockt: Drei Jah­re Haft für Be­ra­ter

Das Land­ge­richt Kemp­ten ver­ur­teilt 45-Jäh­ri­gen we­gen Un­treue und ge­werbs­mä­ßi­gen Be­trugs

Lindauer Zeitung - - LINDAU -

LIN­DAU/KEMP­TEN (ju­le) - Der An­la­ge­be­ra­ter aus dem Kreis Lin­dau, der mehr als ei­ne Mil­li­on Eu­ro sei­ner Be­kann­ten ver­zockt hat, muss drei Jah­re ins Ge­fäng­nis. Das Land­ge­richt Kemp­ten hat dem Mann am Don­ners­tag we­gen Un­treue und ge­werbs­mä­ßi­gen Be­trugs ver­ur­teilt.

Der 45-Jäh­ri­ge hat­te oh­ne das Wis­sen sei­ner Kun­den, die er al­le seit Jah­ren kann­te, de­ren Geld in hoch­spe­ku­la­ti­ve Op­ti­ons­ge­schäf­te an­ge­legt (die LZ be­rich­te­te). „Des­sen Be­haup­tung, je­weils mit Wis­sen und Wol­len der Ge­schä­dig­ten die Spe­ku­la­ti­ons­ge­schäf­te ge­tä­tigt zu ha­ben, nahm ihm die Kam­mer nicht ab“, heißt es in ei­ner Mit­tei­lung des Ge­richts zum Ur­teil. „Sämt­li­che Ge­schä­dig­ten ha­ben zur Über­zeu­gung der Kam­mer wahr­heits­ge­mäß als Zeu­gen aus­ge­sagt, dass sie von den hoch­spe­ku­la­ti­ven Ge­schäf­ten kei­ne Kennt­nis hat­ten und die­se auch zu kei­nem Zeit­punkt be­auf­tragt hat­ten.“

Re­le­vant für das Ur­teil war letzt­lich ein Ge­samt­scha­den von rund 650 000 Eu­ro. Den Rest der rund 1,3 Mil­lio­nen, we­gen de­nen der 45-Jäh­ri­ge an­ge­klagt war, hat das Ge­richt für das Ur­teil au­ßen vor ge­las­sen, wie Land­ge­richts­spre­cher Gun­ther Schatz im Ge­spräch mit der LZ sagt. „Da­für wä­ren wei­te­re Er­mitt­lun­gen zu tä­ti­gen ge­we­sen im Hin­blick auf ju­ris­ti­sche Fra­gen“, so Schatz.

Die Kam­mer folg­te dem psych­ia­tri­schem Sach­ver­stän­di­gen, wel­cher dem An­ge­klag­ten ei­ne ein­ge­schränk­te Schuld­fä­hig­keit auf­grund af­fek­ti­ven Stö­rung at­tes­tier­te. Aus die­sem Grund blieb die Kam­mer un­ter dem von der Ver­tre­te­rin der Staats­an­walt­schaft ge­for­der­ten Straf­maß von 5 Jah­ren 10 Mo­na­ten. Der Ver­tei­di­ger des An­ge­klag­ten hat­te be­an­tragt, ei­ne Ver­war­nung mit Straf­vor­be­halt (Geld­stra­fe auf Be­wäh­rung) aus­zu­spre­chen. Das Ur­teil ist nicht rechts­kräf­tig. Der An­ge­klag­te hat, eben­so wie die Staats­an­walt­schaft, die Mög­lich­keit, bin­nen ei­ner Wo­che Re­vi­si­on beim Bun­des­ge­richts­hof ein­zu­le­gen.

FO­TO: JU­LIA BAU­MANN

Die Kühl­the­ke von Chris­ti­an Iwen ist leer. Das Kemp­te­ner Land­ge­richt muss ent­schei­den, ob der Fi­scher wei­ter ar­bei­ten darf.

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