Hal­tung ent­schei­det über No­ten

US-For­scher: Atem und Kreis­lauf wer­den durch krum­men Rü­cken ne­ga­tiv be­ein­träch­tigt

Lingener Tagespost - - VORDERSEITE - Zitt/Sei­te 24

OS­NA­BRÜCK Krum­mer Rü­cken und schie­fe Hal­tung: US-ame­ri­ka­ni­sche For­scher ha­ben her­aus­ge­fun­den, dass die kor­rek­te Sitz­hal­tung die Qua­li­tät der Leis­tun­gen von Schü­lern und Stu­den­ten dau­er­haft be­ein­flusst.

Egal, ob Ex­amen oder Füh­rer­schein­prü­fung, Kon­zert oder Re­fe­rat – Ner­vo­si­tät und Lam­pen­fie­ber ha­ben hier schon so man­che Leis­tung boy­kot­tiert. US-For­scher ha­ben nun ei­ne ein­fa­che Lö­sung für die­ses weit­ver­brei­te Pro­blem ge­fun­den. Ihr Rat klingt wie von Oma: „Setz dich ge­ra­de hin!“

OS­NA­BRÜCK Das For­scher­team um Erik Pe­per von der San Fran­cis­co Sta­te Uni­ver­si­ty ließ 125 Stu­den­ten ei­ne kom­pli­zier­te Re­chen­auf­ga­be lö­sen, wo­bei die ei­ne Hälf­te der Pro­ban­den 15 Se­kun­den mit auf­rech­tem Ober­kör­per sit­zen soll­te. Da­nach tausch­ten die bei­den Grup­pen ih­re Sitz­po­si­ti­on, um er­neut ihr Hirn beim Rech­nen zu mar­tern. Am En­de des Ver­suchs wur­den sämt­li­che Pro­ban­den be­fragt, wie schwer sie die Auf­ga­ben fan­den. Als Ori­en­tie­rung stand ih­nen da­bei ei­ne Ska­la zur Ver­fü­gung, von 10 für „sehr schwer“bis 1 für „sehr leicht“.

Es zeig­te sich: Die lüm­meln­den, ge­beugt sit­zen­den Stu­den­ten be­wer­te­ten ih­re Auf­ga­ben durch­schnitt­lich mit 6,2, wäh­rend die stramm und auf­recht Sit­zen­den nur auf 4,9 ka­men. „Die ge­krümm­te Po­si­ti­on wirk­te sich vor al­lem bei je­nen ne­ga­tiv aus“, er­läu­tert Pe­per, „die vor­her über Re­chen­schwä­che-Pro­ble­me be­rich­tet und schon Prü­fungs­ängs­te oder so­gar schon mal ei­nen Black­out bei ei­ner Prü­fung er­lebt hat­ten“. Wer al­so an­fäl­lig für sol­che Pro­ble­me ist, soll­te sich künf­tig beim Ex­amen oder dem Hal­ten ei­nes Re­fe­rats ge­ra­de hin­set­zen.

Bleibt die Fra­ge, war­um sich ei­ne ge­krümm­te Sitz­po­si­ti­on of­fen­bar un­güns­tig auf die Denk­funk­tio­nen aus­wirkt. Pe­per ver­mu­tet, dass sie Atem und Kreis­lauf be­ein­träch­tigt, so­dass sich die Ver­sor­gungs­si­tua­ti­on im Ge­hirn ver­schlech­tert. Hin­zu kommt, dass sich durch die ge­krümm­te „Bu­ckel­hal­tung“ei­ne psy­chi­sche und kör­per­li­che De­fen­siv­hal­tung ma­ni­fes­tiert: Man macht sich klei­ner, als man ist. Was nicht nur der Mensch ge­gen­über spürt, son­dern auch der Be­trof­fe­ne selbst. „Man schätzt sich selbst schwä­cher ein, wenn man in solch ei­ner Hal­tung sitzt“, warnt der USame­ri­ka­ni­sche Psy­cho­phy­sio­lo­ge. Und wer sich selbst schwä­cher ein­schät­ze, schöp­fe in Prü­fungs­si­tua­tio­nen sein Leis­tungs­ver­mö­gen we­ni­ger aus.

Dem­ge­gen­über strafft sich in auf­rech­ter Sitz­po­si­ti­on die Mus­ku­la­tur, die die­sen Zu­stand di­rekt ans Ge­hirn wei­ter­gibt und dort für ent­spre­chen­de Emo­tio­nen der Auf­merk­sam­keit und Span­nung sorgt. Und das Zwerch­fell kann sich bes­ser in die At­mung ein­schal­ten, die da­durch tie­fer und ef­fek­ti­ver wird, was nicht nur die Sau­er­stoff­ver­sor­gung im Ge­hirn ver­bes­sert, son­dern auch Ent­span­nungs­si­gna­le ans Ge­hirn sen­det. Oder an­ders aus­ge­drückt: Man wird auf­merk­sam und wach, ver­krampft aber nicht, son­dern bleibt mehr oder we­ni­ger ent­spannt.

Letz­te­re Be­grif­fe kennt man von den di­ver­sen Tech­ni­ken der Me­di­ta­ti­on, die sich größ­ten­teils im Kampf ge­gen Lam­pen­fie­ber und Prü­fungs­stress be­haup­tet ha­ben. Die Stu­die der ka­li­for­ni­schen For­scher zeigt aber auch: Man muss nicht un­be­dingt me­di­tie­ren ler­nen, um sei­ne Prü­fungs­ängs­te bes­ser in den Griff zu be­kom­men. Es reicht schon ei­ne sim­ple Kor­rek­tur der Sitz­po­si­ti­on.

Mehr Nach­rich­ten zu den Stu­di­en­er­geb­nis­sen der US-Ame­ri­ka­ner fin­den Sie auf noz.de/gzw

Fo­to: dpa/Pe­ter Stef­fen

Krum­mer Rü­cken und schie­fe Hal­tung wir­ken sich laut ei­ner US-ame­ri­ka­ni­schen Stu­die ne­ga­tiv auf die Leis­tun­gen von Schü­lern und Stu­den­ten aus.

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