Os­na­brü­cker aus­ge­wie­sen

Chi­nas Be­hör­den wol­len jun­gen Stu­den­ten nicht im Land

Lingener Tagespost - - POLITIK - Von Tho­mas Lud­wig

OS­NA­BRÜCK Der im Os­na­brü­cker Stadt­teil Gre­tesch auf­ge­wach­se­ne Jour­na­lis­mus-Stu­dent Da­vid Mis­sal ist aus Chi­na aus­ge­wie­sen wor­den. Zu­vor hat­te er über die po­li­ti­sche Ver­fol­gung von Men­schen­rechts­an­wäl­ten in dem Land re­cher­chiert. Das be­stä­tig­te der 24-Jäh­ri­ge un­se­rer Re­dak­ti­on bei sei­ner Rück­rei­se aus dem Flug­zeug her­aus via Kurz­nach­richt.

„Ich hät­te mir ge­wünscht, dass das Aus­wär­ti­ge Amt hier ak­tiv wird“, ließ Mis­sal auf An­fra­ge wis­sen. Lei­der sei das nicht ge­sche­hen. „Ich hat­te wäh­rend der Zeit, als ich auf mein Vi­sum ge­war­tet ha­be und der Pass bei der chi­ne­si­schen Aus­län­der­be­hör­de war, Kon­takt mit der Bot­schaft und um Hil­fe ge­be­ten. Hier sag­te man mir nur, ich kön­ne mir ei­nen An­walt neh­men, die Bot­schaft sei nicht in der La­ge zu hel­fen“, er­zählt Mis­sal. Schließ­lich ha­be sein On­kel das Aus­wär­ti­ge Amt in Ber­lin kon­tak­tiert. Doch auch hier sei ihm mit­ge­teilt wor­den, dass sich da nichts ma­chen las­se.

Die Nach­rich­ten­agen­tur dpa hat­te be­rich­tet, dass der jun­ge Mann ges­tern hat­te aus­rei­sen müs­sen. Die Be­hör­den hat­ten sei­ne Auf­ent­halts­er­laub­nis ver­kürzt und ein neu­es Vi­sum für das nächs­te Se­mes­ter ver­wei­gert. Die Be­hör­den be­grün­de­ten ih­re Ent­schei­dung da­mit, dass sei­ne Ak­ti­vi­tä­ten nicht von sei­nem Stu­den­ten­vi­sum ge­deckt wa­ren. Auf Nach­fra­ge, was da­mit ge­meint sei, sol­len die Be­am­ten nur ge­ant­wor­tet ha­ben: „Das weißt du schon selbst.“

Mis­sal, der an der Pe­kin­ger Tsin­g­hua-Uni­ver­si­tät das ers­te Jahr ei­nes Mas­ter-Stu­di­en­gangs ab­sol­viert hat, geht da­von aus, dass die Aus­wei­sung mit sei­ner Ar­beit über die Ver­fol­gung von Men­schen­recht­lern zu­sam­men­hängt. Seit­dem die Si­cher­heits­be­hör­den vor drei Jah­ren zum Schlag ge­gen mehr als 300 Bür­ger­rechts­an­wäl­te, Mit­ar­bei­ter von Kanz­lei­en und Ak­ti­vis­ten und de­ren An­ge­hö­ri­ge aus­ge­holt ha­ben, sind vie­le von ih­nen zu Be­wäh­rungs- und teil­wei­se lan­gen Haft­stra­fen ver­ur­teilt wor­den. Mis­sal film­te und in­ter­view­te An­wäl­te und An­ge­hö­ri­ge.

Chi­na ge­hört der Or­ga­ni­sa­ti­on Re­por­ter oh­ne Gren­zen zu­fol­ge zu den Län­dern mit den meis­ten in­haf­tier­ten Jour­na­lis­ten und Blog­gern. In der Rang­lis­te zur glo­ba­len Pres­se­frei­heit liegt das Land auf Platz 176.

Fo­to: pri­vat/D. Mis­sal/dpa

Da­vid Mis­sal: Di­plo­ma­tie war ta­ten­los.

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