Die letz­te Ru­he der „Quatsch-Mu­mie“

Fund in Die­p­holz sorg­te 2013 für Auf­re­gung

Lingener Tagespost - - NORDWEST - dpa

HAM­BURG/DIE­P­HOLZ Im Au­gust 2013 mach­te ein zehn­jäh­ri­ger Jun­ge beim Spie­len auf dem Dach­bo­den des Hau­ses sei­nes Groß­va­ters in Die­p­holz ei­nen selt­sa­men Fund. Da stand ei­ne sar­g­ar­ti­ge Kis­te mit ägyp­ti­schen Zei­chen. Im In­ne­ren des Sar­ko­phags: ei­ne Mu­mie, ge­nau­er: die Die­p­hol­zer Mu­mie. Der Fund sorg­te für ein ge­wal­ti­ges Som­mer­rau­schen im Me­di­en-Blät­ter­wald. Ägyp­to­lo­gen, His­to­ri­ker, Archäo­lo­gen beug­ten sich rät­selnd über den Fund, Ägyp­ten dach­te über ei­ne Rück­ho­lung nach. Bis dann rechts­me­di­zi­ni­sche Un­ter­su­chun­gen dem Spuk ei­ne En­de be­rei­te­ten.

Ei­ne „Quatsch-Mu­mie“, so er­klär­te der Ham­bur­ger Rechts­me­di­zi­ner Klaus Pü­schel jun­gen Zu­hö­rern bei ei­ner Kin­de­r­uni­ver­si­tät das Ar­te­fakt. Das Ske­lett war aus Plas­tik. Die Ban­da­gen wa­ren mit Uhu zu­sam­men­ge­klebt. Un­ter den Kle­be­band­strei­fen ka­men meh­re­re La­gen Plas­tik­beu­tel, mit Blüm­chen­mus­ter be­druck­tes Kü­chen­pa­pier und Pack­pa­pier zum Vor­schein, schrieb Pü­schel da­mals mit acht Fach­kol­le­gen, dem LKA Ham­burg und dem Ost­frie­si­schen Lan­des­mu­se­um Em­den in ei­nem Fach­bei­trag für die Zeit­schrift „Rechts­me­di­zin“.

Aber: Der Kopf war echt – es war ein Men­schen­schä­del. Als Lehr­mit­tel für Stu­den­ten war es lan­ge Zeit durch­aus üb­lich. mensch­li­che Schä­del als Ana­to­mie­schä­del zu kau­fen. „Die meis­ten stamm­ten aus Fer­n­ost“, so Pü­schel, der seit 1991 das In­sti­tut für Rechts­me­di­zin am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Ham­burg-Ep­pen­dorf lei­tet. Heu­te sei­en die­se Lehr­mit­tel-Schä­del aus Plas­tik. 2013 ana­ly­sier­ten die Ex­per­ten den selt­sa­men Fund ge­nau. Als sie nach ei­ner Teil­sek­ti­on und der Mu­mi­en-Ent­hül­lung fest­stell­ten, dass es Plas­tik­tei­le wa­ren, war die Er­hei­te­rung groß.

Der Fund­ort in Die­p­holz ist mitt­ler­wei­le bau­lich ver­än­dert wor­den, und ei­gent­lich ge­be es zu der An­ge­le­gen­heit nichts mehr zu be­rich­ten, sag­te Lutz Wolf­gang Kett­ler, des­sen Sohn die Mu­mie da­mals fand. Die Staats­an­walt­schaft Ver­den stell­te Pü­schel die Mu­mie letzt­lich als Dau­er­leih­ga­be für sei­ne Lehr­mit­tel­samm­lung zur Ver­fü­gung.

Fo­to: dpa/Lutz Wolf­gang Kett­ler

Ein Fa­ke: die 2013 auf ei­nem Dach­bo­den ge­fun­de­ne Mu­mie.

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