Über Agrar-Fi­nanz­hil­fen spe­ku­lie­ren

Lingener Tagespost - - DIALOG -

Zur an­hal­ten­den Dür­re in Deutsch­land und den Fol­gen für die Land­wirt­schaft und die Wäl­der mit dem Be­zug zum Le­ser­brief von Dietrich Ben­ecke „Wel­che Wet­ter­ka­ta­stro­phen müs­sen noch kom­men “(Aus­ga­be vom 4. Au­gust).

„Die­se an­hal­ten­de Hit­ze­pe­ri­ode ist ei­ne Na­tur­ka­ta­stro­phe und für land­wirt­schaft­li­che Be­trie­be ei­ne Ge­fähr­dung der Exi­tenz. Ei­ne staat­li­che Un­ter­stüt­zung ist drin­gend not­wen­dig und hat nichts, aber auch gar nichts mit sons­ti­ger Agrar­för­de­rung zu tun. Es är­gert mich maß­los, wie di­let­tan­tisch über die deut­sche Land­wirt­schaft ge­ur­teilt wird. [...].

Brot­ge­trei­de, Kar­tof­feln, Fleisch und Milch wach­sen eben nicht im Su­per­markt. Un­se­re hoch­wer­ti­gen Nah­rungs­mit­tel wer­den mit viel Fleiß und Sach­ver­stand in der Land­wirt­schaft pro­du­ziert. Das Mehl von 800 g Wei­zen reicht zum Ba­cken von 1 kg Brot. In ei­nem sol­chen Brot ist das Mehl von 16 000 Kör­nern ver­ar­bei­tet wor­den. Zur Ern­te die­ser Kör­nermen­ge hat der Land­wirt im Herbst rund 400 Kör­ner je qm aus­ge­sät. Das Vier­zig­fa­che kann er dann im Som­mer nach ge­nü­gend Re­gen und Son­ne und acker­bau­li­cher Pfle­ge ern­ten. (Qu­el­le: DBV 2017/18). Aber nur dann [...].

Im Üb­ri­gen stellt sich doch die Fra­ge, war­um Agrar­sub­ven­tio­nen ge­zahlt wer­den? Ver­ein­facht aus­ge­drückt: weil zum Bei­spiel Agrar­gü­ter aus Dritt­län­dern im­por­tiert wer­den, im Ge­gen­zug Deutsch­land zum Bei­spiel In­dus­trie­gü­ter ex­por­tiert. Das ist sub­ven­tio­nier­te Ar­beits­platz­si­che­rung, das möch­te je­doch nie­mand hö­ren. Ein­fa­cher ist es, über Agrar-Fi­nanz­hil­fen zu spe­ku­lie­ren.

Ich wür­de mir wün­schen, je­der keh­re zu­erst vor der ei­ge­nen Tür. Dass die land­wirt­schaft­li­chen Er­zeug­nis­se so be­zahlt wür­den, dass die Fa­mi­lie des Land­wirts da­von le­ben kann. Doch dann geht ein Auf­schrei durch die Na­ti­on [...].‘ ‘

Chris­ti­ne Ho­ge

Bad Ro­then­fel­de

„Es ist schlimm ge­nug, dass Land­wirt­schaft in die­sem Jahr die­se Dür­re aus­hal­ten muss. Der Bau­ern­ver­bands­prä­si­dent spricht zu Recht von Exis­tenz­ge­fähr­dun­gen. Es ist na­tür­lich für den Ver­brau­cher ein­fach, jetzt auf die ge­for­der­ten Sub­ven­tio­nen zu schimp­fen. Die­se wä­ren na­tür­lich gar nicht not­wen­dig, wenn die ne­ga­ti­ven Re­kord­ern­ten und Qua­li­tä­ten ei­nen Ein­fluss auf die Ver­brau­cher­prei­se ha­ben wür­den. Denn in ei­ner Markt­wirt­schaft re­gelt der Markt ja den Preis. Das heißt: Knap­pes An­ge­bot führt zu er­höh­ten Prei­sen. Aber dies wür­de dann wie­der zu ei­nem Auf­schrei in der Be­völ­ke­rung füh­ren.

Die Aus­sa­ge, dass die Sub­ven­tio­nen oh­ne wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen aus­ge­zahlt wer­den, ist schlicht falsch. Klar sind die­se an Flä­che ge­kop­pelt, aber ein Groß­teil da­von ist an ver­schie­dens­ten Maß­nah­men ge­kop­pelt. Da­zu ge­hö­ren un­ter an­de­rem der An­bau von min­des­tens drei ver­schie­de­nen Kul­tu­ren, Aus­gleichs­flä­chen für die Um­welt in Form von Zwi­schen­früch­ten, Bra­che oder Be­grü­nung im Win­ter und auch die Be­ar­bei­tung der Kul­tur­flä­chen für die Be­völ­ke­rung und den Tou­ris­mus.

Die Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge von Herrn Ben­ecke, die Sub­ven­tio­nen für Be­wäs­se­run­gen ein­zu­set­zen, ist ein An­satz, aber nicht pra­xis­nah. Der Vor­schlag, ei­nen Teich an­zu­le­gen, zeugt da­von, dass we­nig Hin­ter­grund­wis­sen vor­han­den ist. Wahr­schein­lich wird es zum Ers­ten da­für Ge­neh­mi­gungs­schwie­rig­kei­ten Le­ser­brie­fe schi­cken Sie bit­te ent­we­der per Mail an le­ser­brie­fe@noz.de oder pos­ta­lisch an Neue Os­na­brü­cker Zei­tung, Le­ser­brie­fe, Brei­ter Gang 10–16, 49074 Os­na­brück. ge­ben, und zum Zwei­ten wird es in Grö­ße, La­ge und Was­ser­qua­li­tät nicht um­zu­set­zen sein. Die­se Re­ser­voi­re müss­ten gi­gan­ti­sche Aus­ma­ße an­neh­men und sind kei­nem Men­schen zu ver­mit­teln.

Um ei­nen Hekt­ar mit 25 mm Was­ser/m² zu be­wäs­sern, wä­ren 250 000 Li­ter Was­ser not­wen­dig. Die­ses ist zur­zeit min­des­tens ein­mal in der Wo­che not­wen­dig. Bei 2,5 Mil­lio­nen Hekt­ar land­wirt­schaft­li­cher Nutz­flä­che in Nie­der­sach­sen kann sich je­der vor­stel­len, wie die­se Be­cken aus­se­hen müss­ten. Aber es gibt si­cher­lich Mög­lich­kei­ten, Kul­tu­ren durch ei­ne sol­che Dür­re zu be­kom­men, aber auch die­se wer­den von der Po­li­tik und der Be­völ­ke­rung ab­ge­lehnt.

Durch gen­tech­ni­sche Ve­rän­de­run­gen ist dies auf län­ge­re Zeit mög­lich. Der Ver­gleich mit an­de­ren Völ­kern hinkt ge­wal­tig. Na­tür­lich ka­men/ kom­men die­se Völ­ker auch durch, aber die­se Land­wir­te brau­chen nicht ei­ne Be­völ­ke­rung von sie­ben Mil­li­ar­den Men­schen zu ver­sor­gen, und über die Qua­li­tät und Stan­dards die­ser Le­bens­mit­tel brau­chen wir auch kein Wort zu ver­lie­ren. In un­se­rer Lu­xus­ge­sell­schaft ist dies ab­surd.‘ ‘ Frank Klei­mann Werl­te

Fo­to: dpa/Bernd Wüst­neck

Die Dür­re sorgt nach schlech­ten Ern­te­jah­ren für ein wei­te­res Jahr mit Ein­bu­ßen.

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