Nur Au­gen­wi­sche­rei

Lingener Tagespost - - DIALOG -

Zum Ar­ti­kel „Tier­schutz: Al­le 20 Jah­re Kon­trol­le“und dem Kom­men­tar „Von Ver­trau­en und Über­wa­chung“von Dirk Fis­ser (Aus­ga­be vom 23. Ju­li).

„Herr Fis­ser schreibt in sei­nem Kom­men­tar, der Ver­brau­cher ver­traue auf das Wohl­ver­hal­ten der Fleisch pro­du­zie­ren­den Be­trie­be und ih­re Kon­trol­le durch staat­li­che Be­hör­den.

Die­ser Ein­schät­zung möch­te ich ent­schie­den wi­der­spre­chen, das Ge­gen­teil ist der Fall. Rich­tig wä­re, die Ver­brau­cher ha­ben re­si­gniert. Denn wel­che Wir­kung zei­ti­gen Pro­tes­te und Boy­kot­te ent­spre­chen­der Pro­duk­te?! Agrar­mi­nis­ter stam­men häu­fig aus Fa­mi­li­en oder dem Um­feld von Agrar­in­dus­tri­el­len und sind so­mit die wir­kungs­volls­ten Lob­by­is­ten; ein In­ter­es­sen­kon­flikt, den man in ei­nem ähn­li­chen Fall, zum Bei­spiel bei Ju­ris­ten, vor­aus­set­zen wür­de, gibt es of­fen­sicht­lich nicht.

Vor solch ei­nem Hin­ter­grund ma­chen häu­fi­ge­re Kon­trol­len nur Sinn, wenn Stra­fen bei Nicht­ein­hal­ten der Nor­men ame­ri­ka­ni­sche Aus­ma­ße er­rei­chen und man die Bei­trei­bung ri­go­ros durch­setzt. Au­ßer­dem dürf­ten Sub­ven­tio­nen oder Prä­mi­en nur an Be­trie­be oh­ne Be­an­stan­dun­gen ge­zahlt wer­den, die dar­über hin­aus ei­ne be­stimm­te Grö­ße nicht über­schrei­ten. Auch muss ein Aus­gleich wirt­schaft­li­cher Ver­lus­te, die auf ei­ge­nes Fehl­ver­hal­ten zu­rück­ge­hen, un­ter­blei­ben (sie­he Vo­gel­grip­pe im Clop­pen­bur­ger Raum).

Da un­se­re ge­wähl­ten Volks­ver­tre­ter sich aber eher der ver­mö­gen­den Ober­schicht ver­pflich­tet füh­len als der All­ge­mein­heit, wird bes­ten­falls ein biss­chen Au­gen­wi­sche­rei be­trie­ben, und al­les bleibt so, wie es ist.‘ ‘

Re­gi­na Mi­chels Mel­le

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