Hef­ti­ger Streit um Fi­nanz­re­ser­ven der Kas­sen

Lingener Tagespost - - POLITIK - Von Uwe West­dörp

OS­NA­BRÜCK In der De­bat­te um die mil­li­ar­den­schwe­ren Fi­nanz­pols­ter der ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen ist hef­ti­ger Streit zwi­schen Ar­beit­ge­bern und Ge­werk­schaf­ten ent­brannt. Stef­fen Kam­pe­ter, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de, warf dem DGB im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on ei­nen „Griff in die Mot­ten­kis­te des Klas­sen­kamp­fes“vor.

Kam­pe­ter sag­te: „Die For­de­rung von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn, die Bei­trags­zah­ler – das heißt Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­ge­ber – zu ent­las­ten und die Rück­la­gen der Kas­sen zu ver­rin­gern, ist strin­gent und rich­tig. Dass der DGB da­ge­gen pol­tert, zeigt ei­ne ge­wis­se Wirk­lich­keits­ver­wei­ge­rung.“Kran­ken­kas­sen sei­en kei­ne Spar­kas­sen. Zu­dem trü­gen die Ar­beit­ge­ber über die Lohn­fort­zah­lung und die Bei­trags­leis­tun­gen weit­aus mehr als die Hälf­te der Krank­heits­kos­ten. „Sie von Bei­trags­sen­kun­gen aus­zu­neh­men ist un­sys­te­misch und mu­tet wie ein Griff in die Mot­ten­kis­te des Klas­sen­kamp­fes an“, kri­ti­sier­te Kam­pe­ter.

DGB-Vor­stand An­ne­lie Bun­ten­bach hat­te zu­vor ge­gen­über un­se­rer Re­dak­ti­on ar­gu­men­tiert, bei den Kas­sen­re­ser­ven han­de­le es sich vor al­lem um an­ge­spar­te Bei­trags­gel­der der Ver­si­cher­ten, denn die Ar­beit­ge­ber hät­ten die Bei­trä­ge in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ja nicht pa­ri­tä­tisch mit­fi­nan­ziert. Wenn die Re­ser­ven über ge­min­der­te Bei­trä­ge ab­ge­schmol­zen wür­den, „pro­fi­tie­ren hier in ers­ter Li­nie die Ar­beit­ge­ber, die et­was zu­rück­be­kom­men, was sie nie be­zahlt ha­ben“.

Spahn for­dert, an­ge­sichts der wach­sen­den Re­ser­ven soll­ten die Kran­ken­kas­sen „al­le Spiel­räu­me kon­se­quent nut­zen, um ih­re Zu­satz­bei­trä­ge zu sen­ken“. Bis En­de Sep­tem­ber sind die Rück­la­gen nach An­ga­ben des Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums auf 21 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­stie­gen.

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