Am An­fang war die Fei­ge

Bi­bli­sche Ge­wäch­se für den Gar­ten

Lingener Tagespost - - WOHNWELT - Von Melanie Öhlenbach, dpa/tmn

In der Ad­vents­zeit set­zen sich vie­le stär­ker mit ih­rem Glau­ben aus­ein­an­der. Da­für gibt es ver­schie­de­ne An­sät­ze. Schon mal dar­über nach­ge­dacht, wie vie­le Pflan­zen in den Schrif­ten von Ju­den, Chris­ten und Mus­li­men er­wähnt wer­den? Ei­ni­ge las­sen sich im Gar­ten an­bau­en.

BER­LIN/KAS­SEL „Am An­fang schuf Gott Him­mel und Er­de.“So heißt es in der Ge­ne­sis, dem ers­ten Buch Mo­se. In den dar­auf­fol­gen­den Ta­gen muss er wohl auch den Fei­gen­baum er­schaf­fen ha­ben. Denn die Fei­ge ist das ers­te Ge­wächs, das nach all­ge­mei­nen Be­zeich­nun­gen wie Gras, Kraut und Bäu­men kon­kret in der Schöp­fungs­ge­schich­te be­nannt wird. Mit ih­ren Blät­tern ver­hül­len Adam und Eva ih­re Nackt­heit, nach­dem sie vom Baum der Er­kennt­nis ge­ges­sen hat­ten.

Ge­höl­ze, Kräu­ter, Ge­trei­de und Hül­sen­früch­te: Die Lis­te der Pflan­zen und Ge­wäch­se, die in der Bi­bel ge­nannt wer­den, ist lang. „Min­des­tens 110 he­bräi­sche Wör­ter im Al­ten Tes­ta­ment und rund 50 Wör­ter auf Grie­chisch im Neu­en Tes­ta­ment ver­wei­sen auf Pflan­zen“, sagt Katrin Stück­rath, Pfar­re­rin und Ko­or­di­na­to­rin des Netz­werks Bi­bel­gar­ten.

Wei­te­re 17 Na­men aus dem Koran konn­te ein Team um Pro­fes­sor Wil­helm Barth­lott vom Bon­ner Nees-In­sti­tut für Bi­o­di­ver­si­tät ei­ner be­stimm­ten Gat­tung oder so­gar ei­ner kon­kre­ten Art von Pflan­zen zu­ord­nen. Ins­ge­samt kom­men sie auf 105 Ar­ten. „Die sehr we­ni­gen Koran-Pflan­zen, die nicht in der Bi­bel er­wähnt sind, kom­men von der Ara­bi­schen Halb­in­sel und sind nicht für die Gar­ten­kul­tur bei uns ge­eig­net“, sagt Prof. Barth­lott.

Dass die An­zahl an Ge­wäch­sen grund­sätz­lich schwer zu er­mit­teln ist, hat ei­nen ein­fa­chen Grund. „Die Na­men, die in der Bi­bel ver­wen­det wer­den, sind kei­ne bo­ta­nisch ex­ak­ten Na­men. Es ist viel­mehr so wie mit un­se­rer But­ter­blu­me: Je nach Re­gi­on be­zeich­net sie ver­schie­de­ne Pflan­zen“, er­klärt Stück­rath.

Die Pflan­zen sind in den Schrif­ten mehr als schmü­cken­des Bei­werk. Sie wer­den kon­kret im Zu­sam­men­hang mit Ri­ten, Ge­bo­ten und Vor­schrif­ten ge­nannt, sagt Wolf­gang Ka­wol­lek. Er ist Buch­au­tor und ehe­ma­li­ger Lei­ter des Bo­ta­ni­schen Gar­tens der Uni­ver­si­tät Kas­sel. „Zahl­lo­se An­spie­lun­gen, Gleich­nis­und Bild­wor­te in der Bi­bel zeu­gen da­von, wel­chen Rang die Pflan­zen im All­tag des Vol­kes Is­ra­el ein­nah­men und wie eng die bi­bli­schen Völ­ker mit der Na­tur ver­bun­den wa­ren.“

Ei­nes der rät­sel­haf­tes­ten Pflan­zen­sym­bo­le bleibt wohl je­ner Baum der Er­kennt­nis aus der Schöp­fungs­ge­schich­te. Häu­fig wird er als Ap­fel dar­ge­stellt. „Es gibt zwar den Spruch „Om­ne malum ex ma­lo“, al­les Bö­se kommt vom Ap­fel“, sagt Lü­der Nobb­mann, Pflan­zen­ex­per­te und ehe­ma­li­ger Vor­sit­zen­der des Bunds deut­scher Fried­hofs­gärt­ner. „Aber ei­nen Ap­fel, wie wir ihn ken­nen, hat es im da­ma­li­gen Kul­tur­raum nicht ge­ge­ben.“

Ei­ni­ge Fach­leu­te ge­hen da­von aus, dass die Fei­ge oder der Gra­nat­ap­fel ge­meint sein könn­ten, da die­se da­mals zu den gän­gi­gen Früch­ten in den Gär­ten ge­hör­ten. An­de­re ver­mu­ten auch, dass es sich um ei­ne Oran­ge oder ei­ne an­de­re Zi­trus­frucht han­delt. Die­se stam­men je­doch aus Süd­ost­asi­en und sei­en erst spä­ter ein­ge­führt wor­den, sagt Prof. Barth­lott.

„Ich den­ke, es ist der Reb­stock ge­meint, der in der An­ti­ke als Baum klas­si­fi­ziert wur­de. Da­für spricht auch sei­ne Am­bi­va­lenz: Auch im Al­ten Tes­ta­ment wird vor dem Wein ge­warnt, und im Is­lam ist Al­ko­hol so­gar ver­bo­ten - gleich­zei­tig flie­ßen Flüs­se aus Wein im Pa­ra­dies der Bi­bel und des Koran“, so der Fach­mann wei­ter.

Ge­mes­sen an den Er­wäh­nun­gen nimmt Wein ei­nen wich­ti­gen Stel­len­wert in der Bi­bel ein. „An über 300 Stel­len im Al­ten wie im Neu­en Tes­ta­ment wird Be­zug auf den Wein­stock ge­nom­men“, sagt Ka­wol­lek. „Von den ers­ten An­fän­gen der Mensch­heit an wur­den Re­ben an­ge­baut und ih­re Früch­te ver­wer­tet.“

Wein­re­ben wer­den in­zwi­schen hier­zu­lan­de an­ge­baut ge­nau­so wie vie­le an­de­re Pflan­zen aus den hei­li­gen Schrif­ten. Sie las­sen sich nicht nur in vie­len Bi­bel­gär­ten be­wun­dern, die die bi­bli­schen Ge­schich­ten und die Le­bens­welt der Men­schen von da­mals ver­an­schau­li­chen. „Vie­le me­di­ter­ra­ne Pflan­zen wur­den schon vie­le Jahr­hun­der­te lang in Klos­ter­gär­ten an­ge­baut und ha­ben so nach und nach ih­ren Weg in den hei­mi­schen Kü­chen­gar­ten ge­fun­den“, sagt Stück­rath.

Kräu­ter wie Min­ze, Dill und Küm­mel aus dem Mat­thä­us-Evan­ge­li­um ge­hö­ren eben­so da­zu wie Kür­bis­se, Me­lo­nen, Lauch, Zwie­beln und Knob­lauch, die im vier­ten Buch Mo­se ge­nannt wer­den. Im fünf­ten Buch Mo­se wer­den dem Volk Is­ra­el die sie­ben Ar­ten im Ge­lob­ten Land an­ge­prie­sen: Wei­zen, Gers­te, Wein, Fei­gen, Gra­nat­ap­fel, Oli­ven und Dat­teln. Auch sie wach­sen hier­zu­lan­de - wenn auch teil­wei­se nur in frost­ge­schütz­ter Um­ge­bung.

„Ge­trei­de und Hül­sen­früch­te wie Boh­nen und Lin­sen spie­len auch in den Ge­schich­ten von Esau, Ja­kob und Da­vid ei­ne Rol­le“, er­gänzt Nobb­mann. „Fast al­le un­se­re Ge­trei­de­ar­ten stam­men ur­sprüng­lich aus dem Zwei-Strom-Land und sind über den Mit­tel­meer­raum zu uns ge­langt.“

Zu den sym­bol­träch­tigs­ten Pflan­zen der Schrif­ten ge­hört der Öl­baum oder die Oli­ve. „Seit Be­ginn der Mensch­heits­ge­schich­te sym­bo­li­siert der Öl­baum­zweig Frie­den und be­deu­tet neu­es Le­ben und Hoff­nung, wie es in der Ge­schich­te der Sint­flut tref­fend zum Aus­druck kommt“, er­klärt Ka­wol­lek.

Auch in der mus­li­mi­schen Kul­tur nimmt der Öl­baum ei­ne be­son­de­re Stel­lung ein, er­gänzt Pro­fes­sor Barth­lott. „Der Öl­baum gilt als ge­seg­net, da er vie­ler­lei Nut­zen in sich birgt. Die Vor­stel­lung vom Oli­ven­baum, der Licht für die Die­ner Got­tes be­reit­stellt, kommt in bei­den hei­li­gen Bü­chern zum Tra­gen.“

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Beim Baum der Er­kennt­nis in der Bi­bel könn­te es sich um den Gra­nat­ap­fel han­deln. Ex­per­ten sind sich aber un­si­cher.

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das nach Pflan­zen wie Zu den sym­bol­träch­tigs­ten Pflan­zen der Schrif­ten ge­hört Gras, Kraut und Bäu­men kon­kret in der Schöp­fungs­ge­schich- der Öl­baum. Die Zwei­ge sym­bo­li­sie­ren Frie­den und be­deu­ten te ge­nannt wird. neu­es Le­ben und Hoff­nung.

Fo­to: Patrick Pleul/dpa-Zen­tral­bild/dpa-tmn

Wein wird häu­fig er­wähnt in der Hei­li­gen Schrift – er ist ei­nes der ty­pi­schen Bi­bel­ge­wäch­se, die sich auch in Deutsch­land an­bau­en las­sen.

Die Fei­ge ist das ers­te Ge­wächs,

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