Deut­sche Au­to­bau­er schwän­zen De­troit

De­troit Mo­tor Show star­tet oh­ne deut­sche Markt­füh­rer / Elek­tro­nik im Mit­tel­punkt

Lingener Tagespost - - VORDERSEITE - Von Bri­git­te Schol­tes Ge­hört der E-Mo­bi­li­tät die Zu­kunft? Mehr Be­rich­te auf noz.de

DE­TROIT Wenn heu­te in der US-Au­to­metro­po­le De­troit die tra­di­tio­nel­le Mo­tor Show be­ginnt, sind von den deut­schen Welt­mar­ken nur we­ni­ge da­bei. Au­di, Mer­ce­des oder BMW set­zen lie­ber auf Elek­tro­nik­mes­sen – ein Zei­chen für den Um­bruch in der Bran­che.

Ab­gas­de­bat­te, Kon­junk­tur­sor­gen, Zoll­streit: Die Au­to­bran­che sieht sich vor gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen. Das schlägt sich auch auf die einst wich­tigs­te US-Mes­se nie­der, die mit ei­nem Aus­stel­ler­schwund zu kämp­fen hat. FRANK­FURT Die De­troi­ter Au­to­show war vor we­ni­gen Jah­ren noch ein Groß­er­eig­nis für die Bran­che, auf der al­le nam­haf­ten Her­stel­ler ver­tre­ten wa­ren. Heu­te aber wer­den von den gro­ßen deut­schen Her­stel­lern vie­le – et­wa Au­di, BMW und Mer­ce­des und Por­sche – nicht ver­tre­ten sein. VW je­doch ist vor Ort, al­lein schon des­halb, weil für die­sen Di­ens­tag ei­ne Al­li­anz mit Ford er­war­tet wird. Die an­de­ren aber ha­ben sich lie­ber auf der Elek­tro­nik­mes­se CES in Las Ve­gas ge­zeigt – ein Zei­chen da­für, dass die Elek­tro­nik im Au­to im­mer grö­ße­re Be­deu­tung er­langt.

Die mög­li­che Al­li­anz von VW und Ford könn­te Vor­bo­te ei­ner Wel­le von Zu­sam­men­schlüs­sen sein: „Vor al­lem für die Mas­sen­her­stel­ler führt kein Weg an Fu­sio­nen vor­bei, wenn sie den Kampf ums Über­le­ben ge­gen die Tech­no­lo­gie­gi­gan­ten nicht ver­lie­ren wol­len“, glaubt Die­ter Be­cker, Au­to­ex­per­te der Un­ter­neh­mens­be­ra­tung KPMG. Das zei­ge ei­ne Stu­die, für die un­ter an­de­rem 900 Ma­na­ger aus Au­to- und Tech-Un­ter­neh­men be­fragt wur­den.

Das gilt vor al­lem des­halb, weil die gro­ßen Tech­no­lo­gie­kon­zer­ne wie Goog­le oder App­le den Trend zu selbst­fah­ren­den Au­tos vor­an­trei­ben. Die Au­to­in­dus­trie sei lan­ge ei­ne rei­ne Hard­ware­in­dus­trie ge­we­sen, weiß auch Elmar De­gen­hart, Chef des Au­to­zu­lie­fe­rers Con­ti. Seit 2010 ge­he der Hard­ware-An­teil je­doch deut­lich zu­rück, von den et­wa 45000 In­ge­nieu­ren in der deut­schen Au­to­in­dus­trie ha­be in­zwi­schen ein Drit­tel ei­nen Soft­ware-Hin­ter­grund. Ei­ne wei­te­re Ve­rän­de­rung, auf die die Au­to­her­stel­ler sich ein­stel­len müs­sen: Die Au­tos funk­tio­nier­ten nicht mehr aut­ark, sag­te De­gen­hart kürz­li­ch­auf­ei­nerVer­an­stal­tun­gin Frank­furt, jetzt sei­en sie im­mer stär­ker ver­netzt: „Es kommt der Punkt, wo be­stimm­te Funk­tio­nen nur

noch mög­lich sind mit In­for­ma­tio­nen von au­ßen.“

Nicht nur die­ser Wan­del stellt die deut­schen Au­to­her­stel­ler vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen. Die sieht auch Fer­di­nand Du­den­höf­fer, Au­to­ex­per­te der Uni­ver­si­tät Es­senDuis­burg: „Ge­rin­ge­res Wirt­schafts­wachs­tum, ho­he Kun­den­ver­un­si­che­rung durch Die­sel­fahr­ver­bo­te, über­schau­ba­re In­no­va­tio­nen bei

Pro­duk­ten und Neue­run­gen las­sen den Au­to­markt in Deutsch­land in den nächs­ten Jah­ren leicht zu­rück­ge­hen“, glaubt er. Und nicht zu­letzt müs­sen die Au­to­her­stel­ler den Sys­tem­wan­del in der An­triebs­tech­nik schaf­fen – weg von Ben­zin- und Die­sel­tech­no­lo­gie hin zur Elek­tro­mo­bi­li­tät.

Da könn­te das Mo­del 3 von Tes­la ei­ne gro­ße Kon­kur­renz dar­stel­len: Bei Elek­tro­au­tos wer­de es in Deutsch­land Markt­füh­rer, glaubt Du­den­höf­fer: „Für das Ge­samt­mark­t­er­geb­nis ist das nicht der ent­schei­den­de Punkt, aber für die Re­pu­ta­ti­on von Tes­la als wich­ti­ger Pre­mi­um­her­stel­ler ein gro­ßer Schritt.“Denn die deut­schen Au­to­her­stel­ler dürf­ten dar­un­ter lei- den, dass sie bis­her ein ent­spre­chend at­trak­ti­ves Elek­tro­au­to noch nicht an­bie­ten kön­nen.

Auf den in­ter­na­tio­na­len Märk­ten sieht es für die Au­to­bran­che auch nicht ro­sig aus: Der größ­te Au­to­markt der Welt in Chi­na kühlt ab, denn das Land lei­det un­ter dem Han­dels­kon­flikt mit den USA: Ana­lys­ten fürch­ten ein Mi­nus zwi­schen vier und sie­ben Pro­zent dort. Chi­na ist für die deut­schen Au­to­her­stel­ler je­doch ein wich­ti­ger Wachs­tums­markt. Im­mer­hin: Erst vor we­ni­gen Ta­gen hat­te et­wa Daim­ler dort ein Wachs­tum von elf Pro­zent ge­mel­det, ob­wohl der Markt in Chi­na 2018 um sechs Pro­zent ge­schrumpft ist. Nicht gera­de po­si­tiv sind auch die Aus­sich­ten für den zweit­größ­ten Au­to­markt welt­weit, die USA. Denn die Zoll­dro­hun­gen des US-Prä­si­den­ten Do­nald Trump sind nicht vom Tisch. Und schließ­lich dürf­ten die deut­schen Au­to­her­stel­ler sich auch in der EU zu­neh­mend schwe­rer tun. Denn dort gel­ten von 2021 an neue CO2-Vor­ga­ben. Es dürf­te al­so ein schwieriges Jahr 2019 wer­den für die so lan­ge ver­wöhn­te deut­sche Au­to­bran­che.

Fo­to: AFP/Bill Puglia­no

Zu­kunfts­träch­tig? Ford-Chef Jim Ha­ckett (rechts) stellt den neu­en Ex­plo­rer vor. Der US-Kon­zern will ei­ne Al­li­anz mit Volks­wa­gen ein­ge­hen – das könn­te ei­ne Blau­pau­se für wei­te­re Ko­ope­ra­tio­nen sein.

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