„Zu we­nig po­li­ti­sche Un­ter­stüt­zung“

Streit um Imam-Aus­bil­dung: Kei­ne Per­spek­ti­ve für is­la­mi­sche Theo­lo­gen?

Lingener Tagespost - - NORDWEST - Von Ste­fa­nie Wit­te

Der Streit um die ImamAus­bil­dung geht in die nächs­te Run­de: Die nie­der­säch­si­schen Grü­nen kri­ti­sie­ren, dass die Be­rufs­aus­sich­ten für is­la­mi­sche Theo­lo­gen in Nie­der­sach­sen nach wie vor be­grenzt sind. Ei­ne Lö­sung des Pro­blems wird wei­ter ver­tagt.

OS­NA­BRÜCK Je stär­ker der tür­ki­sche Is­lam­ver­band Di­tib in der Kri­tik steht, des­to we­ni­ger sind von der Tür­kei ent­sand­te Ima­me in Deutsch­land will­kom­men. Haupt­kri­tik­punk­te: Die Pre­di­ger sind vom tür­ki­schen Staat ab­hän­gig und spre­chen häu­fig kein Deutsch. Al­ter­na­tiv wün­schen sich vie­le Po­li­ti­ker Ima­me, die in Deutsch­land aus­ge­bil­det wur­den. Der nie­der­säch­si­sche Wis­sen­schafts­mi­nis­ter Björn Thüm­ler (CDU) hat­te et­wa im Sep­tem­ber vor­ge­schla­gen, dass Ab­sol­ven­ten des Mas­ter­stu­di­en­gangs Is­la­mi­sche Theo­lo­gie künf­tig je zur Hälf­te in Mo­schee­ge­mein­den und an nie­der­säch­si­schen Schu­len ar­bei­ten könn­ten, um zu­min­dest ei­nen Teil der Fi­nan­zie­rung der Geist­li­chen si­cher­zu­stel­len. „Nach den voll­mun­di­gen An­kün­di­gun­gen von Mi­nis­ter Thüm­ler im letz­ten Jahr ist bis heu­te nichts pas­siert“, kri­ti­sier­te die wis­sen­schafts­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Grü­nen im Nie­der­säch­si­schen Land­tag, Eva Vie­hoff. „We­der die Groko noch die Lan­des­re­gie­rung hat bis heu­te ei­nen Vor­schlag er­ar­bei­tet, der im Par­la­ment be­ra­ten wer­den könn­te.“

Ein An­trag der Grü­nen, in dem die Par­tei for­dert, die Imam-Wei­ter­bil­dung auf­recht­zu­er­hal­ten und mit den Ver­bän­den über die Imamaus­bil­dung zu spre­chen, hän­ge im Wis­sen­schafts­aus­schuss fest. Vie­hoff be­män­gel­te: „SPD und CDU spre­chen zwar im­mer viel von der Wich­tig­keit von In­te­gra­ti­on von Mus­li­men in Deutsch­land, un­ter­stüt­zen aber die ge­eig­ne­ten Mit­tel da­für wie die Imam-Aus­bil­dung in Os­na­brück nicht aus­rei­chend.“

Stu­den­ten­zahl hal­biert

Das wirkt sich of­fen­bar auch auf die Be­liebt­heit des Osnabrücker Stu­di­en­gangs aus: Die Zahl der Stu­di­en­an­fän­ger ist mit nur 51 Stu­den­ten in die­sem Win­ter­se­mes­ter auf dem nied­rigs­ten Stand seit Grün­dung des In­sti­tuts. Im ver­gan­ge­nen Jahr wa­ren es noch 75 Stu­den­ten, im Jahr da­vor so­gar 102.

Die Grü­nen fürch­ten nun um den Stand­ort: Die rück­läu­fi­gen Zah­len zeig­ten, „dass es mit ei­nem gu­ten Aus­bil­dungs­ort nicht ge­tan ist“, er­klär­te Vie­hoff. „Die Lan­des­re­gie­rung muss nun schnells­tens ge­mein­sam mit den is­la­mi­schen Ver­bän­den im Land dar­an ar­bei­ten, den Ab­sol­ven­ten aus Os­na­brück auch ei­ne be­ruf­li­che Per­spek­ti­ve zu bie­ten.“

Als Wis­sen­schaft­ler kön­nen die Stu­den­ten bis­lang in ers­ter Li­nie als Re­li­gi­ons­leh­rer ar­bei­ten. Oh­ne wei­te­re Aus­bil­dung und Ak­zep­tanz durch die is­la­mi­schen Ver­bän­de kön­nen sie aber nicht re­gu­lär als Ima­me tä­tig sein.

Auch an der Uni Os­na­brück fürch­tet man um die At­trak­ti­vi­tät des Stu­di­en­gangs: Der Di­rek­tor des In­sti­tuts für Is­la­mi­sche Theo­lo­gie, Pro­fes­sor Bü­lent Ucar, teil­te auf An­fra­ge mit: „Die feh­len­den Be­rufs­per­spek­ti­ven und die un­voll­stän­di­ge Be­set­zung der vom Land zu­ge­wie­se­nen Pro­fes­su­ren ver­schlech­tern un­se­re wis­sen­schaft­li­che Wett­be­werbs­fä­hig­keit, was zu Ab­wan­de­rung und Rück­gang der Stu­die­ren­den­zah­len führt.“Von acht Pro­fes­su­ren am In­sti­tut sei­en nur vier re­gu­lär be­setzt, zwei wei­te­re wür­den ver­tre­ten, und zwei sei­en der­zeit va­kant. Ucar for­dert nun von Land und Uni­ver­si­täts­lei­tung, die Stel­len frei­zu­ge­ben.

Mit acht Pro­fes­su­ren wä­re die Uni­ver­si­tät Os­na­brück ei­gent­lich der größ­te Stand­ort für is­la­mi­sche Theo­lo­gie bun­des­weit. Mitt­ler­wei­le wer­den aber auch an an­de­ren Stand­or­ten wei­te­re In­sti­tu­te ge­grün­det. In Ber­lin soll der ers­te Is­lam-Stu­di­en­gang im kom­men­den Win­ter­se­mes­ter star­ten. Zum Start sol­len vier Pro­fes­so­ren ein­ge­stellt wer­den, wei­te­re Pro­fes­su­ren wer­den be­an­tragt. Heu­te tagt der Wis­sen­schafts­aus­schuss des Nie­der­säch­si­schen Land­ta­ges. Die Imam-Aus­bil­dung steht nicht auf der Ta­ges­ord­nung.

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