CDU auf Kurs­su­che in Asyl­po­li­tik

Werk­statt­ge­spräch soll ein­heit­li­che Li­nie schaf­fen / Par­tei setzt auf schär­fe­re Ge­set­ze

Lingener Tagespost - - VORDERSEITE -

Die Flücht­lings­po­li­tik von Kanz­le­rin Mer­kel ist für die Uni­on ein we­nig, was Hartz IV für die SPD ist: ein Trau­ma. Das will die CDU jetzt be­wäl­ti­gen.

BERLIN Die CDU will das Asyl­sys­tem nach den Er­fah­run­gen der ver­gan­ge­nen Jah­re kri­sen­fest ma­chen – und den ei­ge­nen Streit über die Flücht­lings­po­li­tik hin­ter sich las­sen. Da­zu hat die Par­tei ges­tern Abend ein zwei­tä­gi­ges „Werk­statt­ge­spräch“mit Ex­per­ten und Fach­po­li­ti­kern zu den The­men Mi­gra­ti­on, Si­cher­heit und In­te­gra­ti­on be­gon­nen. Vor der Ta­gung for­der­ten meh­re­re Uni­ons­po­li­ti­ker schär­fe­re In­stru­men­te zur Durch­set­zung von Ab­schie­bun­gen ab­ge­lehn­ter oder straf­fäl­li­ger Asyl­be­wer­ber.

Es wer­de welt­po­li­tisch im­mer wie­der zu Si­tua­tio­nen wie vor drei­ein­halb Jah­ren kom­men, sag­te der CDU-In­nen­ex­per­te Ar­min Schus­ter der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. „Dar­auf soll­ten wir uns mit den jet­zi­gen Er­fah­run­gen neu vor­be­rei­ten.“Die Vor­schlä­ge rei­chen von der Zen­tra­li­sie­rung der Ab­schie­bun­gen bis hin zur Ab­wei­sung sol­cher Mi­gran­ten an den Gren­zen, die be­reits in an­de­ren

EU-Län­dern Asyl be­an­tragt ha­ben.

„Oh­ne Wenn und Aber gilt es, die po­li­ti­schen, ju­ris­ti­schen und exe­ku­ti­ven Wei­chen­stel­lun­gen dar­auf ab­zu­klop­fen, was wir künf­tig bes­ser ma­chen kön­nen“, er­klär­te Schus­ter. Vie­le CDU-Mit­glie­der wünsch­ten sich Kurs­be­stim­mung und Klar­heit.

Die neue Vor­sit­zen­de An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er hat­te

die Ver­an­stal­tung vor ih­rer Wahl An­fang De­zem­ber an­ge­kün­digt. Sie will ver­hin­dern, dass der Streit über den Mi­gra­ti­ons­kurs ih­rer Vor­gän­ge­rin An­ge­la Mer­kel für die Uni­on zu ei­nem ähn­lich be­las­ten­den Trau­ma wird wie die Hart­zIV-Re­for­men für die SPD.

Mer­kel selbst wur­de nicht ein­ge­la­den – da­mit dürf­te Kramp-Kar­ren­bau­er ver­hin­dern wol­len, dass sich an der auch in der Uni­on po­la­ri­sie­ren­den Kanz­le­rin er­neut Emo­tio­nen ent­zün­den. Heu­te sol­len die Teil­neh­mer Emp­feh­lun­gen zur Asyl- und Mi­gra­ti­ons­po­li­tik vor­le­gen. Der ehe­ma­li­ge CDU-In­nen­ex­per­te Wolf­gang Bos­bach ver­lang­te „glas­kla­re, un­miss­ver­ständ­li­che“Ant­wor­ten – et­wa auf die Fra­ge, ob Asyl­su­chen­de wei­ter oh­ne Pass und Per­so­nal­do­ku­men­te ein­rei­sen dür­fen. Der ba­den-würt­tem­ber­gi­sche In­nen­mi­nis­ter Strobl ver­lang­te bes­se­re In­stru­men­te für die Voll­zugs­be­hör­den bei Ab­schie­bun­gen. Er schlug vor, Aus­län­der schon dann in Haft zu neh­men, „wenn sie voll­zieh­bar aus­rei­se­pflich­tig sind, die Aus­rei­se­frist ver­stri­chen ist und fest­steht, dass die Ab­schie­bung durch­ge­führt wer­den kann“. Zu­dem müss­ten die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Aus­wei­sung ge­senkt wer­den, so Strobl. Not­wen­dig sei auch ei­ne bes­se­re Kon­trol­le der deut­schen Staats­gren­ze.

Auch der Bun­des­tags­in­nen­po­li­ti­ker Ma­ri­an Wendt (CDU) for­der­te, Asyl­be­wer­ber mit ei­nem lau­fen­den An­trag in an­de­ren EU-Län­dern an den Gren­zen ab­zu­wei­sen. „Bis das Du­blin-Sys­tem re­pa­riert ist und die Dop­pel­asyl­be­wer­ber end­lich mehr­heit­lich in die für sie zu­stän­di­gen Staa­ten zu­rück­ge­bracht wer­den kön­nen, müs­sen wir selbst han­deln“, er­klär­te er in der „Welt am Sonn­tag“. Ex-In­nen­mi­nis­ter Thomas de Mai­ziè­re plä­dier­te in der „Bild am Sonn­tag“für die Ein­rich­tung ei­ner zen­tra­len Ein­wan­de­rungs­be­hör­de. Laut In­nen­po­li­ti­ker Schus­ter sind die Ent­schei­dun­gen zur Asyl­po­li­tik 2015 in der Uni­on sehr um­strit­ten ge­we­sen.

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