Hat Mos­kau noch mehr neue Waf­fen?

Um­strit­te­ne Marsch­flug­kör­per an vier Stand­or­ten / Alt­mai­er: Nach­rüs­tung ist Op­ti­on

Lingener Tagespost - - POLITIK -

9M729 war der St­ein des An­sto­ßes: Im Streit um das rus­si­sche Waf­fen­sys­tem stie­gen Wa­shing­ton und Mos­kau aus dem INFA­brüs­tungs­ver­trag aus. Nun soll Russ­land mehr die­ser Marsch­flug­kör­per ha­ben als bis­her be­kannt.

FRANK­FURT Russ­land hat sei­ne um­strit­te­nen Marsch­flug­kör­per vom Typ 9M729 an mehr Stand­or­ten auf­ge­stellt als bis­her be­kannt. Das be­rich­te­te die „Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Sonn­tags­zei­tung“(FAS) un­ter Be­ru­fung auf ei­nen rang­ho­hen west­li­chen Ge­heim­dienst­be­am­ten. Ne­ben ei­nem Aus­bil­dungs­ba­tail­lon auf dem süd­rus­si­schen Test­ge­län­de Ka­pus­tin Jar und ei­nem Ba­tail­lon in Ka­myschlow öst­lich von Je­ka­te­r­in­burg gibt es dem­nach noch zwei wei­te­re Sta­tio­nie­rungs­or­te: Mos­dok in Nord­os­se­ti­en so­wie Schu­ja in der Nä­he von Mos­kau.

Über den Stand­ort in Schu­ja hat­ten die USA ih­re Na­to-Part­ner dem Be­richt zu­fol­ge erst­mals in der zwei­ten Hälf­te des ver­gan­ge­nen Jah­res in­for­miert. Je­des der vier Ba­tail­lo­ne ver­fügt laut „FAS“über vier Start­fahr­zeu­ge auf Rä­dern, die je­weils vier Ra­ke­ten mit sich füh­ren. Folg­lich be­sit­ze Russ­land min­des­tens 64 der um­strit­te­nen neu­en Marsch­flug­kör­per, die so­wohl mit ei­nem kon­ven­tio­nel­len als auch mit ei­nem ato­ma­ren Spreng­kopf be­stückt wer­den kön­nen.

Russ­land und die USA wa­ren in der ver­gan­ge­nen Wo­che aus dem 1987 ge­schlos­se­nen INF-Abrüs­tungs­ver­trag aus­ge­stie­gen. Das Ab­kom­men ver­bie­tet land­ge­stütz­te Ra­ke­ten und Marsch­flug­kör­per mit ei­ner Reich­wei­te zwi­schen 500 und 5500 Ki­lo­me­tern, die Atom­spreng­köp­fe tra­gen kön­nen. Die USA und die Na­to wer­fen Russ­land vor, mit sei­nem neu­en Marsch­flug­kör­per 9M729 ge­gen das Ab­kom­men zu ver­sto­ßen. Mos­kau be­strei­tet dies.

Wie die „FAS“be­rich­te­te, be­trägt die Reich­wei­te des rus­si­schen Flug­kör­pers mit Atom­spreng­kopf 2350 Ki­lo­me­ter, mit ei­nem kon­ven­tio­nel­len 500 Ki­lo­gramm schwe­ren Spreng­kopf sind es dem­nach 2000 Ki­lo­me­ter. Nach An­ga­ben Mos­kaus hat der Marsch­flug­kör­per da­ge­gen nur ei­ne Reich­wei­te von 480 Ki­lo­me­tern.

Bei der der­zei­ti­gen Auf­stel­lung lie­gen dem Be­richt zu­fol­ge Ost-, Nord- und Mit­tel­eu­ro­pa ein­schließ­lich Deutsch­lands in Reich­wei­te des Sys­tems. Im Kri­sen­fall kön­ne es je­doch rasch nach Wes­ten ver­legt wer­den und dann das ge­sam­te Eu­ro­pa mit Aus­nah­me Por­tu­gals be­dro­hen.

Der­weil will sich Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Peter Alt­mai­er (CDU) in der De­bat­te um die Kün­di­gung des INF-Ver­tra­ges al­le Op­tio­nen of­fen­hal­ten – auch ei­ne Nach­rüs­tung. Der „Welt am Sonn­tag“sag­te er: „Ich set­ze dar­auf, dass sich Ame­ri­ka­ner und Rus­sen am En­de ei­ni­gen wer­den. Ich fin­de es aber falsch, dass ei­ni­ge den Ge­dan­ken der Nach­rüs­tung von vorn­her­ein aus­schlie­ßen.“Nur wenn Eu­ro­pa und die USA grund­sätz­lich ih­re Ent­schlos­sen­heit und Hand­lungs­fä­hig­keit de­mons­trier­ten, wer­de Mos­kau be­reit sein, auf die west­li­chen An­lie­gen Rück­sicht zu neh­men, sag­te Alt­mai­er.

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