Hof­fen auf die Elb­ver­tie­fung

Nach 16 Jah­ren Pla­nung sol­len die Bag­ger­ar­bei­ten in der Fahr­rin­ne 2019 be­gin­nen

Lingener Tagespost - - NORDWEST -

Man­che der be­tei­lig­ten Pla­ner, Be­am­ten und Po­li­ti­ker ha­ben fast ihr hal­bes Be­rufs­le­ben mit der Elb­ver­tie­fung zu­ge­bracht. Nun be­gin­nen die Ar­bei­ten. Die Ham­bur­ger Ha­fen­wirt­schaft setzt gro­ße Hoff­nun­gen in das Pro­jekt.

HAM­BURG 16 Jah­re nach den ers­ten Plä­nen be­gin­nen in die­ser Wo­che die Ar­bei­ten für ei­ne brei­te­re und tie­fe­re Fahr­rin­ne der El­be. In der Elb­mün­dung wer­den Flä­chen un­ter Was­ser vor­be­rei­tet, so­ge­nann­te Strom­bau­wer­ke, die spä­ter das Bag­ger­gut aus der El­be auf­neh­men sol­len. Die ei­gent­li­chen Bag­ger­ar­bei­ten in der Fahr­rin­ne be­gin­nen im 2. Quar­tal. Da­mit soll die nau­ti­sche Er­reich­bar­keit des Ham­bur­ger Ha­fens ver­bes­sert wer­den.

Groß­con­tai­ner­schif­fe kön­nen mit ei­nem zu­sätz­li­chen Me­ter Tief­gang die El­be be­fah­ren und da­mit ih­re Ka­pa­zi­tät um rund 1300 Stan­dard­con­tai­ner (TEU) er­hö­hen. Al­lein da­durch er­gibt sich für den Ham­bur­ger Ha­fen ein zu­sätz­li­ches Um­schlag­po­ten­zi­al von rund drei Mil­lio­nen TEU jähr­lich.

Im Som­mer folgt dann ei­ne sie­ben Ki­lo­me­ter lan­ge Be­geg­nungs­box kurz vor der Ein­fahrt in den Ham­bur­ger Ha­fen. Durch die­se Maß­nah­me kön­nen auf der El­be vier Con­tai­ner­schif­fe pro Ti­de ein­an­der pas­sie­ren, das sind 2800 Schif­fe pro Jahr – dop­pelt so viel wie heu­te. Im Ver­kehr mit Fer­n­ost sind Schif­fe mit ei­nem Fas­sungs­ver­mö­gen von mehr als 15 000 TEU heu­te Stan­dard; oft sind es 18 000 oder noch mehr TEU. Schif­fe die­ser Grö­ße wa­ren noch gar nicht vor­stell­bar, als Ham­burg 2002 den ers­ten An­trag auf ei­ne wei­te­re Elb­ver­tie­fung stell­te.

Das Ver­fah­ren dau­er­te so lan­ge, weil auf­grund von Kla­gen und neu­en Vor­schrif­ten die Plä­ne im­mer wie­der nach­ge­bes­sert wer­den muss­ten und am En­de ein lang­wie­ri­ges Ver­fah­ren vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zu be­ste­hen war. Vor al­lem die Aus­le­gung der Eu­ro­päi­schen Was­ser­rah­men­richt­li­nie kos­te­te auf­grund un­kla­rer Rechts­be­grif­fe Jah­re. „16 Jah­re sind zu lang und ge­fähr­den da­mit den ge­sam­ten Stand­ort“, sagt Jo­hann Kil­lin­ger von der Han­dels­kam­mer Ham­burg.

Die Um­welt­ver­bän­de nutz­ten die ih­nen zu­ste­hen­den Rech­te und er­reich­ten um­fang­rei­che Aus­gleichs­maß­nah­men für die Na­tur. Die Ver­bän­de hal­ten die Maß­nah­me nach wie vor nicht für recht­mä­ßig, ha­ben aber kei­nen er­neu­ten Baustopp be­an­tragt. Bis al­le Bau­maß­nah­men der 700 bis 800 Mil­lio­nen Eu­ro teu­ren Elb­ver­tie­fung ab­ge­schlos­sen sind, wer­den noch mehr als zwei Jah­re ver­ge­hen; vor­ge­se­hen ist Herbst 2021. Die Ham­bur­ger Ha­fen­wirt­schaft ist ei­ner­seits frus­triert über die end­lo­sen Ver­zö­ge­run­gen, an­de­rer­seits aber auch zu­ver­sicht­lich für die Zu­kunft.

Mehr zum Streit um die Elb­ver­tie­fung le­sen Sie auf noz.de/nie­der­sach­sen

Foto: dpa/Da­ni­el Bock­woldt

Mehr Ka­pa­zi­tät: Con­tai­ner­schif­fe wie die An­toi­ne de Saint Exu­pé­ry sol­len den Ham­bur­ger Ha­fen durch die Ver­tie­fung der El­be mit mehr La­dung an­fah­ren kön­nen.

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