Re­li­gi­ons­un­ter­richt mit Wer­ten des Lan­des

Lingener Tagespost - - DIALOG -

Zum Ar­ti­kel „Is­lam­un­ter­richt: Se­xua­li­tät ein Ta­bu­the­ma?“(Aus­ga­be vom 1. Fe­bru­ar).

„[…] Wen wun­dert’s, dass die gro­ßen Is­lam­ver­bän­de ge­gen Lehr­plä­ne nach deut­schem Recht, fu­ßend auf jahr­zehn­te­lan­gen Kämp­fen für ei­ne neue, to­le­ran­te De­mo­kra­tie, wet­tern.

Is­lam­un­ter­richt nach ih­ren Vor­stel­lun­gen sieht vor, dass jun­ge Mus­li­me streng am Text den Koran re­zi­tie­ren. Je­de his­to­risch-kri­ti­sche Les­art des Korans ist Teu­fels­zeug, aus der Sicht die­ser ,Schrift­ge­lehr­ten‘, aus­nahms­los Män­ner. Seit den 60er-/70er-Jah­ren kämp­fen Frau­en für ih­re Rech­te, un­ter an­de­rem für das Recht auf se­xu­el­le Selbst­be­stim­mung, dass er­zwun­ge­ner Sex in der Ehe ein Straf­tat­be­stand ist, für ko­edu­ka­ti­ven Un­ter­richt.

Seit Jahr­zehn­ten kämp­fen in die­sem Land Men­schen für das Recht auf selbst­be­stimm­te se­xu­el­le Ori­en­tie­rung und die Staats­fun­da­men­tal­norm der Ge­wal­ten­tei­lung, für den Rechts­staat und das Ge­walt­mo­no­pol des Staa­tes. War­um to­le­riert die­ses Land, auch un­ser Bun­des­land Nie­der­sach­sen, dass in un­se­ren Schu­len mög­li­cher­wei­se in na­her Zu­kunft Is­lam­un­ter­richt au­ßer­halb staat­li­cher Kon­trol­le statt­fin­det, da doch die Tren­nung von Kir­che und Staat Staats­fun­da­men­tal­norm ist?

Po­li­ti­kern und Kir­chen wirft Ali­ce Schwar­zer zu Recht vor, dass sie ,Schul­ter an Schul­ter mit Funk­tio­nä­ren hoch­su­spek­ter Ver­bän­de ste­hen‘. Sie soll­ten bes­ser den ,Dia­log mit auf­ge­klär­ten Mus­li­men su­chen‘, sag­te Schwar­zer im Deutsch­land­funk.

Nun mö­gen Mus­li­me ent­geg­nen, was das mit Re­li­gi­on zu tun ha­be, und ge­nau dort muss man an­set­zen: Re­li­gi­on ist Pri­vat­sa­che. Fin­det Re­li­gi­ons­un­ter­richt statt, dann er­folgt die­ser auf der Grund­la­ge von ,Lehr­plä­nen‘, die letzt­end­lich po­li­tisch ab­ge­si­chert sind und sich an den Wer­ten und Nor­men die­ses Lan­des ori­en­tie­ren. Das gilt auch für Mus­li­me!“Wolf­gang Ra­ker Os­na­brück

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