Re­zep­te nicht nur für Ve­ge­ta­ri­er

Marc Win­kel­mann aus Lin­gen: Vom Koch­show-Kan­di­da­ten zum Buch-Au­tor

Lingener Tagespost - - LINGEN / WIETMARSCHEN - Von Ju­lia Mausch

In der Koch­show Mas­ter­chef Deutsch­land ist er weit ge­kom­men, als er je­doch an den Aus­tern schei­ter­te, flog er raus. Nun hat der Lin­ge­ner Marc Win­kel­mann ein Koch­buch ver­öf­fent­licht. Weich­tie­re kom­men dort nicht drin vor – es rich­tet sich an Ve­ge­ta­ri­er.

LIN­GEN Es war ein auf­re­gen­des Jahr 2017 für Marc Win­kel­mann. Vor gut 1,5 Jah­ren hat der Lin­ge­ner an der Koch­show Mas­ter­chef Deutsch­land, ei­ner TV-Show des Fern­seh­sen­ders Sky, teil­ge­nom­men. Mit Ge­rich­ten al­ler Art muss­te sich der Gym­na­si­al­leh­rer ge­gen rund 800 Kon­kur­ren­ten durch­set­zen.

Am En­de lan­de­te er auf dem zwölf­ten Platz. „Die Auf­ga­be, die uns ge­stellt wur­de, war, Aus­tern zu­zu­be­rei­ten. Da­von hat­te ich kei­ne Ah­nung“, sagt Win­kel­mann, der die Ju­ry, be­ste­hend aus den Ster­ne­kö­chen Nel­son Müller, Ralf Za­cherl und Sy­bil­le Schön­ber­ger so­wie Som­me­lier Jus­tin Leo­ne, schluss­end­lich mit sei­nem Ge­richt nicht über­zeu­gen konn­te. Win­kel­mann hat­te auf den Sieg ge­hofft, schließ­lich wink­ten 100 000 Eu­ro und ein per­sön­li­ches Koch­buch.

Der Traum zer­plat­ze. Der Lin­ge­ner flog raus, und ein ei­ge­nes Koch­buch rück­te in wei­te Fer­ne. Zu­nächst. Denn heu­te, rund 1,5 Jah­re spä­ter, hält er sei­ne ei­ge­ne Art In der Koch­show „Koch­bi­bel“in den Hän­den. „Veg­gie: Ko­chen leicht ge­macht“lau­tet der Ti­tel. 70 Re­zep­te ent­hält das Buch auf ins­ge­samt 158 Sei­ten, das er im Selbst­ver­lag ver­öf­fent­licht hat und über Ama­zon ver­treibt. Auf die Idee, Re­zep­te für Ve­ge­ta­ri­er zu kre­ieren, hat­te ihn sein bes­ter Freund ge­bracht. „Er ist Ve­ge­ta­ri­er, war ein Koch­muf­fel und hat sich nur von Sa­lat er­nährt, weil er kei­ne gu­ten Re­zep­te kann­te“, er­in­nert sich der 35-Jäh­ri­ge.

Marc Win­kel­mann er­nährt sich da­ge­gen auch von Fleisch, doch nahm er die Her­aus­for­de­rung an, sei­nem Freund die Kunst des Ko­chens nä­her­zu­brin­gen. Über Wo­chen ver­brach­ten die bei­den Män­ner Aben­de in der Kü­che, an de­nen sie sich aus Zeit­schrif­ten, Koch­bü­chern und -Blogs im In­ter­net ve­ge­ta­ri­sche Re­zep­te such­ten und die­se Re­zep­te nach ih­ren Ge­schmä­ckern ver­än­der­ten oder op­ti­mier­ten. Sie lie­ßen Zu­ta­ten aus den Re­zep­ten weg, kom­bi­nier­ten un­ter­schied­lichs­te Aro­men.

Ei­ne Aus­wahl die­ser Re­zep­te füg­te er in ei­nem klei­nen Buch zu­sam­men, das er dann an Weih­nach­ten sei­nem bes­ten Freund und wei­te­ren Be­kann­ten schenk­te. Das Re­sü­mee war durch­weg po­si­tiv, sagt der Leh­rer. Sie al­le pro­bier­ten Re­zep­te aus, und die­je­ni­gen, die Lust auf Fleisch hat­ten, nah­men bei­spiels­wei­se beim ve­ge­ta­ri­schen Gy­ros-Auf­lauf statt So­ja-Pro­duk­ten rich­ti­ges Fleisch. „Ich möch­te nicht je­den zu ve­ge­ta­ri­scher Er­näh­rung be­we­gen“, sagt Win­kel­mann. Das Buch kam bei den Freun­den so gut an, dass der Lin­ge­ner ei­ne Ent­schei­dung traf: Aus dem Büch­lein soll ein gro­ßes Buch wer­den, zu­gäng­lich für je­den.

Qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ger soll­te es wer­den. Da­mit die Ge­rich­te auf den Fotos schmack­haft aus­sa­hen, muss­te die Op­tik stim­men. Ge­nau da­mit hat­te Win­kel­mann be­reits in der Koch­show im­mer wie­der Pro­ble­me. „Mir wur­de zwar im­mer ge­sagt, dass mein Es­sen sehr gut schmeckt, aber nicht gut aus­sieht.“Der 35-Jäh­ri­ge brauch­te Nach­hil­fe und durch­fors­te­te das In­ter­net, schau­te, wie an­de­re Blog­ger und Koch­pro­fis die Spei­sen an­rich­ten, und lern­te, wor­auf er beim Fo­to­gra­fie­ren ach­ten muss.

Stich­wort: Un­ge­ra­de Stück­zah­len. Das mensch­li­che Au­ge nimmt Ar­ran­ge­ments von drei, fünf oder sie­ben Din­gen als na­tür­li­cher und har­mo­ni­scher wahr als Zwei­er- oder Vie­rer­grup­pen. Die­ser Grund­satz gilt nicht nur beim De­ko­rie­ren der ei­ge­nen vier Wän­de, auch, wenn Es­sen in Sze­ne ge­setzt wer­den soll. Win­kel­mann er­fuhr viel neu­es und stell­te fest, dass er al­le Ge­rich­te falsch fo­to­gra­fiert hat­te. Er muss­te 70 neue Fotos ma­chen – und 70 neue Ge­rich­te ko­chen. Sein Glück: Al­le Ge­rich­te sind für die „schnel­le Kü­che“kon­zi­piert. So dau­ert die Zu­be­rei­tung bei kei­nem län­ger als 45 Mi­nu­ten, sagt der 35-Jäh­ri­ge.

Die kom­plet­ten Herbst­fe­ri­en koch­te der Lin­ge­ner ein Re­zept nach dem nächs­ten und ließ Be­kann­te und Freun­de an den Fort­schrit­ten teil­ha­ben. Ge­nau­er ge­sagt auf sei­nem ei­ge­nen Food­blog „Durch Marc und Kno­chen“. En­de Ja­nu­ar war es so weit, das Koch­buch wur­de ver­öf­fent­licht. Wenn es nach Win­kel­mann geht, könn­ten noch wei­te­re fol­gen. Der­zeit be­schäf­tigt er sich mit dem The­ma Low­carb. Der Be­griff be­zeich­net Er­näh­rungs­for­men, bei de­nen der An­teil der Koh­len­hy­dra­te re­du­ziert wird. In Zu­kunft will er auch Koch­kur­se an­bie­ten.

Das Buch „Veg­gie: Ko­chen leicht ge­macht“ist bei Ama­zon für 26,75 Eu­ro er­hält­lich.

Foto: Ju­lia Mausch

Mas­ter­chef Deutsch­land ist er weit ge­kom­men, als er je­doch an den Aus­tern schei­ter­te, flog er raus. Nun hat der Lin­ge­ner Marc Win­kel­mann ein Koch­buch ver­öf­fent­licht.

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