Wi­en­ands und die Kunst im Rat­haus

Ge­bür­ti­ge Bochu­mer füh­len sich im Ems­land sehr wohl / Aus­stel­lung eta­bliert

Lingener Tagespost - - SÜDLICHES EMSLAND - Von An­ne Bre­men­kamp Blick von au­ßen

2003 ist das Ehe­paar Wi­enand nach Salz­ber­gen ge­zo­gen. Mitt­ler­wei­le füh­len Jür­gen und Ur­su­la Wi­enand sich im süd­li­chen Ems­land sehr wohl und en­ga­gie­ren sich für die Kunst.

SALZ­BER­GEN Wenn Pa­ter Roy in frü­her Mor­gen­stun­de noch schnell den Ha­sen­weg fegt, der Mu­sik­ver­ein groß auf­spielt, Bür­ger­meis­ter Andre­as Kai­ser an­läss­lich ei­nes ori­gi­nel­len Fest­ta­ges ei­ne an­er­ken­nen­de Re­de hält und die Vor­gär­ten al­ler Nach­barn kunst­voll in Sze­ne ge­setzt sind, dann ha­ben die kunst­be­geis­ter­ten Ehe­leu­te Ur­su­la und Jür­gen Wi­enand im Jahr 2015 in Salz­ber­gen die „Stra­ße der Skulp­tu­ren“aus­ge­ru­fen und sind de­fi­ni­tiv längst an­ge­kom­men in ih­rer neu­en Hei­mat.

„So et­was Spon­ta­nes geht ein­fach nur gut in ei­nem klei­nen Ort“, sa­gen die Wi­en­ands, die es als ge­bür­ti­ge Bochu­mer nach ei­ner län­ge­ren Zwi­schen­sta­ti­on im bran­den­bur­gi­schen Senf­ten­berg im Jahr 2003 nach Salz­ber­gen ver­schla­gen hat – durch pu­ren Zu­fall. „Je­der Rent­ner aus dem Ruhr­ge­biet, der es sich er­lau­ben kann, zieht aufs Land“, ge­ben die 77-jäh­ri­ge Ur­su­la und ihr ein Jahr äl­te­rer Mann Jür­gen schmun­zelnd zu, vor ih­rem Zu­zug nach Salz­ber­gen vom Ems­land noch nie et­was ge­hört zu ha­ben.

Im Müns­ter­land in der Ge­gend um Not­tuln hat­ten sie auf­grund per­sön­li­cher Ver­bin­dun­gen zu­nächst nach ei­ner neu­en Blei­be ge­sucht, aber: „Ent­we­der wa­ren die Prei­se zu hoch, oder die Häu­ser taug­ten nichts. Da ha­ben wir ge­sagt, dann ge­hen wir halt ein biss­chen wei­ter nach Nor­den“, er­in­nern sich Wi­en­ands dar­an, wie sie sich das Ems­land zu­nächst nur auf ei­ner Land­kar­te an­ge­schaut Der Kunst und den Künst­lern ha­ben. „Wir kann­ten gar nichts hier in der Ecke, aber die gu­te Au­to­bahn­an­bin­dung hat uns di­rekt ge­fal­len. Schnell im Ruhr­ge­biet und schnell un­ter­wegs Rich­tung Os­ten zur Jagd oder Rich­tung Schweiz zu den En­kel­kin­dern.“

Rund­fahrt

Das von ei­nem Mak­ler prä­sen­tier­te Haus in Salz­ber­gen ge­fiel auf An­hieb, die Wi­en­ands schlu­gen so­fort zu. „Die Raf­fi­ne­rie und die Müll­ver­bren­nungs­an­la­ge ha­ben wir erst ei­ne Wo­che spä­ter bei ei­ner Rund­fahrt durch un­se­re neue Hei­mat Salz­ber­gen ent­deckt“, lacht das Paar au­gen­zwin­kernd.

Vor sei­ner Pen­sio­nie­rung an­no 2000 war Jür­gen Wi­enand Stif­tungs­di­rek­tor und Ge­schäfts­füh­rer ver­schie­de­ner Kran­ken­häu­ser, dort in­iti­ier­te er schon re­gel­mä­ßig Kunst­aus­stel­lun­gen. Heu­te ist der lei­den­schaft­li­che Kunst­samm­ler und -ken­ner von der Ga­le­rie Al­te Schu­le u.a. Initia­tor der eta­blier­ten Salz­ber­ge­ner Aus­stel­lungs­rei­he „Kunst im Rat­haus“. Seit ei­nem spon­ta­nen An­tritts­be­such bei Bür­ger­meis­ter Kai­ser und der Fest­stel­lung, dass die Rat­haus­wän­de doch sehr kahl sei­en, ho­len die Wi­en­ands seit 2005 re­gel­mä­ßig nam­haf­te Künst­ler aus al­ler Welt in die süd­ems­län­di­sche Ge­mein­de. Ih­rer bei­der Wir­ken ist in­so­fern ein meis­ter­haf­tes Me­tier, als dass die bei­den krea­ti­ven Köp­fe es im­mer wie­der ver­ste­hen, Kunst mit Ge­nuss, Ge­sel­lig­keit und gu­ter Nach­bar­schaft zu ver­bin­den.

Noch in die­sem Jahr wird die 50. Auf­la­ge der Er­folgs­ge­schich­te „Kunst im Rat­haus“ge­fei­ert, die ne­ben dem künst­le­ri­schen Wert für die Wi­en­ands auch ei­nen per­sön­li­chen hat: „Im Ems­land blei­ben die Alt­ein­ge­ses­se­nen mehr un­ter sich, Neu­zu­ge­zo­ge­ne kom­men erst ein­mal schwer da­zwi­schen. Man muss schon was da­für tun. Über die Kunst­aus­stel­lun­gen ha­ben wir vie­le neue Leute ken­nen­ge­lernt und sehr gu­te Freun­de ge­fun­den“, sagt Ur­su­la Wi­enand im Brust­ton der Über­zeu­gung: „Ich füh­le mich pu­del­wohl hier in Salz­ber­gen!“

Tro­cke­ner Hu­mor

Jür­gen Wi­enand ent­geg­net dar­auf mit sei­nem ihm ty­pisch tro­cke­nem Witz: „Mei­ne Frau fühlt sich hier sau­wohl, ich fühl mich hier wohl. Ich lass das ,sau‘ weg.“Als pas­sio­nier­ter Jä­ger be­dau­ert er, man­gels land­wirt­schaft­li­chen Grund und Bo­dens das Waid­werk in Salz­ber­gen nicht aus­üben zu kön­nen. Da­her wür­de er sich über ei­ne Ein­la­dung zu ei­ner Ge­mein­schafts­jagd je­der­zeit sehr freu­en.

Der eins­ti­ge Groß­städ­ter und welt­of­fe­ne Ruhr­pött­ler sieht Salz­ber­gen, Ems­bü­ren, Lin­gen, Rhei­ne und an­de­re um­lie­gen­de Ge­mein­den nicht se­pa­rat, son­dern als „ei­nen Ort“an. Und so wi­der­spricht es sich nicht, dass die „Grenz­gän­ger“Mit­glied im Rhei­ner Kunst­kreis „Spek­trum 88“wie auch im Lin­ge­ner Kunst­ver­ein sind und sie die Ems­bü­re­ner Mu­sik­ta­ge eben­so ge­nie­ßen wie Kun­stund Kul­tur­an­ge­bo­te in den ems­län­di­schen und west­fä­li­schen Nach­bar­ge­mein­den. „Al­les, was man hier sonst so tut, tun wir auch“, fah­ren die Wi­en­ands ger­ne Fahr­rad, ge­hen wan­dern, ge­nie­ßen die Na­tur und tref­fen Freun­de. Und sie ma­chen er­folg­reich Wer­bung fürs Ems­land: Zu ih­rem gro­ßen und bunt ge­misch­ten Freun­des­kreis ge­hört auch ein Paar aus ih­rer Her­kunfts­stadt Bochum, das auf Emp­feh­lung der Wi­en­ands jetzt eben­falls in Salz­ber­gen sess­haft ge­wor­den ist und so­mit in der neu­en Hei­mat eben­so wie in der al­ten „nur mal eben ums Eck“wohnt.

Foto: An­ne Bre­men­kamp

zu­ge­tan sind die ge­bür­ti­gen Bochu­mer Ur­su­la und Jür­gen Wi­enand eben­so wie Salz­ber­gen, wo sie seit 2005 mit der „Ga­le­rie Al­te Schu­le“die Aus­stel­lungs­rei­he „Kunst im Rat­haus“in­iti­ie­ren.

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