Frisch­zel­len­kur für Klas­si­ker

An­ne Fol­ger in der Al­ten Mol­ke­rei

Lingener Tagespost - - KULTUR REGIONAL - Von Eli­sa­beth Ton­de­ra

FREREN Mu­sik-Ka­ba­rett? Das ist ein Mix aus klas­si­scher Mu­sik, mo­der­nen PopE­le­men­ten oder auch Wer­be­jingles. Die­sen Mix prä­sen­tier­te die Wei­ma­rer Pia­nis­tin, Ka­ba­ret­tis­tin und Schau­spie­le­rin An­ne Fol­ger jetzt ei­nem be­geis­ter­ten Pu­bli­kum in der Al­ten Mol­ke­rei in Freren.

Schwung­voll be­tritt die Künst­le­rin in wei­ßen Turn­schu­hen die Büh­ne, be­grüßt strah­lend die vie­len Zu­schau­er – und hat sie nach we­ni­gen Mi­nu­ten für sich ein­ge­nom­men. Ei­gent­lich ha­be sie ei­nen Flü­gel er­war­tet, ver­rät sie au­gen­zwin­kernd, aber ein Kla­vier ge­he auch. Die Zu­schau­er soll­ten es sich ein­fach vor­stel­len.

Das fällt bei der vir­tuo­sen Pia­nis­tin nicht schwer. An­ne Fol­ger hat Kla­vier, Kam­mer­mu­sik und Lied­be­glei­tung stu­diert. „Ei­gent­lich bin ich klas­si­sche Mu­si­ke­rin“, sagt sie, „aber ich lei­de un­ter Re­pro­duk­ti­ons­ab­nei­gung“. Sie lie­be zwar die B-Kom­po­nis­ten (Bach, Beet­ho­ven und Brahms), aber auch die Beat­les, Back­s­treet Boys und Die­ter Boh­len. Sie spie­le Beet­ho­ven, Bach oder Mo­zart sehr ger­ne, aber nicht so, wie sie es ge­schrie­ben ha­ben. Ih­re Pa­ro­le lau­te des­halb selbst lau­fen, und so heißt auch ihr Pro­gramm: „Selbst­läu­fer“.

An­ne Fol­ger be­schreibt es als „Klein­kunst­pro­gramm mit Hoch­kul­tur. Dar­in mixt sie ver­schie­de­ne Mu­sik­sti­le: klas­si­sche Mu­sik mit mo­der­nen Ele­men­ten und Pop­kul­tur mit Klas­sik. Gran­di­os de­mons­triert sie es mit ei­nem Ar­ran­ge­ment von Bachs Prä­lu­di­um und dem Beat­lesSong „He­re Co­mes The Sun“oder wenn sie Cho­pins Étu­de Op 25 No. 12 „er­gänzt“. „Da war noch Platz“, meint sie. Be­geis­ter­te Fol­ger. Freren: An­ne

Zwi­schen­durch „tes­tet“sie das In­stru­ment mit ei­nem „fin­ger­bre­chen­den“Stück von Franz Liszt. Und ern­tet Bei­falls­stür­me.

In ei­ge­nen Songs übt die Ka­ba­ret­tis­tin bis­si­ge Ge­sell­schafts­kri­tik, wenn sie sich in dem Song „Stehr­um­sel“über die vie­len über­flüs­si­gen Din­ge mo­kiert, die übe­r­all her­um­ste­hen und ver­stau­ben. Und da „Ai­da“in­zwi­schen häu­fi­ger mit Kreuz­fahrt als mit Ver­di as­so­zi­iert wird, hat sie ih­re ei­ge­nen Kreuz­fahrt­schiff-Er­fah­run­gen im „Ai­da-Song“ver­ar­bei­tet.

Spä­tes­tens bei der Par­odie auf die Youtube-Be­au­ty-Blogs kommt die Schau­spiel­aus­bil­dung der Mu­si­ke­rin zum Aus­druck. Die Zu­schau­er la­chen Trä­nen, wenn sie als Blog­ge­rin „Do­re­mi Fa­so­la“ih­ren „Fol­lo­wern“er­klärt, wie man mit Beet­ho­ven die Li­der schminkt. Und da es nach ih­rer Aus­sa­ge mitt­ler­wei­le kein Ka­ba­rett­pro­gramm oh­ne die Deut­sche Bahn gibt, singt sie den Song „Der ICE“von Chris­tia­ne We­ber, in dem sie die Han­dy­kom­mu­ni­ka­ti­on aufs Korn nimmt.

Erst nach drei Zu­ga­ben und dem Dank der Im­pul­seGe­schäfts­füh­re­rin Brit­ta Hei­del „darf“sie schließ­lich die Büh­ne ver­las­sen.

Foto: Eli­sa­beth Ton­de­ra

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