Ein Pau­ken­schlag zum The­ma Bau­haus

Glän­zend durch­kom­po­niert: Neu­er, drei­tei­li­ger Tanz­abend im Thea­ter Os­na­brück

Lingener Tagespost - - KULTUR -

den, dass sie „Die Fei­er“von 1927/28 ei­ne Re­krea­ti­on nen­nen. Fei­er­lich durch­schrei­tet die Dan­ce Com­pa­ny den Büh­nen­raum wie ein le­ben­di­ges Ge­mäl­de, das Spie­ler mit Per­kus­si­ons­in­stru­men­ten zeigt. Pracht­vol­le Ge­wän­der un­ter­strei­chen das Ze­re­mo­ni­el­le die­ser Tän­zer­ket­te.

Ar­me und Bei­ne grei­fen lang­sam in den Raum hin­ein und ge­rin­nen zu kul­tisch an­mu­ten­den Po­sen. Die jun­gen Tän­zer ma­chen die zwei Tei­le der „Fei­er“zur Au­gen­wei­de und ern­ten Zwi­schen­ap­plaus mit der fan­tas­ti­schen Drehmo­no­to­nie von Cristina Com­mis­so. Li­ve-Per­kus­si­on der Tän­zer und Tem­po­st­ei­ge­run­gen bis zum töd­li­chen Schre­cken las­sen die Klam­mer Fas­zi­nie­rend: „Die Fei­er“.

des Abends er­ah­nen. Mag sein, dass die­ser Schre­cken beim Gast­cho­reo­gra­fen Ed­ward Clug, Tanz­chef am Slo­we­ni­schen Na­tio­nal­thea­ter in Ma­ri­bor, et­was pro­fa­ner da­her­kommt mit ei­nem tän­zer­fres­sen­den Maul, ge­bil­det aus zwei El­len­bo­gen. Doch Hu­mor und Über­ra­schung sind das Merk­mal sei­ner 2016 für das Ne­der­lands Dan­se Thea­ter kre­ierten Stücks „Hand­man“. Stau­nens­wert sou­ve­rän wech­seln die Tän­zer zum su­per­prä­zi­sen Stil der schnel­len, kurz­tak­ti­gen Be­we­gungs­ab­läu­fe. Mit atem­be­rau­ben­der Fan­ta­sie ge­stal­tet Clug die Va­ri­an­ten über­grif­fi­ger Tän­zer­hän­de, die ihm sei­ne gro­ßen Raum­geo­me­tri­en und die mi­ni­ma­lis­ti­sche Mu­sik von Mil­ko La­zar las­sen.

Zum ir­di­schen Schre­cken wan­delt sich die Sze­ne in Mau­ro de Can­dias neu­er Krea­ti­on „Bo­le­ro“. Pul­ver­rauch ver­ne­belt Bild­pan­ora­men, die Per­kus­si­ons­schlä­ge als Kriegs­bil­der kenn­zeich­nen. Grau ge­wan­de­te Tän­zer­lei­ber be­we­gen sich zur Mu­sik von Ra­vels „Bo­le­ro“ (1928) stets in der For­ma­ti­on.

Sie zeich­nen erst am Bo­den, dann sich er­he­bend, be­ste­chend kla­re cho­reo­gra­fi­sche Mus­ter in den Raum. Ganz im Sin­ne der Sy­näs­the­sie vie­ler Bau­haus-Künst­ler ver­schie­ben sich da­zu drei Licht­röh­ren­qua­dra­te am Büh­nen­him­mel. Mit der Stei­ge­rung an Tem­po und Wucht neh­men die Tän­zer­kör­per an Fahrt auf und bil­den ei­ne er­schre­cken­de Ma­schi­ne – die der bei­den Welt­krie­ge? Das bleibt of­fen. Die tän­ze­ri­sche Wucht von „Bau­haus/Bo­le­ro“lässt das Pre­mie­ren­pu­bli­kum an­hal­tend ju­beln.

Wei­te­re Auf­füh­run­gen: 13., 17. und 28. Fe­bru­ar. Kar­ten­tel. 0541 7600076.

Foto: Jörg Lands­berg

die Os­na­brü­cker Re­krea­ti­on von Ma­ry Wig­mans

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