Trin­ken bis zur Ver­gif­tung

Zahl der Be­trof­fe­nen ge­sun­ken

Lingener Tagespost - - KREIS EMSLAND - Von Har­ry de Win­ter

Ins­ge­samt 67 Ju­gend­li­che aus dem Ems­land muss­ten im Jahr 2017 im Kran­ken­haus be­han­delt wer­den, weil sie zu viel Al­ko­hol ge­trun­ken hat­ten. 2016 wa­ren es noch 92.

MEP­PEN Kreis­ju­gend­pfle­ger Ul­rich Eng­ling und Ju­gend­amts­lei­te­rin Hel­ga Block be­ob­ach­ten seit ei­ni­gen Jah­ren ei­nen Ab­wärts­trend. Sie füh­ren die­sen auf die Prä­ven­ti­ons­ar­beit zu­rück, die ge­zielt bei den Ju­gend­li­chen an­setzt.

Al­ko­hol und Fei­ern ge­hört für vie­le ein­fach zu­sam­men. Schnell kann der feucht-fröh­li­che Abend in der Dis­co oder auf dem Schüt­zen­fest aber mit ei­nem üb­len Ab­sturz en­den, im schlimms­ten Fall so­gar im Kran­ken­haus.

Ge­ra­de bei Ju­gend­li­chen ist die Ge­fahr groß, sich selbst zu über­schät­zen und zu tief ins Glas zu schau­en. 67 jun­ge Men­schen im Al­ter von 10 bis 19 Jah­ren muss­ten 2017 we­gen ei­ner Al­ko­hol­ver­gif­tung im Ems­land sta­tio­när be­han­delt wer­den. 2016 wa­ren es noch 92.

Be­son­ders bei Fes­ten und an­de­ren Zu­sam­men­künf­ten sei die Ge­fahr ei­ner Al­ko­hol­ver­gif­tung am größ­ten, sagt Kreis­ju­gend­pfle­ger Ul­rich Eng­ling. Da­her sei es wich­tig, an die­sen Or­ten mit Kon­trol­lund Schutz­maß­nah­men prä­sent zu sein. Die­se sei­en un­ter an­de­rem, die Ein­hal­tung des Ju­gend­schutz­ge­set­zes zu ge­währ­leis­ten, aber auch Al­ter­na­ti­ven wie al­ko­hol­freie Cock­tails auf Ver­an­stal­tun­gen an­zu­bie­ten.

Genau­so wich­tig sei je­doch die Prä­ven­ti­ons­ar­beit, in der ver­sucht wer­de, die Ju­gend­li­chen über die Ge­fah­ren des Al­ko­hol­kon­sums auf­zu­klä­ren, so der 45-Jäh­ri­ge wei­ter. Des­halb wur­de 2006 zu­sam­men mit der ka­tho­li­schen Ju­gend­ar­beit, den Fach­am­bu­lan­zen Sucht und den Städ­ten Lin­gen, Mep­pen und Pa­pen­burg das KomAPro­jekt ins Le­ben ge­ru­fen. Ein Teil des­sen sind Schul­be­su­che, bei de­nen in drei Schul­stun­den das ei­ge­ne Ver­hal­ten der Ju­gend­li­chen auf Par­tys re­flek­tiert wird. „Vor­ran­gig be­su­chen wir die neun­ten Klas­sen“, sagt Eng­ling. „Die Schü­ler ha­ben in die­sem Al­ter in der Re­gel al­le schon ers­te Er­fah­run­gen mit Al­ko­hol ge­macht und kön­nen und sol­len sich da­zu äu­ßern.“Um den schu­li­schen Druck zu neh­men, sei wäh­rend des Be­suchs kein Leh­rer an­we­send, son­dern nur die Mit­ar­bei­ter des Ko­mA-Pro­jekts. Die Ju­gend­li­chen äu­ßer­ten sich meist aus­gie­big und schil­der­ten ih­re Er­fah­run­gen. Am bes­ten kom­me, ne­ben ei­ner „Al­ko­hol­bril­le“, die die Wir­kung von Al­ko­hol auf die Wahr­neh­mung si­mu­liert, das Jun­gen-Mäd­chenSpiel an. Da­bei wer­de für das je­weils an­de­re Ge­schlecht be­schrie­ben, wie es sich un­ter Al­ko­hol­ein­fluss ver­hal­te. Wäh­rend die Jun­gen be­trun­ke­ne Mäd­chen als „nicht so schlimm“ein­stuf­ten, be­wer­te­ten die Mäd­chen die be­trun­ke­nen Jungs eher ne­ga­tiv und als un­an­ge­nehm.

„Wir se­hen den Er­folg“

Dass die Prä­ven­ti­ons­ar­beit Sinn er­gibt, be­le­gen laut den Ver­ant­wort­li­chen Um­fra­ge­da­ten. Über die Hälf­te der Schü­ler ha­ben an­ge­ge­ben, den Um­gang mit Al­ko­hol ver­än­dern oder über­den­ken zu wol­len. In vie­len Fäl­len sei der Um­gang mit Al­ko­hol kon­trol­lier­ter ge­wor­den, sagt Hel­ga Block, Lei­te­rin des Ju­gend­am­tes des Land­krei­ses Ems­land. „Wir se­hen den Er­folg. Des­halb blei­ben wir wei­ter dran und ent­wi­ckeln das Pro­gramm ste­tig.“

Es ge­he ja auch nicht dar­um, den Al­ko­hol zu ver­teu­feln. Aber Al­ko­hol sei nun mal ein The­ma für Ju­gend­li­che und sehr leicht und übe­r­all ver­füg­bar. Dass in der Re­gi­on aber mehr ge­trun­ken wer­de als an­ders­wo, kön­ne man nicht be­stä­ti­gen.

Soll­ten El­tern, An­ge­hö­ri­ge oder auch die Ju­gend­li­chen selbst Sor­gen beim The­ma Al­ko­hol ha­ben, so stün­den ih­nen die Tü­ren beim Ju­gend­amt ge­nau wie bei al­len an­de­ren Be­ra­tungs­stel­len of­fen. „Wir neh­men uns die Über­zeugt vom Er­folg Zeit, und die Men­schen sol­len mit ih­ren An­lie­gen zu uns kom­men. Das ist un­ser Auf­trag“, ver­spricht die Ju­gend­amts­lei­te­rin.

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