Lingener Tagespost : 2019-02-11

KULTUR REGIONAL : 18 : 18

KULTUR REGIONAL

KULTUR REGIONAL MONTAG, 11. FEBRUAR 2019 18 Ulrich Dörrie Auch in der Emslandarena Zerzaustes Haar, Blümchenhemd und Sprachstörungen: In seiner Paraderolle als Paul Panzer machte sich Comedian Dieter Tappert als vom Pech verfolgter „Glücksritter“in der gut besetzten, aber nicht ausverkauften Emslandarena noch einmal auf die Suche nach Glück. Frau Hilde, die ihr kleines und vergängliches Glück im „Shopsing“sucht („Haben ist für sie halt besser als Brauchen“). Und deren verhasste „Mädelsabend“-Freundin Eugenia – „ein Name wie ein Schlachtschiff“– die sie gegen ihn zu „beeinflutzten“versucht. Oder der „unnötige“Sohn Bolle, der gern filmt und „seit einigen Jahren voll auf Drohne“ist. „Das sind auch die, die sich eine kleine Kamera auf den Kopf binden und dann filmen, wie sie mit voller Wucht gegen eine Betonwand fahren. Schädelbasisbruch, aber 600 Likes auf Facebook.“ Allen voran aber seine Tochter Susaska, die gerade in einer für ihn schwierigen „Patty“-Phase ist und schon mittwochs beginnt, sich auf den wochenendlichen Besuch der heute sool „Club“genannten „Dikso“vorzubereiten. Dabei gerate er beim Abholen „immer pünktlich un 22 Uhr, auch wenn die Dikso dann noch geschlossen ist“, mit den „tätschowierten Schikorees“aneinander. Vor allem, wenn er einen „zu kurz geratenen Türsteher im Konfirmationsanzug“einmal „Sicherheitshalber“nennt. und studierten Medienpädagogen und Musikers kommt auch in Lingen gut an. Vor allem seine schon zu Beginn seiner Karriere aus über 800 aufgezeichneten Scherzanrufen bekannten legendären Sprach- und Sprechfehler. Insgesamt ist es ein grundsolides Programm mit so einigen Höhepunkten. Ein unterhaltsamer Abend mit vielen Lachern, so wie es sein soll. Und zwischendurch gibt Tappert alias „Paul Panzer“den Zuschauern auch Hintergründiges zum Thema Glück mit auf den Weg. Dazu gehört für ihn, auch einmal Nein zu sagen und weniger konsumund besitzfixiert zu sein, leise Konsumkritik kam hier durch: „Nicht nur haben, haben, haben. Glück ist nicht, viel Geld zu besitzen. Es sind die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Familie, die Liebe.“ mit denen man gerne zusammen ist. Und Hobbys pflegen, „das ist das, was im besten Fall die Arbeit sein sollte“. All dies sind für Tappert Wege zum Glück. Und Musik. Für seine Zugabe brachte er seine Gitarre mit auf die Bühne und improvisierte verschiedene Lieder in zugerufenem Fantasie-Englisch, -Französisch und -Niederländisch. Ein Knaller zum Schluss, der schon jetzt Lust macht auf weitere Abende mit Paul Panzer. Ein Termin steht schon jetzt fest. Am 8. Februar 2020 wird er ab 20 Uhr an gleicher Stelle sein neues Programm „Midlife crisi s... willkommen auf der dunklen Seite“präsentieren. 2020 wieder in Lingen Kritik äußerte er auch an der Datensammelwut moderner Unternehmen. „In meiner Jugend bedeutete Festnetz noch, dass das Telefon fest an eine Wand getackert war. Da wusste man auf jeden Fall immer, wo das Telefon ist. Und nicht umgekehrt.“ Sich mit Dingen beschäftigen, die man gerne macht. Sich mit Menschen treffen, Von Carsten van Bevern Über 800 Scherzanrufe LINGEN Was ist denn nun Glück? Paul Panzer beginnt in seiner Familie mit seiner Suche. Zu schaffen macht ihm dabei natürlich seine Der Humor des 1972 in Düren Geborenen und seit Mitte der 1990er-Jahre in Köln lebenden gelernten Schweißers Mit dem Planwagen angereist

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