Lingener Tagespost : 2019-02-11

KREIS EMSLAND : 28 : 28

KREIS EMSLAND

KREIS EMSLAND MONTAG, 11. FEBRUAR 2019 28 Von Manfred Fickers und über ihnen eine Brücke aus Schnee stehen blieb. „So etwas hatte ich noch nie gesehen. Ich hatte zuvor mit dem Kommandanten gesprochen und ihm gesagt: ‚Wir sind alle müde. Der Rückwärtsgang ist passé und wird nicht benutzt.‘ Dies wurde auch zugesagt.“ „Im weiteren Verlauf trafen wir dann auf einen gummiradbetriebenen Grader der Bundeswehr, der sich festgefahren hatte und an dem die Heizung ausgefallen war. Die zwei Soldaten, die fast erfroren waren, haben wir im Streifenwagen mitgenommen.“ MEPPEN. Vor 40 Jahren sorgte einer der schwersten Wintereinbrüche der Vergangenheit im Emsland für Chaos. Ein Rückblick. Schon zur Jahreswende 1978/1979 hatte das Emsland einen schweren Wintereinbruch erlebt. Aber in der Nacht zum 14. Februar fegte erneut ein Schneesturm über das Land. Straßen wurden durch Schneeverwehungen unpassierbar, Dörfer und Einzelgehöfte von der Außenwelt abgeschnitten. Der Landkreis Emsland und die am stärksten betroffenen Gemeinden bildeten Krisenstäbe, die alle zur Hilfe riefen, die verfügbar waren. Denn schon gegen vier Uhr morgens kamen die Räumfahrzeuge der Straßenmeistereien nicht mehr gegen die Schneemassen an, die vom Sturm zu meterhohen Verwehungen aufgetürmt wurden. Der Krisenstab des Landkreises rief angesichts der Katastrophenlage die Bundeswehr zur Hilfe. Die Erprobungsstelle der Bundeswehr in Meppen (heute WTD 91) schickte eine Schneefräse und einen Bergepanzer, die Bundeswehr aus Lingen Räumfahrzeuge (Motorgrader), Berge- und Pionierpanzer. Um die schweren Fahrzeuge abzusichern, wurde Polizeibegleitung angefordert. Heinz-Jürgen Feldmann war damals einer der Beamten, die von Lingen bis Rhede einen Bergepanzer begleiten mussten. Er berichtete: „Damals war ich ein relativ junger Polizeibeamter beim Polizeirevier Lingen im Streifendienst. Ich hatte an diesem Tag Spätdienst. Es sollte der längste Spätdienst werden, Krisenstab zahlt Berge- und Pionierpanzer im Emsland. In einer kleinen Ortschaft, Feldmann kann nicht mehr genau sagen wo, hatten sich fast die gesamten Einwohner in der Dorfkneipe versammelt. Es war bereits Vormittag des nächsten Tages, und alle hatten alle Hunger und Durst. Auf die Frage des Wirtes, wer die Zeche zahlt, sagte Feldmann ihm, dass wir, wenn wir etwas benötigen, dem Krisenstab Kenntnis geben sollten. Dort würde gezahlt. Ich gab dem Wirt die Nummer des Krisenstabes. Nach Beendigung des Gespräches kam er zu uns und sagte: ‚Was wollt ihr essen und trinken? Alles wird bezahlt.‘ Wir bekamen sogar noch Marschverpflegung und Zigaretten mit.“ „Wir kamen schließlich am Treffpunkt in Rhede am frühen Nachmittag an und wurden dort nach Hause entlassen“, erinnert sich Feldmann. „Für mich war dieser Spätdienst unvergesslich. Ich war von der Herzlichkeit, Hilfsbereitschaft und dem Zusammenhalt der emsländischen Landbevölkerung sehr beeindruckt.“ den ich je verrichtete. Der Dienst dauerte länger als 24 Stunden. Nachdem ich mich zur Dienststelle durchgekämpft hatte, dies gelang nur mit Schneeketten, erhielten wir (eine Streifenbesatzung), den Auftrag, einen Bergepanzer Leopard I zu begleiten und die Nord-Süd-Straße/ Süd-Nord-Straße Richtung Norden freizuschieben.“ Die Begleitung war demnach erforderlich, weil der Panzer über keinen Funk verfügte. Handys gab es zum damaligen Zeitpunkt nicht. Treffpunkt mit dem Bergepanzer war die sogenannte „Todeskreuzung“zwischen Wietmarschen und Dalum (L 67/K 35 in Schwartenpohl). „Hier trafen wir dann auch auf die Besatzung des Leo. Wenn schon im Bereich Lingen hohe Schneewehen vorhanden waren, so wurden sie in Richtung Norden immer höher. Da auf unserem Streifenwagen auch Schneeketten aufgezogen waren, hat der Kommandant des Leos, wenn sehr hohe Schneewehen vorhanden waren, uns zunächst mit der Lampe ‚Rotlicht‘ gezeigt. Wir haben dann gehalten, bis der Leo die Straße freigeschoben hatte, und haben anschließend wieder zum Leo aufgeschlossen.“ einfinden dort zu tanken.“ Gesagt getan, allerdings standen die Beamten und Soldaten dann plötzlich vor einer Holzbrücke über den Haren-Rütenbrock-Kanal. Um zur Firma Knoll zu gelangen, musste man diese Brücke queren. Nur hatte die eine Tonnenbegrenzung. „Ich meine, dass diese Tonnenbegrenzung 3,5 Tonnen betrug. Ich nahm wieder Kontakt mit dem Krisenstab auf und teilte die Situation über Funk mit. Der Bergeleo hat etwa ein Gewicht von 40 Tonnen. Nach einiger Zeit kam die Mitteilung, dass der Leo die Brücke ganz langsam überqueren sollte.“Nach Kontaktaufnahme mit dem Panzerkommandanten erklärte dieser wörtlich: „Entweder mit Vollgas oder gar nicht!“Gesagt getan, die Brücke hielt. Polizist Feldmann erinnert sich, dass seine Kollegen und die Panzerbesatzung vom Firmeneigentümer und seiner Ehefrau (Gerhard und Leni Knoll) etwa gegen 4 Uhr sollten, um erwartet wurden. Seine Frau war nach der Nachricht vom Krisenstab mit ihm zusammen aufgestanden und richtete ein vorzügliches Essen her. „Es gab Schinken-, Wurst- und Käsebrote und reichlich Spiegeleier. Nach dem Tankvorgang, circa 1200 Liter Diesel und 25 Liter Getriebeöl, wurden wir von Herrn Knoll an die Bar eingeladen. Wir hatten uns eine kleine Pause verdient, bevor es dann in Richtung Rhede weiterging.“ Panzer muss tanken Dieses ging eine ganze Weile gut. In etlichen Ortschaften wurden die „Befreier“freudig von den Einwohnern begrüßt, erinnert sich Feldmann. „Etwa gegen 3 Uhr in der Nacht in Höhe der B 408 am Haren-Rütenbrock-Kanal teilte mir der Panzerkommandant mit, dass der Leo keinen Sprit mehr hatte und dringend Treibstoff und Getriebeöl benötigte. Eine Verbindung über Funk mit dem Krisenstab ergab, dass die Tankfahrzeuge der Bundeswehr nicht zur Verfügung standen, da sich diese festgefahren hatten und nicht weiterkamen. Nach geraumer Zeit kam dann über Funk die Mitteilung, dass wir uns bei der Firma Knoll in Erika-Altenberge Fast erfroren Hier wurden die Schneewehen allerdings immer höher. Da die Schneeketten des Polizeiautos zwischenzeitlich weggeflogen waren, hatte die Panzerbesatzung das Auto kurzerhand mit einem dicken, allerdings sehr kurzen Stahlseil direkt hinter den Panzer angehängt. „Wir hingen nun circa zwei Meter hinter dem Leo.“ Die Schneewehen waren so hoch, dass die beiden Fahrzeuge hindurchfuhren Ihre Redaktion 0 59 31/940H.-J. Mammes (ma) -112 Sekretariat -111 Fax -118 [email protected] 0 59 31/940-133 Fax -125 E-Mail: [email protected] Abo-Service -122 Anzeigen

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