Co­ro­na-In­fek­tio­nen neh­men ra­sant zu

Mil­lio­nen Chi­ne­sen keh­ren an Ar­beits­plät­ze zu­rück / Ai­da-Kreuz­fahrt­schif­fe stel­len Asi­en­rei­sen ein

Lingener Tagespost - - VORDERSEIT­E - Dpa/Sei­te 8

PE­KING In Chi­na steigt die Zahl er­fass­ter In­fek­tio­nen mit dem Co­ro­na­vi­rus Sar­sCoV-2 ste­tig wei­ter. Mitt­ler­wei­le sind 64000 Fäl­le er­fasst, die Dun­kel­zif­fer dürf­te be­trächt­lich sein – und wird ver­mut­lich wei­ter stei­gen.

PE­KING/PHNOM PENH Ein En­de der Co­vid-19-Epi­de­mie ist wei­ter nicht ab­seh­bar. Ägyp­tens Re­gie­rung mel­de­te den ers­ten Fall des neu­ar­ti­gen Co­ro­na­vi­rus auf dem afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent. Da­bei han­de­le es sich um ei­ne aus­län­di­sche Per­son, teil­te das Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um in Kai­ro mit.

Die In­fek­tio­nen mit dem Vi­rus Sars-CoV-2 in Chi­na stie­gen mit ei­ner neu­en Zähl­wei­se der In­fek­tio­nen ges­tern wie­der stark. Lan­des­weit sind der­zeit in der of­fi­zi­el­len Sta­tis­tik knapp 64000 In­fek­tio­nen er­fasst, knapp 1400 Men­schen star­ben dem­nach. Die Dun­kel­zif­fer liegt Ex­per­ten zu­fol­ge aber deut­lich hö­her. Der chi­ne­si­sche Staats­sen­der CCTV be­rich­te­te, dass sich im Kampf ge­gen Co­vid-19 be­reits mehr als 1700 me­di­zi­ni­sche Hel­fer wie Ärz­te und Kran­ken­haus­per­so­nal an­ge­steckt ha­ben. Min­des­tens sechs Hel­fer ka­men dem­nach ums Le­ben.

Die Rück­rei­se von zig Mil­lio­nen Chi­ne­sen, die nach den we­gen Co­vid-19 ver­län­ger­ten Fe­ri­en wie­der an ih­re Ar­beits­plät­ze zu­rück­keh­ren, lässt neue In­fek­ti­ons­wel­len be­fürch­ten. „Wir sind mo­men­tan nicht in der La­ge, die Dy­na­mik des Aus­bruchs zu pro­gnos­ti­zie­ren“, sag­te der Prä­si­dent des Ro­bert-KochIn­sti­tuts (RKI), Lothar Wie­ler, am Don­ners­tag. Bis­he­ri­ge Da­ten deu­ten dem­nach dar­auf hin, dass die neue Lun­gen­er­kran­kung Co­vid-19 in Chi­na ähn­lich ver­läuft wie ei­ne schwe­re Grip­pe­wel­le. Der Ber­li­ner Vi­ro­lo­ge Chris­ti­an Dros­ten er­klär­te, dass sich Sars-CoV-2 wie das In­flu­en­za­vi­rus im Ra­chen ver­meh­re, was es an­ste­cken­der ma­che als an­fangs ver­mu­tet. Ziel in Deutsch­land ist es nach RKI-An­ga­ben, ei­ne Er­kran­kungs­wel­le hin­aus­zu­zö­gern. Mög­lichst ver­mie­den wer­den soll dem­nach, dass ei­ne Co­vid-19- und die der­zei­ti­ge Grip­pe­wel­le zu­sam­men­fal­len. Dros­ten wies al­ler­dings auf be­grenz­te Mög­lich­kei­ten der Ein­däm­mung hin: „Ir­gend­wann wird es wahr­schein­lich da­zu kom­men, dass un­be­merk­te In­fek­tio­nen plötz­lich be­merkt wer­den.“Die der­zeit aus Chi­na be­kann­ten Zah­len sei­en mit

Vor­sicht zu ge­nie­ßen, be­ton­ten die Ex­per­ten. „Es sind Trends“, so Wie­ler.

Au­f­at­men konn­ten die Men­schen auf dem Kreuz­fahrt­schiff „Wes­ter­dam“: Nach ta­ge­lan­ger Irr­fahrt durch asia­ti­sche Ge­wäs­ser konn­ten die ers­ten von knapp 2300 Gäs­ten und Cr­ew­mit­glie­dern ges­tern in Kam­bo­dscha das Schiff ver­las­sen. Die deut­sche Bot­schaft

schrieb bei Twit­ter, die ers­te Grup­pe der Deut­schen rei­se am Abend Rich­tung Frank­furt, die üb­ri­gen Pas­sa­gie­re am Fol­ge­tag.

Das Kreuz­fahrt­schiff „Ai­da­vi­ta“der Ros­to­cker Ree­de­rei Ai­da Crui­ses leg­te in der thai­län­di­schen Ha­fen­stadt La­em Cha­bang an. Die Pas­sa­gie­re kön­nen vor­aus­sicht­lich am Mor­gen das Schiff ver­las­sen – nachts sei dies nicht vor­ge­se­hen, wie ein Spre­cher der Ree­de­rei sag­te. Zu­vor hat­te das Schiff nicht wie ge­plant in Viet­nam an­do­cken dür­fen.

Auf bei­den Schif­fen wa­ren kei­ne Co­ro­na­vi­rus-Fäl­le be­kannt. Die Ree­de­rei stellt die Asi­en­fahr­ten der „Ai­da­vi­ta“und „Aida­bel­la“we­gen der Co­vid-19-Aus­brei­tung und zu­neh­men­der Rei­se­e­inschrän­kun­gen für die­se Sai­son ein. Nach dem Nach­weis von in­zwi­schen mehr als 200 In­fek­tio­nen auf der vor Yo­ko­ha­ma in Qua­ran­tä­ne lie­gen­den „Dia­mond Prin­cess“zö­gern asia­ti­sche Län­der, Kreuz­fahrt­schif­fe über­haupt noch in ih­re Hä­fen ein­lau­fen zu las­sen.

In Chi­na war die Zahl er­fass­ter In­fek­tio­nen am Don­ners­tag dra­ma­tisch um et­wa 15 000 ge­stie­gen, weil sich die Zähl­wei­se in der be­son­ders be­trof­fe­nen Pro­vinz Hu­bei ver­än­dert hat­te. In Deutsch­land wur­den bis­her 16 In­fek­tio­nen fest­ge­stellt. Ex­per­ten schlie­ßen aber nicht aus, dass es auch hier­zu­lan­de bis­her nicht er­kann­te Fäl­le gibt.

In Ja­pan war am Don­ners­tag erst­mals ein mit Sar­sCoV-2 in­fi­zier­ter Mensch ge­stor­ben: ei­ne Frau in ih­ren 80ern in der Pro­vinz Ka­na­ga­wa na­he To­kio. Zu­dem sei ein Arzt in der 400 Ki­lo­me­ter ent­fern­ten Prä­fek­tur Wa­ka­yama po­si­tiv auf das Co­ro­na­vi­rus ge­tes­tet wor­den, be­rich­te­ten ört­li­che Me­di­en un­ter Be­ru­fung auf Be­hör­den.

Im­mer mehr Ärz­te und Pfle­ger ha­ben sich mit dem Vi­rus in­fi­ziert. Fo­to: dpa/Zhang Yuwei

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.