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Ona­than War­shaw­sky, Ja­mes Ross-har­ris und Richard War­ner sind zu­sam­men Blen­heim For­ge. Das ist ei­ne der sel­te­nen bri­ti­schen Mes­ser­schmie­den, die sich auf Koch- und Kü­chen­mes­ser spe­zia­li­siert ha­ben und auch ihr Me­tall selbst schmie­den, statt vor­ge­fer­tig­te

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JW: Ja­mes und ich leb­ten im sel­ben Haus und hat­ten et­was Zeit. Al­so fin­gen wir mit Heim­wer­ken an, das trifft es wohl am bes­ten. So ein paar Pro­jek­te an den Wo­che­n­en­den. Wir ver­such­ten, aus ei­ner Mi­kro­wel­le ein Schweiß­ge­rät zu ma­chen, bau­ten ei­nen Räu­che­r­o­fen und ei­nen Grill, zim­mer­ten ei­nen Whirl­pool im Garten. Ich war mit mei­ner Dok­tor­ar­beit in Phi­lo­so­phie be­schäf­tigt und saß stun­den­lang nur über Bü­chern oder am Com­pu­ter. Wer so lan­ge nur auf ei­nen Bild­schirm starrt, dem juckt es ir­gend­wann in den Fin­gern. Ich den­ke, ich brauch­te drin­gend et­was Ab­wechs­lung vom Dau­er­den­ken. Für un­se­re Vor­ha­ben schau­ten wir uns im­mer Vi­de­os auf Youtube an. Und wenn je­mand nach selbst ge­bau­ten Schweiß­ge­rä­ten und Räu­che­r­o­fen sucht, dann emp­fiehlt Youtube frü­her oder spä­ter: „Wie wä­re es mal mit die­sem Vi­deo über Mes­ser?“Ich bin nicht un­be­dingt stolz auf die­se Ge­schich­te, aber so fing es an. Wir woll­ten kei­nen Traum ver­wirk­li­chen, son­dern sa­hen die­ses Vi­deo und fan­den die Idee ein­fach in­ter­es­sant.

JW: Wir hat­ten nicht ge­nug re­cher­chiert und kei­ne Ah­nung von den Schwie­rig­kei­ten, die uns er­war­te­ten. Wir wuss­ten nichts. Wir ex­pe­ri­men­tier­ten mit den fal­schen Me­tho­den und den fal­schen Tem­pe­ra­tu­ren … und den­noch hat­ten wir am En­de aus ir­gend­ei­nem Grund ein fer­ti­ges Mes­ser. Und die­ser un­er­klär­li­che Er­folg mo­ti­vier­te uns. Es kam uns vor, als wä­re das ganz leicht ge­we­sen, und wir dach­ten: „Na, dann ma­chen wir mal ein gan­zes Set da­von.“Da­nach ver­brach­ten wir mehr als ein Jahr mit dem Ver­such, die­sen ers­ten Er­folg zu wie­der­ho­len. Mit un­se­rer Es­se für den Haus­ge­brauch und un­se­rem win­zi­gen Am­boss krieg­ten wir es ein­fach nicht hin. Wir ver­such­ten es mit im­mer neu­en Tem­pe­ra­tu­ren.

JW: Viel­leicht hät­ten wir es nie wie­der ver­sucht oder zu­min­dest nach zwei Ver­su­chen auf­ge­ge­ben. Wir hät­ten er­ken­nen kön­nen, dass das zu kom­pli­ziert für uns ist, und uns das nächste Hand­werk vor­neh­men kön­nen. Aber wir hat­ten es schon ein­mal ge­schafft und wuss­ten, wir könn­ten es wie­der schaf­fen. So ein­fach ist das. Der aber­wit­zi­ge Irr­glau­be, dass man in ei­ner St­un­de ein Mes­ser her­stel­len könn­te, trieb uns ein gan­zes Jahr lang in die Frus­tra­ti­on. Mor­gens be­rei­te­ten wir den Knüp­pel vor, gin­gen dann zur Ar­beit, ka­men zu­rück und zo­gen uns nicht mal mehr um, be­vor wir im Garten die Es­se an­war­fen und an­fin­gen zu schmie­den. Es klapp­te nicht. Wir gin­gen schla­fen und hat­ten Alb­träu­me von Stahl und zer­stö­re­ri­schem Feu­er. JRH: Wir wa­ren ganz er­folg­reich. Hät­te schlech­ter lau­fen kön­nen. RW: Kei­ne Pro­ble­me. JW: Ich hat­te den Mö­bel-job längst auf­ge­ge­ben, aber es dau­er­te noch ei­ne Wei­le, bis wir ei­ne Werk­statt ein­rich­ten konn­ten, und dann noch län­ger, bis sich et­was ver­kau­fen ließ. Zu An­fang ha­ben wir die Mes­ser ein­fach ver­schenkt. Sei­ne Cou­si­nen ha­ben eins be­kom­men und mei­ne Mut­ter auch. Es ver­ging viel Zeit, be­vor wir end­lich ein Pro­dukt hat­ten, von dem wir glaub­ten, dass wir da­für Geld neh­men kön­nen.

JRH: Dann fin­gen wir an, die Mes­ser an die Leu­te in der Ge­gend zu ver­kau­fen, aber im­mer un­ter der Vor­aus­set­zung, dass wir Er­satz leis­ten wür­den, wenn et­was da­mit nicht in Ord­nung wä­re. Man ist nicht plötz­lich in der La­ge, hoch­wer­ti­ge Mes­ser her­zu­stel­len, nach­dem man zwei oder drei ge­schmie­det hat. Man muss lan­ge üben. Jetzt sind wir in der Her­stel­lung viel schnel­ler ge­wor­den, al­so lohnt es sich. Frü­her steck­ten weit mehr Ar­beits­stun­den in je­dem Mes­ser, und wir muss­ten viel da­bei ler­nen.

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